# taz.de -- UN-Konferenz gegen Wüstenbildung: Die Wüste braucht ihre Hirten
> Auf der UN-Wüstenkonferenz fordern indigene Gemeinschaften mehr
> Mitsprache. Doch die Diskussionen werden verschoben – dank der USA und
> Russlands.
(IMG) Bild: Gefahr der Wüstenbildung: Rinder trinken das restliche Wasser aus einem kleinen Teich im Dorf Anndiare in der Region Matam im Senegal
Es war wohl eine eher ungewöhnliche Reisegruppe: Sie reisten 6.000
Kilometer durch Eurasien, mit Motorrädern, Pferden und Kamelen. Ihr Ziel:
Die 17. [1][UN-Konferenz gegen Wüstenbildung], kurz COP17, in Ulaanbaatar
in der Mongolei.
Wissenschaftler und Aktivisten nahmen in Vorbereitung auf die Konferenz am
„Silk Road Caravan“ teil. Auf ihrem Weg von den Steppen der Türkei bis zu
den Ebenen der Mongolei begegneten sie Baumpflanzern, Viehhirten und
Landwirten. „Jeder Halt auf dieser Reise hat eine einfache Wahrheit
bekräftigt: Der Mensch steht im Mittelpunkt der Erholung des Landes“, sagte
Yasmine Fouad, Exekutivsekretärin der Wüstenkonvention der Vereinten
Nationen (UNCCD).
Am Freitag sollte die COP17 zu Ende gehen. Während zwei Wochen verhandelten
Delegierte von knapp 200 Staaten über finanzielle und politische Maßnahmen,
um Wüstenbildung und Dürre zu bekämpfen. Der „Silk Road Caravan“ durch
Eurasien, den die UNCCD initiierte, sollte ein Zeichen für Zusammenarbeit
und Freundschaft sein und darauf aufmerksam machen, wie wichtig die
Perspektiven von lokalen und indigenen Gemeinschaften für die Verhandlungen
sind.
Nach außen vermittelt die Konferenz den Eindruck, diesen Appell ernst zu
nehmen. Doch zu Beginn der diesjährigen Konferenz [2][vertagten die
Regierungen in der Eröffnungssitzung Diskussionen] zur
Geschlechtergerechtigkeit, zu Weideland und zur Einbindung der
Zivilgesellschaft – wohl auf Einwände der USA und Russlands hin.
## Protest für Mitsprache
Das Thema ist damit aber nicht vergessen: [3][Mit selbst gemalten
Schildern] protestierten indigene Vertreter gegen die Vertagung. Die
Konferenz hatte zudem den 26. August unter das Motto „Land and People“
gestellt – um einen besonderen Fokus auf die Beziehung zwischen Land und
den Menschen zu legen, die für es sorgen.
Eine Beziehung, die intensiv und zugleich bedroht ist. Weidelandschaften
und die von ihnen abhängige Viehwirtschaft sichern laut UNCCD die
Lebensgrundlage von rund zwei Milliarden Menschen und tragen erheblich zur
weltweiten Ernährung bei. Gleichzeitig lebten laut Weltklimarat IPCC im
Jahr 2015 schätzungsweise 500 Millionen Menschen in Gebieten, die von
Wüstenbildung besonders betroffen waren.
„Völker wie die Gabbra im Norden Kenias betreiben seit jeher Viehzucht auf
dem Land ihrer Vorfahren. Wüstenbildung und Klimawandel machen es für sie
zunehmend schwieriger, Weideland und Wasser zu finden“, sagt Kāwika Riley
von Nia Tero. Auf der COP17 setzte sich Nia Tero für eine stärkere
Beteiligung indigener Völker an den Verhandlungen ein.
Sie unterstützt die sogenannte [4][Ulaanbaatar-Erklärung,] die von
Viehhaltern und indigenen Viehhaltern verabschiedet wurde. Sie betont, wie
wichtig das Recht auf Mobilität für viele nomadische Gemeinschaften und
ihre Tiere ist. Eine nachhaltig organisierte mobile Weidewirtschaft könne
zudem zum Schutz von Klima und Ökosystemen beitragen.
„Die von indigenen Völkern praktizierten Formen der Weidewirtschaft sollten
als wesentlicher Bestandteil von Bekämpfung des Klimawandels, zur
Eindämmung des Verlusts der biologischen Vielfalt und zur Verhinderung der
Wüstenbildung anerkannt werden“, sagt auch Kāwika Riley.
## Weiden für die Zukunft
Ein neuer, von mehreren internationalen Organisationen und
Forschungseinrichtungen vorgelegter [5][Bericht], an dem auch die UNCCD
beteiligt war, bestärkt die Forderung: Lange sei davon ausgegangen worden,
dass Viehhalter zur Wüstenbildung beitragen. Sie könnten aber auch eine
wichtige Rolle beim Erhalt des Bodens spielen. Gut bewirtschaftete
Weidesysteme hätten einige der artenreichsten Landschaften der Welt
geschaffen und erhalten, so der Bericht, den das Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert hat. Und die
Renaturierung von geschädigten Weideflächen lohnt sich: Sie generiere in
der Regel 4 bis 6 US-Dollar pro investiertem Dollar.
## Streit über die Umsetzung
Die Frage war nun gegen Ende der Konferenz, ob es bei Forderungen und
Versprechen bleibt. Zu Beginn hatte UNCCD-Exekutivsekretärin Fouad
wiederholt von dieser COP als einer „COP der Umsetzung“ gesprochen.
Nicht nur bei der Beteiligung der Zivilgesellschaft stellten sich die USA
in den Weg. Schon auf der vergangenen COP16 war es zu keiner Einigung
gekommen, wie und ob gemeinsam gegen Dürre vorgegangen werden soll. Die
Frage ist, wie verbindlich neue Regelungen sein sollten und ob einzelne
Nationen oder die internationale Gemeinschaft für die Umsetzung
verantwortlich sind. Doch die USA verweigerten sich jeglichem
internationalen Abkommen zur Dürrebekämpfung – weder verbindlich noch
freiwillig.
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /COP-gegen-Wuestenbildung/!6204351
(DIR) [2] https://theclimatewatch.com/cop17-faces-pressure-over-indigenous-and-civil-society-voices-in-land-talks/
(DIR) [3] https://enb.iisd.org/convention-combat-desertification-unccd-cop17-25Aug2026
(DIR) [4] https://iyrp.info/sites/default/files/2026-08/Ulaanbaatar_Declaration_2026_Final-1.PDF
(DIR) [5] https://www.ilri.org/news/new-report-makes-investment-case-worlds-rangelands
## AUTOREN
(DIR) Pauline Ruprecht
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