# taz.de -- König Harald V. gestorben: Norwegen trauert um seinen verstorbenen König
       
       > Europas ältester amtierender Monarch war seinem Land ein Anker in
       > unruhigen Zeiten. Auch, als Skandale das Königshaus erschütterten.
       
 (IMG) Bild: In Oslo versammeln sich am Freitag Trauernde vor dem königlichen Schloss
       
       Sie konnten ihn sich nicht aussuchen, und doch passte er zu ihnen wie
       bestellt. Er gab ihnen das verbindende Gefühl, für sie alle da zu sein,
       alles Menschliche zu verstehen und sich um alle zu kümmern. Jetzt ist König
       Harald im Alter von 89 Jahren gestorben, und Norwegen trauert.
       
       Schon seit Tagen saßen die Menschen im Land sozusagen mit am Sterbebett.
       Sie erwarteten jede neue Information über den Gesundheitszustand des
       89-jährigen, sie versammelten sich vor dem Schloss in Oslo, sie teilten
       ihre Gedanken, Erinnerungen und auch Botschaften an den Sterbenden mit
       Fernsehjournalisten und in sozialen Medien. Als wollten sie sicherstellen,
       dass er weiß, was er ihnen bedeutete. Er wird es schon lange gewusst haben.
       
       Es war seine Stärke, die Menschen im Land mit seinen Worten zu erreichen
       und zu verbinden. Als ikonisch gilt etwa eine Rede von 2016, zum
       25-jährigen Thronjubiläum. König Harald und Königin Sonja hatten 1500
       Menschen aus allen Ecken des Landes zu einem Fest im Schlosspark
       eingeladen. „Was macht Norwegen aus?“, fragte der Gastgeber. Die geliebte
       Natur, sicher. Aber vor allem seien es die Menschen. Menschen aus so
       unterschiedlichen Regionen wie Nordlandet, Sørlandet und Trøndelag.
       
       ## Ein König mit Einwanderungsgeschichte
       
       Und dann legte er los: Norweger seien auch eingewandert aus Afghanistan,
       Pakistan, Polen, Schweden, Somalia und Syrien. „Meine Großeltern kamen vor
       110 Jahren aus Dänemark und England“, erinnert er, bevor er weitere
       Kategorien der Vielfalt aufmachte.
       
       Norweger seien reich, arm und mitten dazwischen. Sie liebten Fußball,
       Handball, Bergwanderungen, Segeln – oder lägen am liebsten auf dem Sofa.
       Der König zählte Berufsgruppen, Körpergrößen, Gesundheitszustände,
       Familienformen auf – und wie selbstverständlich auch sexuelle
       Orientierungen und Religionen.
       
       Norweger seien Mädchen, die Mädchen lieben, Jungs, die Jungs lieben sowie
       Jungs und Mädchen, die einander lieben. Norweger glaubten an Gott, Allah,
       Alles und Nichts, sagte er in dieser Rede auch. Diese Sätze wurden zuletzt
       wieder viel in sozialen Medien geteilt. Dass es ihnen viel bedeutet habe,
       diese Worte vom König zu hören, ist da die Botschaft. „Ihr seid Norwegen.
       Wir alle sind Norwegen“, hatte der König 2016 gesagt. Seine größte Hoffnung
       sei es, dass sie es schafften, aufeinander achtzugeben.
       
       ## Er konnte mit Worten verbinden
       
       Norwegen ist erst seit 1905 wieder eigenständiges Königreich, nach
       Jahrhunderten unter dänischer und/oder schwedischer Herrschaft. Harald war
       nach seinem Großvater Haakon VII und seinem Vater König Olav V seit 1991
       der dritte Regent dieser neuen Zeit, und der erste auch in Norwegen
       geborene.
       
       Dass er die gesellschaftlichen Veränderungen nicht nur hinnahm, sondern
       reflektierte, respektierte und als König für sie einstand, stärkte seine
       Rolle auch für jüngere Generationen.
       
       Mit Worten verbinden zu können, das war 2011 besonders wichtig, als
       Norwegen [1][nach dem rechtsextremen Terror von Anders Behring Breivik] in
       Schockstarre verharrte. Der König weinte selbst mit dem Land, tröstete
       zugleich und betonte schließlich, er halte fest an dem Glauben an eine
       offene norwegische Demokratie und Gesellschaft. Auch damals rief er die
       Menschen dazu auf, aufeinander achtzugeben.
       
       ## Weltmeister im Segeln
       
       Heitere Auftritte ohne viele Worte gab es natürlich auch. Jährlich zum
       Nationalfeiertag am 17. Mai stand König Harald mit seiner Familie winkend
       auf dem Schlossbalkon, während tausende Schulkinder unten vorbei
       defilierten, fröhlich norwegische Flaggen schwenkend.
       
       Sein besonnenes Auftreten und sein feiner Humor wurden geschätzt – und, wie
       es sich ebenfalls für Norwegen gehört, seine Leidenschaft für Aktivitäten
       in der Natur. Langlauf zu Ostern, Sommerurlaub am Lieblingsfjord – und vor
       allem das Segeln. Darin war er wiederum überdurchschnittlich gut, ein
       Familienerbe. 1964, 1968 und 1972: Dreimal repräsentierte der damalige
       Kronprinz sein Land bei Olympischen Spielen. Der größte Erfolg kam später –
       1987 holte er in Kiel den Weltmeistertitel in der Eintonner-Klasse.
       
