# taz.de -- WM-Boykottdrohung im Frauensport: Nicht einmal Tagegeld
       
       > Österreichs Eishockeyspielerinnen erlangen mit radikalem Protest gegen
       > den Verband Sichtbarkeit. Gut so, etliche Missstände werden kaum
       > wahrgenommen.
       
 (IMG) Bild: Österreichs Eishockeyfrauen verteidigen bei einem Testspiel gegen Deutschland ihr Tor
       
       Erstmals haben sich Österreichs Eishockeynationalspielerinnen für eine
       Weltmeisterschaft qualifizieren können. Und genau dieses Turnier, das im
       November in Dänemark ausgetragen wird, erwägen die Sportlerinnen nun wegen
       fehlender Wertschätzung ihres Verbandes zu boykottieren. Die Überlegung
       illustriert den hohen Verzweiflungsgrad.
       
       „Genug ist genug“, hat Kapitänin Anna Meixner dieser Tage gesagt. Der
       Einladung zum Vorbereitungsturnier in die Slowakei vergangenes Wochenende
       sind einige Nationalspielerinnen nicht gefolgt, andere wie Meixner, die
       sich mit ihrem Protest besonders hervorgetan haben, wurden vom Verband gar
       nicht eingeladen. Insgesamt fehlten elf Auswahlspielerinnen bei dem
       wichtigen Testturnier.
       
       Seit Jahren kämpfen die Eishockeyfrauen schon vergeblich um bessere
       Rahmenbedingungen und finanzielle Entschädigungen. Es gab bislang kein
       Tagegeld, nur eine Mahlzeit pro Tag, Übernachtungen in Etagenbetten,
       Aufwärmpullis nur in XXL-Männergröße und für die anderweitig Berufstätigen
       viel zu kurzfristige Einladungen zu Leistungstests oder Trainingslagern.
       Der Verband verteidigt sich damit, den Spielerinnen für das kommende Jahr
       schon Verbesserungen in Aussicht gestellt zu haben. Diesen sind die
       Angebote zu unkonkret.
       
       Freilich kann man diese Geschichte als einen Extremfall relativieren. Zu
       bedenken ist aber auch: Ein breites Publikum hat erst davon mitbekommen,
       weil die Sportlerinnen sich zu einer extremen Reaktion entschlossen haben.
       
       ## Hartnäckige Rückständigkeit
       
       [1][Die Einkommensverhältnisse zwischen Männern und Frauen im Sport] zeugen
       im Vergleich mit anderen gesellschaftlichen Bereichen nach wie vor von
       hartnäckiger Rückständigkeit. Gerechtfertigt wird das gern mit der höheren
       Nachfrage der Konsumentinnen und Konsumenten für den Männersport. Der Markt
       regele eben die Preise. Selten wird dabei mitbedacht, dass Frauen über
       Jahrzehnte erschwerte Zugänge zum Sport hatten. [2][Das ist ein
       struktureller Nachteil,] der sich natürlich auch in der sportlichen
       Entwicklung der jeweiligen Sportarten bemerkbar gemacht hat.
       
       Viele prekäre Geschichten werden auch deshalb kaum wahrgenommen, weil so
       aufmerksamkeitserregende Protestformen wie ein WM-Boykott nicht zur Wahl
       stehen. „Spiegel online“ berichtete kürzlich darüber, wie entsetzt
       Arbeitsrechtler über die Verhältnisse in der Handball-Bundesliga der Frauen
       sind. Einige Spielerinnen werden auf Minijob-Basis angestellt und verdienen
       wegen der höheren Arbeitszeit dabei nicht einmal den gesetzlichen
       Mindestlohn. Die Bundesregierung, beklagt ein Arbeitsrechtler, habe das
       Unterlaufen des Mindestlohns im Sport begünstigt, indem die Sportvereine
       von den Kontrollmechanismen verschont wurden.
       
       Dies gilt natürlich auch für den Männersport. Im Frauensport sind davon
       allerdings in größerem Maße die Allerbesten betroffen. Empörungswellen
       werden von solchen Geschichten nicht gerade ausgelöst.
       
       Fortschritte müssen selbst bei den Fußballerinnen, die im Vergleich zu
       ihren Kolleginnen in anderen Sportarten privilegiert sind, mühsam erkämpft
       werden. Seit etlichen Jahren wird immer wieder ein Mindestlohn für die 1.
       und 2. Fußball-Bundesliga der Frauen gefordert, damit die Vereine
       professioneller arbeiten können, ihr Training nicht immer abends ansetzen
       müssen. Umgesetzt wurde dies bis heute nicht. Es gibt lediglich
       Absichtserklärungen. In diesem konkreten Fall könnten [3][radikalere
       Protestformen der Fußballerinnen ebenfalls sinnvoll sein.]
       
       26 Aug 2026
       
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