# taz.de -- Nach Massaker an Schule: Thailand ringt mit seinem Waffenproblem
       
       > Das Königreich Thailand steht unter Schock: Ein 14-Jähriger hat erst
       > seine Großeltern erschossen und dann an seiner Schule Lehrer, Schüler und
       > sich selbst getötet.
       
 (IMG) Bild: Angehörige und Mitschüler bei der Trauerfeier für eine am Freitag bei einem Schulmassaker in Nonthaburi erschossene Schülerin
       
       Graue Wolken hängen über der Debsirin-Schule in Nonthaburi nordwestlich von
       Bangkok. Die Fahnen auf dem Gelände sind vom Regen durchnässt. Blumen und
       Plüschtiere bedecken den Eingangsbereich, während immer wieder Menschen
       vorbeikommen, beten oder schweigend vor dem Schultor stehen.
       
       Unter den Trauernden ist auch der 22-jährige Jay Weerapon. Er hält einen
       Milchtee in der Hand, den er sorgfältig zwischen den Blumen ablegt. Vor
       wenigen Jahren drückte er hier selbst die Schulbank. „Ich bin gekommen, um
       meiner Lehrerin zu gedenken. Sie war in der neunten Klasse meine
       Vertrauenslehrerin“, sagt Weerapon der taz. „Ich hatte eine starke Bindung
       zu ihr.“ Bei den Schüssen am Freitagmorgen in der Schule gehörte sie zu den
       ersten Opfern.
       
       Laut Polizei griff ein 14-Jähriger während des laufenden Unterrichts zur
       Waffe. Er zog durch mehrere Stockwerke und Flure, während sich Schülerinnen
       und Schüler in den Klassenzimmern verbarrikadierten. 9 Menschen starben.
       Mehr als 20 Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter richtete sich
       im Anschluss selbst.
       
       Die Suche nach dem Motiv 
       
       Die Ermittler durchleuchten seit Tagen das digitale und persönliche Umfeld
       des Jungen. Nach bisherigen Erkenntnissen informierte er sich in sozialen
       Medien über den Umgang mit Schusswaffen, konsumierte gewalttätige Inhalte
       im Netz und musste sich bereits im Vorjahr von einem Lehrer eine
       Luftdruckwaffe auf dem Schulgelände abnehmen lassen.
       
       Doch bislang lässt sich weder ein einzelnes Motiv noch ein konkreter
       Auslöser der Tat ausmachen. Klar ist bisher, dass die Tatwaffe offenbar
       legal auf seinen Großvater registriert war. Nach der Scheidung seiner
       Eltern lebte der 14-Jährige im Haus seiner Großeltern. Dort soll er am
       frühen Freitagmorgen zunächst beide erschossen haben. Anschließend ging er
       mit der Waffe zur Schule.
       
       Vor dem Schulgelände trauert auch der 23-jährige Narunart Sawangsri. In den
       Händen hält er ein Plüschtier, das er für eine verstorbene Lehrerin
       mitgebracht hat.
       
       „Ich bin zutiefst erschüttert und hätte niemals gedacht, dass so etwas
       passieren könnte“, sagt er der taz. Viele Schülerinnen, Schüler und
       Lehrkräfte seien ihm ans Herz gewachsen.
       
       Besonders beschäftigt ihn, warum der Täter offenbar zuerst auf Lehrkräfte
       zielte. Drei von ihnen gehörten laut Polizei zu den ersten Opfern.
       „Vielleicht hat der Schüler die Kritik seiner Lehrer als Ablehnung
       empfunden“, vermutet er. Eine abschließende Antwort auf das Warum wird es
       vielleicht nie geben.
       
       Kein Einzelfall 
       
       Das Schulmassaker in Nonthaburi reiht sich ein in eine Serie von schweren
       Schusswaffentaten, die Thailand in den letzten Jahren erschütterten: Im
       Februar 2020 erschoss ein Soldat in Nakhon Ratchasima 29 Menschen und wurde
       anschließend von Sicherheitskräften getötet.
       
       Im Oktober 2022 tötete ein ehemaliger Polizist in einer Kindertagesstätte
       in Nong Bua Lamphu 36 Menschen, darunter 24 Kinder. Anschließend tötete er
       seine Frau und seinen Sohn und nahm sich selbst das Leben. Im Oktober 2023
       eröffnete ein 14-Jähriger im Einkaufszentrum Siam Paragon in Bangkok das
       Feuer. Zwei Menschen wurden getötet, fünf weitere verletzt.
       
       Nach der jüngsten Schusswaffentat in Nonthaburi stellt sich in Thailand
       erneut die Frage nach der Sicherheit vor bewaffneter Gewalt.
       
       Das südostasiatische Königreich hat zwar formal strenge Regeln für den
       privaten Waffenbesitz, gilt laut einer Studie aber als das am stärksten
       bewaffnete Land Südostasiens.
       
       Nach Schätzungen der Schweizer Forschungsorganisation Small Arms Survey
       befanden sich 2017 in Thailand rund 10,3 Millionen Schusswaffen in ziviler
       Hand, legale wie illegale. Das entsprach rund 15,1 Waffen pro 100
       Einwohner.
       
       Weitere Verschärfung des Waffenrechts 
       
       Nach der jüngsten Bluttat will die Regierung das Waffenrecht weiter
       verschärfen. [1][Premierminister Anutin Charnvirakul] kündigte ein neues
       Waffengesetz und strengere Kontrollen an. Unter anderem sollen Schusswaffen
       in der Öffentlichkeit künftig nur noch von Staatsbediensteten im Dienst
       getragen werden dürfen.
       
       Ob die Maßnahmen ausreichen, um das Trauma der Nation zu lindern, bleibt
       fraglich, zumal die Sicherheitslage angespannt bleibt. Nur drei Tage nach
       dem Schulmassaker wurde am Montag wieder in Nonthaburi ein Vorsteher der
       lokalen Provinzverwaltung erschossen.
       
       Am selben Tag drohte ein Schüler in Chiang Mai, Mitschüler zu erschießen
       und löste damit einen verstärkten Polizeieinsatz an seiner Schule im Norden
       Thailands aus.
       
       11 Aug 2026
       
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