# taz.de -- Guten Gewissens Geld verdienen: Hamburg macht grüne Schulden
       
       > Der Hamburger Senat will am Kapitalmarkt Geld einwerben, um den Weg zur
       > Klimaneutralität der Stadt zu finanzieren. Geplant ist eine grüne
       > Anleihe.
       
 (IMG) Bild: Wer investieren will, braucht meistens einen Kredit: Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hamburger Kongresszentrums
       
       Hamburgs städtische Unternehmen brauchen Geld, um die ökologische
       Transformation der Stadt voranzutreiben. Damit die Zinsen für die
       entsprechenden Kredite möglichst niedrig ausfallen, hat der rot-grüne Senat
       beschlossen, neue Wege zu gehen.
       
       Er beauftragt seine Finanz-Service-Agentur (FSA), einen großen Kredit
       aufzunehmen und das Geld dann an die einzelnen Unternehmen weiterzureichen.
       Auf diese Weise profitieren die Unternehmen von der hervorragenden
       Kreditwürdigkeit der Gesamtstadt, die besser ist als die der einzelnen
       Unternehmen. In der Vergangenheit hatte etwa die Investitions- und
       Förderbank (IFB) Hamburg Social Bonds aufgelegt und die Hochbahn einen
       Green Bond.
       
       Die vor anderthalb Jahren gegründete FSA, die die Finanzierung der
       Hansestadt und ihrer Beteiligungen managt, soll Ende dieses, Anfang des
       nächsten Jahres eine grüne Anleihe über 500 Millionen Euro am Kapitalmarkt
       platzieren. Die Anleihe sollen institutionelle Anleger wie Banken oder
       Pensionsfonds kaufen und gegebenenfalls auch in kleiner Stückelung als
       Wertpapiere an ihre Kunden weiterreichen.
       
       „Der Markt nimmt diese Angebote gerne an“, sagte Finanzsenator Andreas
       Dressel (SPD) bei der Vorstellung des Green Bonds. „Diese Produkte sind
       überzeichnet.“ Zusätzlich zur guten Kreditwürdigkeit der Stadt sorge die
       große Nachfrage dafür, die Zinsen für die Stadt weiter zu drücken, so
       zumindest die Erwartung der FSA.
       
       ## Regeln fürs Investieren
       
       Green Bonds sind ein etabliertes Kapitalmarktprodukt, für das bestimmte
       Regeln gelten. Hamburgs FSA orientiert sich für ihren Green Bond [1][an den
       Prinzipien der International Capital Market Association (ICMA)]. Die
       Bereiche, in die investiert werden kann, reichen von erneuerbaren Energien
       bis zu intelligenten Netzen, von sauberem Verkehr bis zu sauberem Wasser,
       von der Reduzierung der Luftverschmutzung bis zum nachhaltigen Management
       von lebenden natürlichen Ressourcen.
       
       Um daraus ein Produkt für den Kapitalmarkt machen zu können, muss der
       Anbieter nachweisen, dass das Investment einen Effekt im Sinne ökologischer
       Nachhaltigkeit hat. Wie Jakob Rieper von der FSA sagte, wird dazu zum einen
       nachgewiesen, welche Summen in welchen Nachhaltigkeitsbereich fließen. Zum
       andern wird die Wirkung der Investitionen dokumentiert, etwa das Senken des
       CO₂-Ausstoßes. Welche Parameter Hamburg genau nutzen möchte, wird noch
       erarbeitet.
       
       Projekte, die in Hamburg damit finanziert werden könnten, gibt es
       reichlich: [2][emissionsfreie Busse, U-Bahn-Bau], der [3][Bau eines
       Elektrolyseurs für grünen Wasserstoff], der Ausbau des Fernwärmenetzes,
       Nutzung von Abwärme, Geothermie und Windkraft. All das sind Projekte, die
       von städtischen Unternehmen wie Hamburg Wasser, der Hamburger Hochbahn oder
       Hamburg Energie vorangetrieben werden.
       
       Hamburger, die solche Papiere kauften, könnten solche Projekte unterstützen
       und zugleich von der ökologischen Transformation der Stadt profitieren,
       sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Das könne die Akzeptanz für den
       ökologischen Umbau erhöhen.
       
       „Für uns ist es ein strategisches Investment“, sagte FSA-Vorstand Sven
       Padberg. [4][Schon der Klimaentscheid, der Hamburg dazu verpflichtet, bis
       2040 klimaneutral zu werden], mache entsprechende Instrumente nötig. Der
       mit der grünen Anleihe verbundene Aufwand rechtfertigt sich dadurch, dass
       die FSA in Zukunft weitere Green Bonds auf den Markt bringen will.
       
       „Auch grüne Schulden dürfen aber nicht davon ablenken, dass sich die
       Finanzlage der Stadt aktuell deutlich verschlechtert“, kritisierte Thilo
       Kleibauer, der haushaltspolitische Sprecher der oppositionellen
       CDU-Fraktion. Der Senat selbst gehe in seinem Haushaltsplan davon aus, dass
       der Zinsaufwand in den kommenden Jahren wieder auf eine Milliarde Euro pro
       Jahr ansteigen könne. Hier müsse rechtzeitig gegengesteuert werden.
       
       In der Tat zeigten die von Finanzsenator Dressel vorgestellten Zahlen den
       Beginn einer Trendwende beim Zinsaufwand für die Stadt. Dieser war trotz
       tendenziell steigender Verschuldung bis 2024 gesunken und im vergangenen
       Jahr erstmals seit mehr als 20 Jahren wieder gestiegen.
       
       25 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.icmagroup.org/assets/documents/Sustainable-finance/Translations/German_GBP-06-2021-301221.pdf
 (DIR) [2] /Kosten-der-Verkehrswende/!6155243
 (DIR) [3] /Schritt-zur-Energiewende/!6133465
 (DIR) [4] /Schaerferes-Klimaschutzgesetz-kommt/!6116479
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
       ## TAGS
       
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