# taz.de -- Album und Tour von Arlo Parks: Diese Spur führt geradewegs zur Euphorie
> Mit „Ambiguous Desire“ findet die Londoner Popkünstlerin Arlo Parks zum
> elektronischen Dancefloor. Wie weit geht ihre Musik über das Epigonale
> hinaus?
(IMG) Bild: Arlo Parks beim Nachtschwärmen
„Elektronische Tanzmusik habe ich immer geliebt“, versichert die gebürtige
Londonerin Arlo Parks glaubhaft, „vor allem die spezifisch britische
Variante.“ Wobei sie die Welt erst aus ihrem imperialen Schlafzimmer heraus
erobert hat, und zwar mit intimen Bedroom-Popsongs, wie sie sich auf ihrem
Debüt „Super Sad Generation“ und dem preisgekrönten zweiten Album
„Collapsed in Sunbeams“ 2021 noch zuhauf fanden. Einheitsware hatte auch
das Nachfolgewerk „My Soft Machine“ 2023 keine geliefert, doch schielte
dessen Sound schon ein bisschen auf die Tanzfläche. Nun, mit ihrem vierten
Album „Ambiguous Desire“, schöpft die 25-Jährige endlich aus denselben
Quellen wie ihre großen Helden Burial und [1][Jamie xx].
Darum wollte Arlo Parks, die inzwischen in Los Angeles lebt, unbedingt
wissen: Wie sind Tracks von beiden eigentlich produziert? Sie begab sich
daher auf Recherche und frequentierte Clubs, in Los Angeles tummelte sie
sich auf DiY-Underground-Raves. Manchmal begleitete ihr Produzent Baird die
zur begeisterten Clubberin mutierte Sängerin während ihrer nächtlichen
Streifzüge. Hinterher gingen die beiden zuweilen direkt zum Musikmachen in
Bairds New Yorker Loftstudio. Inspiriert von dem, was sie zuvor gehört
hatten, nahmen sie spontan auf.
Wenig verwunderlich, dass die Musik von Arlo Parks auf „Ambiguous Desire“
jetzt experimenteller klingt als alles, was sie zuvor veröffentlicht hat.
Breakbeats schmücken den dritten Song „Get Go“. In „Nightswimming“ poppt
ein UK-Garage-Rhythmus auf. „Heaven“ erzählt von einer mitreißenden
Clubnacht, zumindest rein oberflächlich betrachtet. Für Arlo Parks geht
dieser Track nämlich tiefer: „Er feiert die platonische Liebe einer
Community. Diese Erfahrung ist so mitreißend, dass man sich leicht darin
verliert.“
## Bittersüßes Leben
„Heaven“ setzt einen also auf eine Spur, die zur Euphorie führt. Man ahnt:
Dabei kann es eigentlich nicht bleiben. In „Luck of Life“ und „What if we
say it?“ hat Arlo Parks wiederum eine Trennung thematisiert, musikalisch
bringt sie das mit einer düsteren Klangatmosphäre deckungsgleich. „Meine
Musik sollte ein menschliches Maß haben,“ resümiert die Künstlerin. „Das
Leben ist bittersüß. Deshalb wollte ich Höhen und Tiefen gleichermaßen
einfangen.“
Und welche Rolle spielen Selbstzweifel dabei? Eine Antwort auf diese Frage
liefert der Track „Senses“, ein bewegendes Duett mit [2][dem britischen
R&B-Sänger Sampha]. Eine Art Selbstreflexion steckt in Zeilen wie „I can't
find no love / No love for myself“ und „Treat myself with this impatience /
I would never give a friend“. Für Menschen, die man liebt, bringt man oft
sehr viel Geduld auf, bilanziert Arlo Parks. „Uns selbst vernachlässigen
wir dagegen häufig sträflich.“
Mit den Songs von „Ambiguous Desire“ setzt die Künstlerin gegen diesen
Missstand ein Zeichen: „Die Musik kreist darum, dass ich mich ebenso gut
behandeln möchte wie andere. Ich strebe nach Selbstakzeptanz.“
## Veränderung ist möglich
Die scheint sie zuletzt tatsächlich gefunden zu haben, jedenfalls
vermittelt das Finale mit dem seltsamen Titel „Floette“ diesen Eindruck.
„What does it mean if I don't change? / What does it mean if I can't
change?“, fragt Arlo Parks beschwörend. Hier führt sie etwas Konkretes im
Schilde, hofft auf die Gabe, dass Menschen dazu imstande sind, sich
verändern zu können: „Dinge, die sich ändern, sind die einzige Konstante im
Leben.“ Wer das annimmt, so glaubt Arlo Parks, tut sich grundsätzlich
leichter – siehe die letzten Worte, mit denen sie ihr Album durchaus
optimistisch ausklingen lässt: „We're blossoming“.
Aufgeblüht ist Arlo Parks auch künstlerisch. Mit elektronischen Elementen
bringt sie ihren Sound auf ein neues Level, ohne die atmosphärische Kraft
ihres Songwritings deshalb zu opfern. Ihr musikalischer Hintergrund bleibt
unverkennbar, ihre Texte halten am Nachdenklich-Poetischen fest. Mit
interessanten Zwischentönen. „Ambiguous Desire“ ist ein mutmachendes Album,
das sogar in tristen Zeiten Hoffnung spendet.
13 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Dagmar Leischow
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