       Eine andere alte Geschichte spielt bis heute eine Rolle für das Bild vom
       König: Wie in Norwegen allgemein bekannt, wartete er, noch als Kronprinz,
       einst neun Jahre darauf, seine große Liebe heiraten zu dürfen. Seine
       Beziehung zu Sonja Haraldsen – einer Bürgerlichen! – begann als Skandal.
       Nicht wenige unkten, das Königshaus würde zugrunde gehen, sollte das
       Fräulein einheiraten. Dass er nicht aufgab, legte vielleicht den Grund für
       das Vertrauen in ihn. Aus der unpassenden Freundin wurde die sehr beliebte
       Königin Sonja – es lief deutlich besser als eine Generation später für
       Kronprinz Haakon, der mit dem Tod des Vaters am Freitag plötzlich König
       geworden ist.
       
       ## Unruhe im Königshaus
       
       Aber auch bei dem, was das norwegische Königshaus in den vergangenen Jahren
       erschütterte, bewahrte König Harald Ruhe. Die Enthüllungen über
       [2][Kronprinzessin Mette-Marits Epstein-Kontakte], ihre [3][schwere
       Lungenerkrankung], der [4][Vergewaltigungs-Prozess gegen ihren ältesten,
       nicht royalen Sohn Marius]: König Harald äußerte sich zurückhaltend und
       wenn, dann vor allem besorgt um die Familie. Er galt weiterhin als Anker in
       unruhigen Zeiten – sogar, [5][als die Unruhe aus dem Königshaus selbst
       kam].
       
       Wie könnte ein gewählter Präsident, der alle paar Jahre ausgewechselt wird,
       dieselbe Art von Stabilität garantieren? So argumentierten diejenigen, die
       am Königshaus festhalten wollen. Solange König Harald lebe, solle die
       Monarchie bleiben, sagten auch die, die deren prinzipielles Ende fordern.
       Die Diskussion jetzt zu eröffnen, dürften selbst die sich jetzt noch eine
       Weile verkneifen.
       
       Als König Harald im Februar dieses Jahres auf Teneriffa wegen einer
       Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurde, sendeten die norwegischen
       Medien minütlich Updates. Ein nahender Tod musste in seinem Alter für
       denkbar gehalten werden, gefürchtet wurde er nichtsdestotrotz. Im Februar
       war es nochmal gut gegangen. Bald war er wieder Zuhause. Bald saßen er,
       Königin Sonja und Kronprinz Haakon wieder als Zuschauer beim Skirennen am
       Holmenkollen. Wie jedes Jahr, so war es Tradition.
       
       ## Sein Sohn folgt ihm auf dem Thron
       
       Ihn dort nie wiederzusehen, ebenso wenig wie auf dem Schlossbalkon am 17.
       Mai oder bei seinen traditionellen Reisen durch die Provinzen: Das kommt
       nun auf die Norweger zu. Sich ihr Land ohne König Harald vorzustellen,
       dürfte ihnen noch eine Weile schwerfallen.
       
       Nach dem Tod des norwegischen Königs Harald V am Freitag ist die Krone
       unmittelbar an seinen Sohn Haakon übergegangen. Der bisherige Kronprinz ist
       nach der norwegischen Verfassung nunmehr automatisch König – eine Krönung
       oder andere Zeremonie ist dafür nicht erforderlich. Haakon hatte seinen
       Vater während dessen krankheitsbedingter Ausfälle bereits mehrfach als
       Regent vertreten.
       
       Der 53-Jährige berief zunächst die Regierung in den Königspalast ein, um
       sie formell über den Tod Haralds zu unterrichten. Dabei erklärte der neue
       König, er werde als Monarch den Namen Haakon VIII annehmen. Wie Harald
       sowie dessen Vater und Großvater entschied er sich zudem für den Wahlspruch
       „Alles für Norwegen“. Die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit ist jetzt
       die neue Königin von Norwegen. Die Rolle der Ehefrau des neuen Königs
       Haakon geht aus der offiziellen Liste des Königshauses hervor, die im
       Internet veröffentlicht wurde.
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /15-Jahre-Attentat-auf-Utoya/!6197870
 (DIR) [2] /Norwegens-Kronprinzessin-Mette-Marit-Reger-Mailverkehr-mit-Jeffrey-Epstein/!6150553
 (DIR) [3] /Norwegische-Kronprinzessin/!6188352
 (DIR) [4] /Vergewaltigungsprozess-in-Norwegen/!6187174
 (DIR) [5] /Skandal-in-Norwegens-Koenigshaus/!6111413
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Skandinavien
 (DIR) Norwegen
 (DIR) Monarchie
 (DIR) Mette-Marit
 (DIR) König
 (DIR) Königshaus
 (DIR) GNS
 (DIR) Mette-Marit
 (DIR) Mette-Marit
 (DIR) Jeffrey Epstein
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Norwegische Kronprinzessin: Neue Lunge für Mette-Marit
       
       Vor acht Jahren wurde bei der norwegischen Kronprinzessin eine
       Lungenfibrose diagnostiziert. Nun hat sie eine Spenderlunge bekommen.
       
 (DIR) Vergewaltigungsprozess in Norwegen: Mette-Marits Sohn zu vier Jahren Haft verurteilt
       
       Nach dem Mammutprozess gegen Marius Borg Høiby hat das Gericht sein Urteil
       verkündet: Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin soll für vier Jahre hinter
       Gitter.
       
 (DIR) Epstein-Files: Jeffrey Epstein und seine norwegischen Freunde
       
       Norwegen ist wegen der Verstrickungen wichtiger Landsleute in Aufruhr.
       Zuletzt trat Topdiplomatin Juul zurück. Ihre Kinder standen in Epsteins
       Testament.