# taz.de -- Banken-Run in Russland: Geld lieber im Einmachglas
       
       > Die Menschen in Russland holen massenhaft ihr Geld von der Bank. Das ist
       > eine Abstimmung am Bankschalter, aber noch nicht „systemrelevant“.
       
 (IMG) Bild: Die russischen Banken könnten ein Problem bekommen, wenn noch mehr Menschen ihr Geld abheben
       
       Es ist ein toxisches Gemisch: Insolvenzwelle von Unternehmen
       undSelbständigen, immer mehr unbediente Kredite, aktuell stark rutschender
       Rubel, Aktienkurse unterm Niveau von vor dem Überfall auf die Ukraine 2022.
       Und dazu die immer erfolgreicheren [1][Drohnen- und Raketenangriffe der
       Ukraine] auf russische Logistikzentren, Raffinerien, Rüstungsfabriken. Kein
       Wunder, dass Russlands Konteninhaber und Sparer jetzt heftig reagieren.
       
       Wladimir [2][Putins Kriegswirtschaft steht vor dem Scheitern:] Die zivilen
       Branchen stecken bereits in der Rezession. Die Rüstungswirtschaft muss
       teilweise zu Kosten produzieren, die nicht zu erwirtschaften sind. Doch
       wegen der schieren Menge der Waffen ist das Haushaltsdefizit schon jetzt
       fast doppelt so hoch wie für das Gesamtjahr geplant. Die Höhe der
       Rubelreserven des Finanzministeriums wurde gerade als geheim eingestuft.
       
       Dafür dröhnt eine Sorge viel öffentlicher und lauter: [3][Die Sparkonten
       der Russinnen und Russen könnten wegen finanzieller Not des Staates
       zwangsumgewandelt werden] in schlecht verzinste und nicht frei handelbare
       Kriegsanleihen. Oder gar verstaatlicht werden. Es ist ein alter russischer
       Instinkt, spätestens seit den erstenschlechten Erfahrungen in den
       Umbruchjahren nach dem Zerfall derSowjetunion: Wenn es nach Krise riecht,
       das Geld von der Bank abheben und in einer „Banka“ – einem Einmachglas –
       unter der Matratze verstecken.
       
       Das geschieht gerade massenhaft. Hunderte Milliarden Rubel werden derzeit
       monatlich abgehoben. „Systemrelevant“ ist dies angesichts von 700
       Milliarden Euro Bank- und Spareinlagen russischer Haushalte noch nicht.
       Wohl aber eine Abstimmung am Bankschalter statt an den Wahlurnen für die
       Mitte September anstehende Duma-Wahl. Die ohnehin eine Pseudoabstimmung für
       das Parlament ist.
       
       „Golosuj serdzem“, stimme mit dem Herzen ab, hatte der erste
       Nachwende-Präsident Boris Jelzin einst seinen Wahlslogan genannt. Jetzt
       stimmen die Menschen in Russland mit Rubeln ab. Es ist ein Misstrauensvotum
       gegen den Autokraten Wladimir Putin.
       
       23 Aug 2026
       
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