# taz.de -- Ensemble Kaleidoskop und Maya Dunietz: Das Klang-Raum-Ambiente ist faszinierend
> Im Dialog: Das Ensemble Kaleidoskop in Berlin und die israelische
> Solistin Maya Dunietz laden immer wieder internationale MusikerInnen für
> Kollaborationen ein.
(IMG) Bild: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo: das Ensemble Kaleidoskop an einem stillgelegten Bahngelände
Wo genau entstehen Töne? In dem Instrument, das Schwingungen erzeugt und
vielleicht einen Resonanzkörper besitzt, oder doch erst im Gehirn des
Menschen, der dies hört? Auf diese Frage lieferte ein immersiver
Konzertabend in der Halle am Berghain in Berlin am Mittwoch zwar keine
abschließende Antwort, aber doch recht stimulierende Annäherungen.
Zum einen mit der Uraufführung von „Trembling / Drifting“, einer
Zusammenarbeit des Berliner Solistenensembles Kaleidoskop mit dem in Seoul
ansässigen Ensemble WhatWhy Art. Zeitgenössische Avantgarde verbindet
letzteres mit traditionellen koreanischen Klangwelten, erzeugt mit
Instrumenten wie dem Daegeum (einer schnarrigen Bambus-Querflöte) und dem
Gayageum (einer kraftvoll klingenden Zither).
Zum anderen durch das Musik- und Performanceprojekt „Sound Of Difference“,
einer seit 2023 bestehenden Zusammenarbeit des Ensembles mit der
israelischen Komponistin Maya Dunietz. Die 45-jährige Künstlerin blickt auf
eine bewegte musikalische Sozialisation zurück, in der sie immer wieder
auch Inspiration in der Bildenden Kunst fand.
## Klang als Installation
Klang wirkt bei Dunietz oft wie eine Installation, die den Raum gestaltet –
und umgekehrt zugleich von diesem geformt wird. Unlängst erschien ein im
Kontext dieser Zusammenarbeit entstandenes Album. „The Sound of Difference
and Connection“ besteht überwiegend aus filigranen Drone-Sounds, die ihre
innere Spannung daraus ziehen, dass in einem Resonanzfeld zwei minimal
unterschiedliche Frequenzen aufeinandertreffen. Durch diese mikrotonale
Reibung entsteht eine dritte, nur im Raum existente Klangebene:
eigentümlich pulsierend, einlullend und latent beunruhigend zugleich.
„The Sound of Difference and Connection“ nennt sich zugleich aber auch die
konzeptionelle Erweiterung des Kernprojekts. Seit 2024 laden sich das
Solistenensemble Kaleidoskop und Dunietz jeweils internationale Gäste für
trilaterale Begegnungen ein. Die Idee: Sie suchen dabei auf kulturelle
Unterschiede klangliche Antworten zu finden.
Zum Auftakt dieses Abends in Berlin müssen die im weitläufigen Raum
verteilten vier Musiker:innen von WhatWhy Art jedoch erst einmal
physisch zueinander finden – auf recht tastende Weise und mit Klängen, die
mitteleuropäische Ohren auf ungewohnte Weise kitzeln. Leider ist dieser
Teil des Konzerts bald schon vorbei.
## Abruptes Ende
Ein bisschen wirkt das abrupte Ende, als stelle man nach einer
ausführlichen Vorstellungsrunde fest, dass man sich nun doch nicht mehr
unterhalten muss. Vielleicht ist ja auch das Wesentliche schon gesagt und
bleibt ohne nähere Kenntnis koreanischer Musiktraditionen schlichtweg „lost
in translation“.
Dunietz leitet den zweiten Teil des Abends ein, indem sie einige Worte an
das Publikum richtet. Die gehen jedoch in der Weite des Raums leider
verloren. Angestrengt lauschende Mienen und vielerorts Schulterzucken, weil
kaum zu verstehen ist, was sie sagt. Nur ihre Ermunterung, sich im Raum zu
bewegen, wird dann doch verstanden und verstärkt umgesetzt. Das Schlendern
um den Stuhlkreis herum, in dem nun das Ensemble Kaleidoskop musiziert,
verstärkte den hypnotischen Flow der akustischen Ebene. Streicher treffen
Vibrato. Das raue Industriearchitektur-Setting tut sein Übriges.
Zwar entwickeln die Drone-Sounds zwischendurch einige Längen, doch ein
bloßer Positionswechsel schafft verlässlich ein neues Klang-Raum-Ambiente.
Das für sich genommen ist schon ziemlich faszinierend. Noch bemerkenswerter
ist aber der Umstand, dass zum Ende, als beide Ensembles harmonisch singend
zueinander finden, nochmal alle jene aufhorchen, die von den Drones schon
eingelullt waren.
Menschliche Stimmen, so eine Erfahrung, die dieser Konzertabend zwischen
Performance, Klangforschung und Psychoakustik bereithält, sind für
menschliche Ohren offenbar einfach unwiderstehlich.
14 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Stephanie Grimm
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