# taz.de -- 15 Jahre Räumung der Liebigstraße 14: Keine reine Niederlage
       
       > Aktivist*innen erinnern an die Räumung des linken Hausprojekts in der
       > Liebigstraße 14 vor 15 Jahren. Es sei nicht alles vergebens gewesen.
       
 (IMG) Bild: Einbruch und Krawall: Räumung der Liebigstraße 14 im Februar 2011
       
       Geht das – ein Open-Air-Konzert an einem bitterkalten Berliner Winterabend?
       Tatsächlich: Rund 25 Menschen, dick eingepackt in Handschuhe, Schals und
       Mützen, stehen am Montagabend vor dem Wohnhaus in der Liebigstraße 14 in
       Friedrichshain und lauschen fast zwei Stunden lang den Musiker*innen
       Paul Geigerzähler und Mary Ocher.
       
       Dass die Stimmung unterkühlt anmutet, liegt aber nicht nur am eisigen
       Wetter. Es ist auch der Anlass des Konzerts: der Jahrestag der [1][Räumung
       des Hausprojekts in der Liebigstraße 14] vor genau 15 Jahren. Nach langen
       Rechtsstreitigkeiten war das Wohnprojekt, das kurz nach der Wende aus einer
       Hausbesetzung entstanden war, von einem massiven Polizeiaufgebot geräumt
       worden. Rund um den Einsatz gab es [2][Proteste und Straßenkrawalle].
       
       Doch heute ist die Geschichte der Liebigstraße 14 nahezu vergessen. „An die
       Räumung habe ich keine Erinnerung. Da war ich drei Jahre alt“, sagt ein
       Nachbar am Montagabend zur taz: Sehr gut habe er hingegen noch die
       [3][Räumung des queer-feministischen Hausprojekts in der Liebigstraße 34]
       im Oktober 2020 vor Augen.
       
       „Dabei gab damals einen langen Kampf um das Haus und wütende
       Demonstrationen mit mehreren Tausend Menschen“, betont der Musiker und
       Aktivist Paul Geigerzähler gegenüber der taz. Die Geschichte vom Widerstand
       rekonstruieren die Protestierenden am Montagabend aus alten Flugblättern
       und Aufrufen, aus denen sie vorlesen.
       
       Sie erinnern an den Eigentümer Suitbert Beulker, dem mehrere Häuser im
       Friedrichshainer Nordkiez gehörten – unter anderem die Rigaer Straße 94, in
       der das Hausprojekt [4][bis heute weiterbesteht]. Sie erzählen die Anekdote
       vom Miteigentümer Edwin Thöne, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds in
       Unna. Ihn erreichten damals Tausende Postkarten, in denen er aufgefordert
       wurde, die Räumung der Bewohner*innen, darunter auch Kinder, zu verhindern:
       „Besetztes Haus in Berlin – Protest schwappt nach NRW“, [5][titelte die
       Westdeutsche Allgemeine Zeitung].
       
       Dabei waren zu dem Zeitpunkt aus den Besetzer*innen längst
       Mieter*innen geworden. Doch alle Versuche, die Räumung abzuwenden,
       scheiterten. Ein „runder Tisch“ brachte keine Lösung und auch ein Kauf
       durch eine Schweizer Stiftung klappte nicht. Dann landete der Fall vorm
       Landgericht, wo Richterin Regina Paschke im Einbau einer Stahltür, die die
       Bewohner*innen vor Angriffen von Rechtsextremen schützen sollte, einen
       Räumungsgrund sah. Paschke sprach zahlreiche Räumungsurteile gegen
       Mieter*innen – und geriet wegen ihrer Nebentätigkeiten für die
       Immobilienwirtschaft [6][in die Schlagzeilen]. Auch das eine bittere
       Erinnerung.
       
       Trotz allem möchte Paul Geigerzähler auf der Kundgebung nicht nur von einer
       Niederlage reden: „Die großen Proteste haben andere linke Projekte wie das
       Kulturzentrum Schokoladen in Mitte vor der Räumung bewahrt und auch Impulse
       für die Berliner Mieter*innenbewegung gegeben.“
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Ende-der-Liebig-14/!5127459
 (DIR) [2] /Randale-nach-Raeumung-in-Berlin/!5127386
 (DIR) [3] /Hausprojekt-Liebig-34-in-Berlin/!5719147
 (DIR) [4] /Raeumungsprozess-vor-dem-Landgericht/!6109326
 (DIR) [5] https://www.waz.de/incoming/article402517186/besetztes-haus-in-berlin-wird-geraeumt-protest-schwappt-nach-nrw.html
 (DIR) [6] https://www.bmgev.de/mieterecho/mieterecho-online/richterin-paschke/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Nowak
       
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