# taz.de -- Die Wahrheit: Volxfest Wiesn mit Dosenbier
> Das Oktoberfest wird dieses Jahr von einem schwulen grünen OB eröffnet.
> Deutschland ist final in die Hände von Linksversifften gefallen.
Eigentlich liegt Frühherbst in der Morgenluft, doch die fesch gewandeten
Besucher:innen murren schon am Eingang vernehmlich. Denn was heißt hier
Eingang? Die Theresienwiese ist umzäunt, an den neun verschiedenen
Eingängen warten schon seit Stunden endlose Schlangen.
Grund für die Zwangspause: Wer aufs Oktoberfest will, muss sich für eins
von neun Geschlechtern entscheiden! Bei manch:e*x dauert die Selbstfindung
ein bisschen, bei anderen kommt es zu spontanen Coming-outs – Homophobe
ringen derweil mit ihren heimlichen Impulsen. Aber so haben das die
queerpropagandistischen Veranstalter, die sich zum Bündnis „Roter Oktober“
zusammengeschlossen haben, heuer auch geplant.
An den Schaltern werden nämlich Bändchen ausgehändigt, die den Zugang zu
den neun verschiedenen Toilettenanlagen auf dem Festgelände streng regeln.
Wer später ohne Anstehen aufs Klo will, entscheide sich am besten für ein
besonders minoritäres Geschlecht, zum Beispiel derer von Wittelsbach oder
Hohenzollern.
Wer sich anderenfalls besoffen in den falschen Safespace einschleicht, wird
von den Ordnern durchgestrubbelt und dezent geschminkt in die Festzelte
entlassen. Dass sich die roh lachende Security aus deutschlandweit
rekrutierten Antifa-Mitgliedern zusammensetzt, hat schon im Vorfeld zu
vehementen Protesten aus dem gutbürgerlichen Milieu geführt.
Grund zur Aufregung gibt es diesjährig genug. Für Unmut in den sozialen
Medien sorgten zuletzt bereits die Schießbuden auf dem Weg zu den
Festzelten. Hier werden Fotos von Stellvertretern des gesunden Deutschland
wie Konrad Adenauer und Adolph von Knigge genussvoll mit Pfeilen beworfen
oder mit Kleinkalibermunition beschossen. Damit wird der Hass auf alles
genährt, was uns Deutschen lieb und wert ist – Ulf Poschardt soll bereits
einen hysterischen Nervenzusammenbruch erlitten haben! Offenbar wurde im
Plenum sogar mit dem Gedanken gespielt, kleine Guillotinen aufzustellen,
die Puppen von Regierungsmitgliedern spielerisch enthaupten; es wäre aber
wohl zu teuer geworden.
Hochgezogene Augenbrauen ebenfalls vor den Fahrgeschäften: Auf den
Achterbahnen geht es wie im gesamten Deutschland nur abwärts – das
Vergnügen ist in anderthalb Minuten vorbei. In der Geisterbahn sollen sich
die Besucher vor ganz normalen Deutschen gruseln, die Wurstgulasch futtern
und Massenabschiebungen planen. Das geht jedoch nach hinten los; viele
finden hier die Liebe ihres Lebens.
Gefährlich sind dieses Jahr die Kettenkarussells. Ständig verlieren oder
sprengen die bedienenden Proleten ihre Ketten, dauernd trudeln herrenlose
Sitze über die Theresienwiese, manchmal sitzt sogar noch jemand drin. Der
Wiesn-Junta ist freilich nur wichtig, dass Opfer mit Schleudertrauma eine
eigene Beauftragte kriegen!
Was dem Bierfass den Boden ausschlägt: Die Festzelte bieten ein Bild des
Elends. Sie wurden nicht mal vom letztjährigen Müll gereinigt. Die
Zapfanlagen sind geklaut, stattdessen gibt es die Maß jetzt als Gebinde aus
zwei Dosenbier von Penny. Immerhin ist es Helles!
Der Preis allerdings mundet vielen: Statt 15 Euro für den Liter zahlt man
nur 8 – es kann also fast doppelt so viel getrunken werden wie sonst. Viele
Mittelschichtler schaffen es deshalb, ihre Furcht vor dem Kommunismus zu
überwinden. Alternativ gibt es lediglich Gänsewein, wie das Wasser von den
Genossen genannt wird, und für die hartgesottenen Zyniker aus der autonomen
Szene jede Menge Molotowcocktails.
Lange Gesichter auch vor den Speisekarten: Statt Schweinshaxe und
Ochsenbraten, Hendl und Steckerlfisch verzeichnen sie dieses Jahr nur
trocken Brot. Über die verbindlichen Tagesgerichte muss das Politbüro in
den nächsten Tagen noch abstimmen. Sicher ist nur, dass Klassiker wie die
berüchtigte WG-Gemüsepfanne („Reis mit Scheiß“) und Signaturgerichte der
untergegangenen DDR („Wurstgulasch“, „Tote Oma“) dabei sind. Von den
Preisen – jeder gibt, so viel er kann – werden die Besucher begeistert
sein; freilich nicht so sehr davon, dass jeder Gast hinterher beim Spülen
mithelfen muss.
Auf den Fassanstich um Punkt zwölf beim Schottenhamel fiebert trotzdem
alles hin. Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause sympathisiert
als Grüner zwar mit der Bewegung, zeigte sich von der revolutionären
Rhetorik der Veranstalter jedoch befremdet. Sicherheitshalber wird er beim
„O’zapft is!“ bleiben und nicht wie vorgeschlagen skandieren: „Kein Gott,
kein Staat, kein Patriarchat!“
## Faules linkes Pack
Probleme könnte auch die klassische Arbeitsmoral der Linken bereiten: Schon
für den Eröffnungstag liegen massenhaft telefonische Krankschreibungen vor,
und ob die Festzelte genügend Dosenbier-Duopacks verkaufen können, wenn
schon bei der Vorbesprechung am Freitag keiner pünktlich erscheint,
erscheint zweifelhaft, Leute!
Etwas öde wird wahrscheinlich auch die Musik. Fest gesetzt sind die
Marseillaise und „Die Internationale“, jeweils mit Breaks für die Tuschs.
Auf dem Podium im Hofbräuzelt wird die Alman Brothers Band immer wieder „De
tu querida presencia, Comandante Che Guevara!“ anstimmen, bis es allen zum
Hals herauskommt – mitsamt dem angestauten Bier.
In den kommenden Tagen wollen die Musiker immerhin noch „7 Tage lang“,
„Anarchy in the U.K.“, „Ein bisschen Frieden“ und was von Napalm Death
proben, damit die Übelkeit nicht weicht. Auf diese Weise ist wenigstens für
die traditionelle Oktoberfeststimmung gesorgt.
Die Münchner Tourismusbehörde warnt allerdings, die Gesamtheit der
Maßnahmen könnte das große, internationale Publikum vergraulen. Sie wird
dabei vom ewig jammernden Mittelstand unterstützt. Riesenchancen für
unseren Staat sehen hingegen die Berufsrevolutionäre, die NGOs und die
Christlich-Sozialistische Union um den ewigen Opportunisten Markus Söder.
Sie wollen vereint die Autoritätslücke füllen, welche die vollends
herabgewirtschafteten Konservativen unter Merz und Linnemann hinterlassen
haben.
So wie die Münchner Räterepublik den Sturz der Monarchie in Deutschland
krönte, könnte mit der diesjährigen Wiesn der Aufbruch in den
Ökosozialismus endlich beginnen.
19 Sep 2026
## AUTOREN
(DIR) Mark-Stefan Tietze
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