# taz.de -- Wahlkampf um die A100: Dann ist das eben so!
> Im Lichtenberger Theater an der Parkaue streiten die Parteien über die
> drohende Verlängerung der Stadtautobahn in ihren Bezirk.
(IMG) Bild: Wie weiter mit der A100? In Lichtenberg ist sie nicht wirklich willkommen
Ganz am Ende kriegen sich doch noch zwei in die Haare: Antje Kapek,
verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus, und Martin
Schaefer, CDU-Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, streiten sich am
Mittwochabend im Theater an der Parkaue, ob die Umsetzung der
Mobilitätswende in den Kiezen nun ein Alleinstellungsmerkmal von grünen
StadträtInnen ist oder nicht. Egal: Die Debatte über die Zukunft des
Verkehrs im Bezirk im Allgemeinen und [1][den Weiterbau der A100 im
Besonderen], zu der die BI A100 und der BUND eingeladen haben, verläuft für
eine Wahlkampfveranstaltung bemerkenswert konstruktiv, und ein paar mal
wird auch gelacht.
Die Fronten sind natürlich von Anfang an klar, und auf einer der beiden
Seiten steht ziemlich allein der Bürgermeister. Nicht nur Kapek, sondern
auch Antonio Leonhardt (Linke, in der Lichtenberger BVV, will ins
Abgeordnetenhaus) und Tamara Lüdke (SPD, sitzt für Lichtenberg im
Abgeordnetenhaus, will dort bleiben) würden die Debatte um den 17.
Bauabschnitt der Stadtautobahn bis zur Storkower Straße gerne ein für
allemal beenden, und zwar mit dem Aus für das Projekt. Allein, dank
Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan hat dieses Gesetzesrang, und im
CDU-geführten Bundesverkehrsministerium ist das Betonmonster weitaus
populärer als in Berlin.
Moderator Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin zitiert aus einem
[2][Appell, den zwei frühere Abteilungsleiter der Senatsverkehrsverwaltung
2021 veröffentlichten]. Die beiden hatten die Autobahn bis an den Rand von
Prenzlauer Berg früher befürwortet, forderten aber nun, dass der 16.
Bauabschnitt bis zum Treptower Park der letzte bleiben, also dort – im
Planungsjargon – „qualifiziert beendet“ werden solle. Kurz sah es
tatsächlich so aus, als könnte der 17. Bauabschnitt eine Fußnote der
Berliner Verkehrsgeschichte bleiben, aber dann schrieb die damalige
Staatssekretärin im Bundesministerium, eine Berliner FDP-Politikerin, die
Planungsleistungen aus, und alles ging von vorne los.
„Das ist eine Planung aus den 60ern“, sagt Antonio Leonhardt. „Den
verkehrlichen Effekt halte ich für gering bis nicht existent, aber die
Kosten wären extrem, und uns gingen Flächen für Stadtgrün, Wohnungen und
Clubs verloren.“ Antje Kapek sieht das genauso, und fast genüsslich zählt
sie auf, welche Absurditäten die aktuell geprüften Trassenvarianten
bedeuten würden: Entweder müsse ein Teil der frisch eröffneten
Anschlussstelle am Treptower Park wieder abgerissen werden, um die Rampe
für einen Spreetunnel anzulegen – oder dieses Schicksal drohe der ebenso
frisch eröffneten Hälfte der neuen Elsenbrücke, sollte die Autobahn über
den Fluss geführt werden. „Bekloppt!“, findet die Grüne.
## Die unterirdische Lösung
Martin Schaefer muss erst mal loswerden, dass bei der Linken das Geld ja
zumindest dann locker sitze, wenn es um die Vergesellschaftung von
Wohnungen gehe. Dann allerdings formuliert er eine Haltung, die zumindest
nicht so ganz auf der Linie seiner Parteifreundin Ute Bonde, der
Verkehrssenatorin, liegt. Ja, er sei für den Autobahnbau, der Bezirk sei
nicht nur beim ÖPNV ziemlich abgehängt, auch die in Lichtenberg ansässigen
Unternehmen bräuchten dringend einen besseren Anschluss.
Aber! „Für mich kann es nur die unterirdische Lösung geben“, sagt Schaefer.
Und: Man müsse die Planung für die Knotenpunkte wie die Frankfurter Allee
„kritisch begleiten“. Wenn am Ende dieser Debatte, die Schaefer führen will
(im Gegensatz zum Publikum, das dies lautstark zum Ausdruck bringt),
„rauskommt, dass es nicht geht, dann ist das eben so“. Das überrascht sogar
den Moderator: „So habe ich das von der CDU bis jetzt noch nicht gehört“,
sagt Mobilitätsforscher Canzler.
Am Ende steht die ungelöste Frage, wie das Land den Bund davon überzeugen
könnte, dass es dessen Autobahn nicht mal geschenkt will. Tamara Lüdke
stellt die Idee in den Raum, die Planungshoheit über das Projekt wieder
zurückzuholen, was die Linke auch mal gefordert habe – Leonhardt glaubt
allerdings jetzt, dass das „verfassungsrechtlicher Verrenkungen“ bedürfe.
Er schlägt vor, den „politischen Preis hochzutreiben“, indem man die
Vorhalteflächen anderweitig beplane. Was Kapek wiederum „süß“ findet.
Eine Art Schlusswort hat dann Harald Moritz, ehemaliger Treptower
Grünen-Abgeordneter und Verkehrspolitiker, der im Publikum sitzt. „Die
Parteien sagen seit Jahren, dass sie die Autobahn nicht wollen, aber es
passiert nichts. Das Abgeordnetenhaus muss das wollen und den Bund
beauftragen, seine Planungen zu beenden.“ Wenn das mal keine Hausaufgabe
für die kommende Legislatur ist.
27 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Autobahn-Bau/!6106452
(DIR) [2] https://www.berliner-zeitung.de/article/ex-senatsplaner-fordern-unproduktive-debatte-um-a100-verlaengerung-beenden-154746
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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