# taz.de -- Vorschau auf Frauen-Bundesliga: Sehnsucht nach Überraschungen
       
       > Etliche Spitzenkräfte haben vor der Saison der deutschen Eliteliga den
       > Rücken gekehrt. Die Pläne, wieder attraktiver zu werden, wirken
       > unausgegoren.
       
 (IMG) Bild: Marie-Louise Eta, die einstige Trainerin des Männerteams von Union Berlin, betreut diese Saison die Fußballerinnen des Vereins
       
       Natürlich fällt das Rampenlicht schon wieder auf Trainerin Marie-Louise
       Eta. Zum Eröffnungsspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Union Berlin und
       Bayern München (Freitag 18.20 Uhr/ZDF, Dazn und Magenta TV) generiert die
       35-Jährige das größte Interesse, weil sie vor wenigen Wochen [1][als
       Pionierin die Männer durch den Abstiegskampf führte]. Mit ausreichend
       Abstand startet nun ihre nächste Mission: die zementierten
       Kräfteverhältnisse im deutschen Frauenfußball aufbrechen. [2][Dass das
       Münchner Starensemble das fünfte Mal in Folge die Meisterschaft gewinnt,]
       ist indes auch mit dem eisernen Willen von Union Berlin kaum zu verhindern.
       
       Aber dahinter könnte sich das Feld neu sortieren, nachdem seit 2022/23
       immer Bayern, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt in dieser Reihenfolge
       die internationalen Plätze belegten. Union setzte mit der Verpflichtung der
       Frankfurter Nationalspielerinnen Jella Veit und Lisanne Gräwe ein Zeichen.
       Auch Bayer Leverkusen strengt sich an, in die Phalanx einzubrechen. Die
       Bayern haben derweil mit dem Bezug des Sportparks Unterhaching als neue
       Heimat – vorerst nur für die Champions-League-Heimspiele – ihre Ambitionen
       untermauert. „Wenn 2029 alles fertig ist, dann ist das eine Revolution im
       Frauenfußball“, behauptet Präsident Herbert Hainer.
       
       Vizemeister VfL Wolfsburg und der Dritte Eintracht Frankfurt haben immer
       größere Probleme, ihre Leistungsträgerinnen zu binden. Wie sehr sich alles
       verändert, beschreibt Friederike „Fritzy“ Kromp als [3][Trainerin von
       Werder Bremen]: „Es ist schon verrückt, wie schnell die Entwicklung ging.“
       Ablösesummen, Gehälter würden durch den internationalen Markt rasant
       steigen. Aber auch national nimmt der Verdrängungswettbewerb zu, weil
       erstmals nur noch Lizenzvereine mit einem Männerprofiteam die höchste
       Frauenspielklasse bilden. Rund zwei Millionen Euro fließen im Schnitt in
       die Quersubventionierung. Und wenn ein Mindestgrundgehalt kommt, wird der
       Personalaufwand noch einmal kräftig steigen.
       
       Nach dem Abstieg von Carl-Zeiss Jena und SGS Essen als letzter
       Frauenfußballverein könnte es diesmal in der unteren Tabellenhälfte richtig
       spannend werden: Der VfB Stuttgart und FSV Mainz 05 sind „keine klassischen
       Aufsteiger“, sondern Neulinge mit einem enormen Ehrgeiz (Stuttgart) und
       einem klugen Plan (Mainz).
       
       ## Ausverkauf bis zur Heim-EM?
       
       Ansonsten verlassen prägende Figuren die Liga. Europameisterin Georgia
       Stanway. Geraldine Reuteler und Selina Cerci (alle FC Arsenal), Elisa Senß
       und Lineth Beerenstyn (beide Real Madrid), Nicole Anyomi (London City
       Lionesses) oder Vivien Endemann (FC Liverpool) sind weg. Nach der WM 2027
       in Brasilien könnten die Bayern-Stars Klara Bühl und Franziska Kett folgen.
       Im schlimmsten Fall spielt zur Heim-EM 2029 keine deutsche
       Nationalspielerin mehr in der Heimat. Die Ausgliederung der
       Frauen-Bundesliga ist zu einem Zeitpunkt geschehen, an dem Vereine und
       Verband eigentlich alle Kräfte bündeln müssten.
       
       Stattdessen hat sich die Frauen-Bundesliga FBL e. V. eigenständig auf den
       Weg gemacht – und den Bruch mit dem DFB in Kauf genommen. FBL-Präsidentin
       Katharina Kiel (Frankfurt) wird selten konkret, wenn es um die geeigneten
       Maßnahmen geht, „sichtbarer, innovativer und wachstumsfähiger“ zu werden.
       Wie bitte soll die Identität aussehen, wo England auf allen Ebenen
       meilenweit enteilt ist?
       
       Lackmustest werden die anstehenden Verhandlungen für den neuen
       Fernsehvertrag – vorerst nur für die nächsten zwei Jahre. Zwei
       Streamingdienste übertragen diese Saison noch jedes Spiel. Mit den
       öffentlichen-rechtlichen Sendern kommen 5,17 Millionen Euro jährlich
       zusammen. Die Idee, schon ab der Saison 2027/28 Play-off-Spiele mit
       Halbfinale und Finale zur Meisterschaftsentscheidung einzuführen, um die
       Gebote in die Höhe zu treiben, wirkt unausgegoren.
       
       Bayern-Direktorin Bianca Rech spricht von einer „Abwertung der Liga“ und
       Wolfsburgs Sportboss Dieter Hecking von einem „kontraproduktiven Eingriff“
       in den Wettbewerb. Es mehren sich die Indizien, dass es auf der nächsten
       Mitgliederversammlung gar nicht zur Abstimmung kommt. Was oft nicht
       mitgedacht wird: Kann es sich Deutschland leisten, einen
       Überraschungsmeister in die immer herausfordernde Women’s Champions League
       zu entsenden, wo jeder Punkt für die künftigen Startplätze zählt? Bereits
       beim Supercup in Ingolstadt sollen die Bosse aus München und Wolfsburg
       beratschlagt haben, wie der Plan mit den Play-offs schnell wieder in der
       Schublade verschwindet.
       
       20 Aug 2026
       
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