# taz.de -- In der Tatort-Sommerpause: Mit dem Nemec hinterm Batić
> Wer einen Abend mit Miroslav Nemec verbringt, ist verwirrt. Wer spricht
> da: Der Kommissar oder der Autor?
(IMG) Bild: Miroslav Nemec alias „Tatort“-Kommissar Ivo Batić
Jetzt klingelt bestimmt gleich das Handy, er wird „Batić?“ und nach wenigen
Sekunden „Ich komm sofort“ sagen und dann spurlos verschwinden. So dachte
mein erhitzter Kopf, als ich kürzlich mit Miroslav Nemec [1][alias
„Tatort“-Kommissar Ivo Batić] einen Abend im schwäbischen Langenau
verbrachte.
Ich brauchte eine Weile, um die Vorstellung loszuwerden, dass der Mann gar
nicht als Kommissar hier war, sondern als Autor, als Leser und Vorleser,
als Rezitator. Meine hitzige Verwirrung lag aber nicht nur an meiner
beschränkten Fähigkeit, die Rolle vom Schauspieler zu trennen.
Sie lag auch daran, dass der Schauspieler ziemlich genauso aussah und
ziemlich genauso sprach wie seine Rolle und mir eigentlich nur eine Sache
an ihm komisch vorkam: Er hatte noch mehr Humor als seine Rolle. Zudem
stand er auch hier vor den Kameras, weil ständig wer vorbeikam, um mit ihm
ein Selfie zu machen, selbst der ehemalige Polizeichef dieser Gegend.
Es war der letzte Junisamstag in diesem Jahr, [2][der heißeste Samstag seit
Beginn der Temperaturaufzeichnungen] in Deutschland. Gemeinsam mit der
Autorin Alida Bremer bildeten Miroslav Nemec und ich die
[3][Bühnenbesetzung der „Kroatischen Nacht“], die die Buchhandlung Mahr
gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt organisiert hatte.
## Ein toter Jugo
Alle nötigen Zutaten für einen guten Sommerkrimi waren versammelt:
kriminelle Hitze, ein legendärer Kriminalhauptkommissar, viel Publikum,
eine Bühne, drei Jugos (interessanterweise alle ohne ić).
Nach der ARD-„Tatort“-Statistik hätte ich in der Hitze der Nacht mit
einigen toten Jugos gerechnet, denn in der Regel gibt es, wo ein Jugo im
„Tatort“ auftaucht, mindestens drei weitere Jugos, allerdings tot.
Zwar kam es während des Abends zu einem Blaulichteinsatz, ein Mörder oder
toter Jugo waren aber nicht der Grund, sondern nur ein Hitzschlag.
Als Miroslav Nemec [4][aus Miljenko Jergovićs Roman „Freelander“] die Szene
vorlas, in dem die Spieler eines bosnischen Regionalfußballteams als
Fakebrasilianer enttarnt werden, kam es dann doch noch zu einem kuriosen
Zwischenfall: Der Klapperstorch, der seine kleinen Babyklapperstörche auf
dem Kirchendach mit irgendwas zu essen beglückte, begann mitten in der
Lesung sehr laut zu klappern.
Offenkundig klapperte er seine Mitstörche aus der Gegend zusammen, denn im
Folgenden überflogen immer wieder storchenbeinige Flugobjekte die Lesebühne
vor der Kirche, um sich auf den umliegenden Dächern zu positionieren und
über die falschen brasilianischen Bosnier zu lachen. Weder kam ein Storch
noch ein Mensch an diesem Abend zu Schaden, und sämtliche Zweibeiner waren
von dem grandiosen Rezitator Nemec begeistert.
Es gibt übrigens noch etliche Gelegenheiten, den Schauspieler live zu
erleben, beispielsweise mit seinem Bühnenprogramm „Miroslav Jugoslav. Der
Nemec hinter dem Batić“ auf Tour, in dem er aus seiner Autobiografie liest
und aus seinem Leben erzählt und singt. Sie können sich aber auch die
„Tatort“-Sommerpause versüßen und die 100 Folgen des [5][nun in Rente
gegangenen Münchner Kommissarenduos Batić/Leitmayr] bingen. Meine
Empfehlung: „Die letzte Wiesn“ (2015) und „Frau Bu lacht“ (1995), in der
Regie von Dominik Graf.
9 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Letzer-Batic-Leitmayr-Tatort/!6164594
(DIR) [2] /Bericht-des-Robert-Koch-Instituts/!6194641
(DIR) [3] https://www.swp.de/kultur/miroslav-nemec-in-langenau-ein-blick-in-die-seele-kroatiens-79247097.html
(DIR) [4] /Baujahr-1975-unfallfrei/!453085/
(DIR) [5] /Letzer-Batic-Leitmayr-Tatort/!6164594
## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
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