# taz.de -- 75 Jahre Disney-Comics auf Deutsch: Mit „Micky Maus“ wurden Comics salonfähig
> 1951 erschien die erste „Micky Maus“ in Deutschland. Es ist der Beginn
> der Erfolgsgeschichte der Egmont Ehapa Media, die zum Doppeljubiläum in
> Berlin einen Pop-up-Store eröffnet.
(IMG) Bild: Donald Duck kann hoffentlich auch den nächsten 75 Jahren als Comicfigur entspannt entgegensehen
Die von Walt Disney und Ub Iwerks erfundene Mickey Mouse war in Deutschland
bereits seit zwei Jahrzehnten eine Berühmtheit, als am 29. Januar 1951 die
erste Ausgabe des „Micky Maus“-Magazins erschien. 1930 hatte sie ihre
ersten Filmauftritte als Trickfigur in deutschen Filmtheatern und wurde vom
Publikum wie auch von Kritikern sogleich bejubelt. Während der NS-Diktatur
und des Zweiten Weltkriegs verschwanden die Animationsfilme des
Kriegsgegners USA aus den Programmen.
Auf diesen ersten Ruhm der Figur als Filmstar konnte der frisch gegründete
Ehapa-Verlag aufbauen, als er das „bunte Monatsheft“ mit der Maus als
Titelfigur 1951 an den Start schickte. Für die deutsche
Zeitschriftenbranche war dies ein Novum: Die erste rein aus Comics
bestehende Zeitschrift war geboren! Bisher gab es in der jungen
Bundesrepublik nur wenig Platz für Comicfiguren: Der Igel Mecki etwa bekam
in der Wochenzeitschrift Hörzu erst ab 1952 seinen festen Platz.
Das „Micky Maus“-Magazin war also ein Pionier, auch war es die erste
durchgängig farbige Illustrierte. Es wurde zum Vorbild für
Konkurrenzmagazine wie Fix und Foxi (ab 1953, da hieß es noch Till
Eulenspiegel), das nur bis 1995 existierte.
## Neue Qualität in deutschen Kinderzimmern
Erstmals kamen deutsche Kinder in den Genuss, Comics aus dem Hause Disney
lesen zu können. Die hohe Qualität des ausgereiften Figuren- und
Geschichtenkosmos um Micky, Minnie, Goofy und die Duck-Familie überraschte.
Sie gründete auf dem Können einiger begnadeter Autoren und Zeichner, die
fast alle erstmals ins Deutsche übersetzt wurden: Seien es die
genreübergreifenden Abenteuer um Micky Maus aus der Feder von Floyd
Gottfredson, die pointierten Gagstrips von Al Taliaferro oder die Donald-
und Dagobert-Duck-Geschichten des Entenhausen-Schöpfers Carl Barks, um nur
einige prägende Künstler zu nennen. Derart facettenreiche anthropomorphe
Tiercharaktere existierten bis dato nicht in deutschen Kinderzimmern.
Auch die jungen Redakteure des MM-Magazins wie Adolf Kabatek und Dr. Erika
Fuchs erwiesen sich als glückliche Wahl. Insbesondere Letztere prägte als
Übersetzerin die Welt von Entenhausen, brachte Klassikerzitate in die
Comics ein und kreierte lustige Lautmalereien („Grübel“) und Redewendungen
wie „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“. Damit stieg auch das Ansehen der
Kunst- und Erzählform Comic im spießbürgerlichen Nachkriegsdeutschland, wo
sie lange unter Schundverdacht stand.
Die lange Karriere des Magazins ist auch eine wirtschaftliche
Erfolgsgeschichte – die gedruckte Auflage stieg von anfangs 600.000 auf
über eine Million Anfang der 1990er-Jahre an. Bis heute ist sie wiederum
auf rund 50.000 geschrumpft, was weniger an der Qualität der Inhalte als an
der allgemeinen Krise auf dem Zeitschriftenmarkt liegt.
## Disney-Comics entstehen heute fast ausschließlich in Europa
Mit dem „Micky Maus“-Magazin feiert auch sein Verlag 75-jähriges Jubiläum.
Der dänische Egmont-Verlag erwarb 1948 die Disney-Rechte für viele Länder
in Europa und gründete (ebenfalls 1951) den deutschen Ableger Ehapa,
benannt nach den Anfangsbuchstaben des Verlagsgründers Egmont Harald
Petersen. Im Laufe der Jahrzehnte ist der Verlag zum Medienkonzern
gewachsen und hat hierzulande viele weitere [1][Kinder- und
Jugendzeitschriften herausgebracht beziehungsweise aufgekauft, darunter
Yps], Wendy oder die Mangareihe „Sailor Moon“.
Außerdem besitzt Egmont die deutschen Rechte für zwei weitere
[2][Comicbestseller: „Asterix“ und „Lucky Luke“]. Die Disney-Comics werden
für das „Micky Maus“-Magazin vorwiegend in Dänemark gezeichnet, für das
„Lustige Taschenbuch“ (ein weiterer Bestseller) in Italien.
Ein Wermutstropfen für die deutsche Szene ist sicherlich, dass hierzulande
keine Entenhausen-Comics entstehen. Nur wenige deutsche Zeichner haben es
geschafft, über den Umweg Dänemark selbst Micky und Donald zeichnen zu
können wie Ulrich Schröder, der damit seinen Lebenstraum erfüllen konnte,
Disney-Zeichner zu werden. [3][Die Disney-Comictradition] wird fast
ausschließlich in Europa gepflegt, in den USA spielen die populären Figuren
kaum noch eine Rolle.
Die Comics in der Jubiläumsausgabe zeugen erneut von hoher Qualität und
können Kinder und ihre Eltern amüsieren: In der Titelgeschichte „Tinte,
Trubel, Turbulenzen“ versuchen sich die Neffen Tick, Trick und Track als
Comicautoren, deren überbordende Fantasie bald von der Realität übertroffen
wird: Da haben selbstverständlich Onkel Donald und Daniel Düsentrieb ihre
Hände im Spiel …
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /YPS-feiert-Geburtstag/!6107470
(DIR) [2] /Comic-Hommage/!6191033
(DIR) [3] /100-Jahre-Disney/!5965273
## AUTOREN
(DIR) Ralph Trommer
## TAGS
(DIR) Disney
(DIR) Egmont Ehapa
(DIR) Donald Duck
(DIR) Maus
(DIR) Jubiläum
(DIR) Comiczeichner
(DIR) Comic
(DIR) wochentaz
(DIR) wochentaz
(DIR) Comic
(DIR) IG
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Comic Hommage: Der heilige Gral der Western-Comics
Hommage-Bände setzen „Blueberry“ sowie Lucky Luke, die großen
Western-Figuren der Comic-Kunst, neu in Szene. Nicht alles ist dabei
restlos gelungen.
(DIR) Im neuen Asterix geh'ts nach Portugal: Auch Gallier singen Fado
Der 41. Asterix-Band knüpft an den Erfolg des Vorgängers an. Asterix und
Obelix reisen nach Lusitanien. Es gibt politische Anspielungen auf Trump.
(DIR) 100 Jahre Disney: Von der Maus zum Blockbuster
Der US-Konzern Walt Disney Company wird 100: Ein kritischer Streifzug vom
frühen Ruhm eines Start-ups in Hollywood bis zur globalen Medienmarke.