# taz.de -- Abkommen zwischen Damaskus und Moskau: Russlands Ära in Syrien endet
       
       > Russlands Ära als engster militärischer Partner Syriens ist vorbei. Die
       > russischen Militärbasen am Mittelmeer gehen an die neue syrische
       > Regierung.
       
 (IMG) Bild: Der Russische Luftwaffenstützpunkt Latakia in Syrien im Dezember 2024
       
       Einst galten der Hafen in Tartus und der Flughafen in Latakia an Syriens
       Mittelmeerküste als Symbole für Russlands enge Partnerschaft mit Diktator
       Baschar al-Assad. Sie waren Moskaus wichtigste Militärbasen am Mittelmeer –
       und die einzigen, die nicht in ehemaligen Sowjetstaaten lagen. Diese Ära
       ist nun offiziell zu Ende. Nach monatelangen Diskussionen wurden der Hafen
       und der Flughafen am Sonntag in die Kontrolle der neuen syrischen Regierung
       übergeben.
       
       Anderhalb Jahre hatten Syriens neue Machthaber mit Russland verhandelt.
       Laut dem vereinbarten Abkommen sollen die einst russischen
       Armeeeinrichtungen nun binnen drei Monaten zu „gemeinsamen
       Ausbildungszentren“ für die syrische Armee werden, meldete die staatliche
       Nachrichtenagentur Sana.
       
       Jahrzehntelang hatten die Sowjetunion und danach Russland die
       Assad-Herrschaft in Syrien gestützt – auch und vor allem im Bürgerkrieg
       gegen Rebellengruppen ab 2012. Im September 2015 sprang Russland Assad
       direkt militärisch zur Seite und half mit großflächigen Bombardierungen
       gegen die syrische Bevölkerung und Rebellen entscheidend, ihn an der Macht
       zu halten.
       
       Zentral dabei: die Luftwaffenbasis Hmeimim auf dem Flughafen in Latakia.
       Von dort aus starteten russische Kampfjets, um weite Teile Syriens massiv
       zu bombardieren: die von Aufständischen gehaltenen Teile von Aleppo, die
       Ghouta-Ebene im Umland von Damaskus, das Umland der Städte Homs und
       Latakia, auch Daraa im Süden. Offiziell sprach Russland von
       Militäreinsätzen gegen Terroristen. Tatsächlich traf es insbesondere die
       Zivilbevölkerung – am längsten in der Region Idlib, nach 2017 die letzte
       Rebellenhochburg Syriens.
       
       ## „Symbol der russischen Intervention“
       
       Das russische Verteidigungsministerium zählte bis 2018 mehr als 39.000
       russische Kampfeinsätze in Syrien. Die UN und Menschenrechtsorganisationen
       dokumentierten Bombardierungen von Krankenhäusern, Schulen, Märkten und
       Wohngebieten. Tausende Zivilist*innen wurden getötet und Millionen
       vertrieben.
       
       „Im Mai 2029 wurde mein Haus getroffen“ schreibt der [1][Journalist Fared
       Al Mahlool]. „Für viele Syrer war Hmeimim nie bloß ein Militärstützpunkt.
       Er war Symbol der russischen Intervention, die das Assad-Regime stützte und
       dessen militärische Position im Verlauf des Krieges stärkte. Heute wandelt
       sich dieses Bild.“
       
       Das russische Militär testete auch [2][in Syrien die Waffensysteme], die es
       später gegen die Ukraine verwendete. „Wir haben in Syrien mehr als 320
       verschiedene Waffentypen überprüft“, [3][prahlte] Russlands
       Verteidigungsminister Sergei Schoigu im Jahr 2021.
       
       Als ein Rebellenbündnis Ende November 2024 von Idlib aus innerhalb weniger
       Tage Stadt um Stadt in Syrien vom Regime eroberte, konnte Russland nur
       ohnmächtig zuschauen. Am 7. Dezember, einen Tag vor dem kompletten Sturz
       des Regimes, [4][sagte Außenminister] Sergei Lawrow: „In der Weltdiplomatie
       läuft nie alles reibungslos, aber die Ereignisse, die wir heute erleben,
       zielen eindeutig darauf ab, alles zu untergraben, was wir in diesen Jahren
       erreicht haben.“ Einen Tag später nahm Russland Assad in Moskau auf, wo er
       mehrere Luxuswohnungen besitzen soll und bis heute „humanitäres Asyl“
       genießt.
       
       Unter anderem deswegen hat Syriens neue Regierung Russland nicht komplett
       den Rücken gekehrt. Ende Januar besuchte Übergangspräsident Ahmed
       al-Scharaa den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. Putin lobte
       Scharaas Erfolge. Keiner der beiden verlor auch nur ein Wort über Russlands
       Militärpräsenz in Syrien. Die Strategie aus Damaskus lautet Annäherung und
       Anerkennung – nicht nur durch die USA, Europa und den Golfstaaten, sondern
       auch durch Russland.
       
       Russland wollte seine Militärbasen in Syrien auch nach Assads Strurz nicht
       aufgeben. Die Regierung in Damaskus hatte eigentlich im Gegenzug die
       Auslieferung Assads gefordert. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür. Die
       neue Einigung ist ein Kompromiss.
       
       10 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/FARED_ALHOR/status/2086474647994802433
 (DIR) [2] https://ecfr.eu/article/commentary_lessons_from_russias_intervention_in_syria5085/
 (DIR) [3] https://www.middleeastmonitor.com/20210715-russia-tested-320-types-of-weapons-in-syria/
 (DIR) [4] https://mid.ru/en/foreign_policy/news/1986144/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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