# taz.de -- Wehrpflicht in Deutschland: Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt sprunghaft an
       
       > Dienst an der Waffe? Leckt mich, sagen viele und verweigern. Allein im
       > Juli gingen beim zuständigen Amt in Köln fast 2.500 neue Anträge ein.
       
 (IMG) Bild: Kein Bock auf Strammstehen: Immer mehr Jugendliche schreiben fleißig Verweigerungsanträge
       
       epd/taz | Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer steigt deutlich. War in den
       vergangenen Jahren mutmaßlich vor allem die veränderte Sicherheitslage nach
       dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 ein wesentlicher Grund, so
       haben sich die Antragszahlen mit dem Start der Wehrerfassung aller
       18-Jährigen zu Jahresbeginn noch einmal stark erhöht.
       
       In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 sind insgesamt 8.302 Anträge
       beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln
       eingegangen, teilte eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst mit.
       [1][Allein im Juli müssen damit fast 2.500 neue Anträge in Köln
       eingetrudelt sein.] Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr gab es nur
       3.879 Anträge.
       
       Seit dem Aussetzen der Wehrpflicht gab es zunächst nur wenige hundert
       Anträge pro Jahr. 2022 näherte sich ihre Zahl wieder dem vierstelligen
       Bereich, 951 waren es damals. 2023 waren es dann 1.079. 2024 zählte das
       Bundesamt 2.249 Anträge.
       
       ## Wehrpflicht ist seit 15 Jahren ausgesetzt
       
       Seit 1. Januar werden alle jungen Menschen kurz nach deren 18. Geburtstag
       angeschrieben, [2][um ihr Interesse an einem Dienst in der Bundeswehr
       abzufragen und sie zu erfassen]. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen,
       Frauen ist es freigestellt. Die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht ist
       seit 2011 ausgesetzt. Allerdings soll auf freiwilliger Basis die Zahl der
       Soldatinnen und Soldaten in Deutschland erhöht werden.
       
       Das Recht auf [3][Kriegsdienstverweigerung] ist im Grundgesetz geregelt.
       Dort heißt es in Artikel 4: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum
       Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Über den schriftlichen Antrag
       beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr entscheidet das
       Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
       
       Für den Antrag werden ein tabellarischer Lebenslauf und eine umfassende
       Begründung der Gewissensentscheidung verlangt, den Dienst an der Waffe für
       sich auszuschließen, was wegen der ausgesetzten Wehrpflicht zunächst keine
       unmittelbaren Folgen hat. Bis Ende Juli wurden von den 8.302 Anträgen, die
       dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben vorlagen,
       4.995 rechtskräftig anerkannt. Von den 3.879 Anträgen im vergangenen Jahr
       waren 2.830 erfolgreich.
       
       12 Aug 2026
       
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