# taz.de -- 107 falsche Zeugnisse: Oberschule in Vechta vergibt seit Jahren falsche Abschlüsse
       
       > Eine Schülerin moniert, ihre Schule habe sie um ihren Realschulabschluss
       > gebracht. Bei der Überprüfung stellt sich heraus: Sie ist nicht die
       > einzige.
       
 (IMG) Bild: Katastrophal für die Schüler*innen, wenn die Lehrer*innen das nicht fehlerfrei hinbekommen: Schulzeugnis
       
       In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Freitag musste die
       niedersächsische Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) einen
       schwerwiegenden und peinlichen Fehler im System eingestehen. An der
       Geschwister-Scholl-Oberschule in Vechta sind jahrelang Schulabschlüsse
       falsch vergeben worden.
       
       Zwischen den Schuljahren 2019/2020 und 2025/2026 sind in 107 Fällen die
       Zeugnisse von Schülerinnen und Schülern nicht richtig eingestuft worden. In
       56 Fällen ist der erweiterte Sekundarabschluss nicht gewährt worden, der
       zum Besuch der Oberstufe berechtigt.
       
       In 49 Fällen ist ein Hauptschulabschluss erteilt worden, obwohl es ein
       Realschulabschluss hätte sein müssen. Und in 2 Fällen haben Schüler die
       Schule ohne Abschluss verlassen, obwohl ihre Noten eigentlich für einen
       Hauptschulabschluss ausreichten.
       
       Die Ursache war offensichtlich, dass die Schulleitung die
       Abschlussverordnung für den 10. Jahrgang nicht richtig verstanden und
       angewandt hatte. Dabei ging es vor allem darum, in welchen Fällen man
       schlechte [1][Noten] in einem Fach mit besseren Noten in anderen Fächern
       ausgleichen kann. In weiteren 32 Fällen sind Ermessensspielräume nicht
       hinreichend diskutiert worden, in diesen Fällen müssen Zeugniskonferenzen
       wiederholt werden.
       
       ## Eine ehemalige Schülerin bringt die Überprüfung ins Rollen
       
       Aufgeflogen war dieser Fehler, weil sich eine ehemalige Schülerin im Juni
       an das Regionale Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück gewandt hatte.
       Sie hatte die Schule 2022 mit dem Hauptschulabschluss verlassen und dann
       auf dem zweiten Bildungsweg ihren Realschulabschluss nachgemacht. Dabei
       stellte sich mit vier Jahren Verspätung heraus: Eigentlich hätte sie den
       von Anfang an bekommen müssen.
       
       Nachdem die Verwaltung dies klargestellt hatte, meldete sich eine weitere
       Schülerin, der es ähnlich ergangen war. Ein Bericht in der Lokalzeitung
       löste schließlich erhebliche Unruhe aus und sorgte dafür, dass eine
       flächendeckende Überprüfung eingeleitet wurde.
       
       Dabei wurden alle Zeugnisse händisch und im Vier-Augen-Prinzip überprüft,
       erläuterte [2][Kultusministerin Julia Willie Hamburg]. Es sei ihr ein
       großes Anliegen, sich auch persönlich bei den Betroffenen zu entschuldigen.
       Sie werden in den kommenden Tagen und Wochen alle ein korrigiertes Zeugnis,
       ein Entschuldigungsschreiben und eine Aufklärung über mögliche rechtliche
       Ansprüche erhalten.
       
       In bestimmten Fällen – wie dem aus eigener Tasche bezahlten zweiten
       Bildungsweg – könnten auch Schadensersatzansprüche entstanden sein. Für
       Fragen und zur weiteren Beratung steht im zuständigen Regionalen Landesamt
       für Schule und Bildung Osnabrück eine Anlaufstelle zur Verfügung, die unter
       der E-Mailadresse [3][anlaufstelle-abschluesse@rlsb-os.niedersachsen.de]
       erreichbar ist.
       
       ## Stichproben an weiteren Schulen
       
       Die Überprüfung werde damit allerdings auch nicht Halt machen, sagt die
       Kultusministerin. Bisher gebe es keine Hinweise, dass es an anderen Schulen
       ähnliche Probleme gäbe – nicht einmal an der Oberschule, an der die
       Schulleiterin vorher tätig war. Trotzdem werden nun zum Schulstart noch
       einmal alle Schulleitungen der betreffenden Schulformen befragt und
       Stichproben untersucht.
       
       Möglicherweise müsse man auch eine Neuformulierung der betreffenden
       Verordnung und der Anwendungsleitfäden in Betracht ziehen. Die werden aber
       ohnehin regelmäßig überarbeitet. Betroffen sind nach Einschätzung des
       Ministeriums nur solche [4][Schulformen], an denen mehrere Abschlüsse
       vergeben werden und die Einstufung entsprechend komplex ist.
       
       Das sind in Niedersachsen 288 Oberschulen und 130 Gesamtschulen. Wobei die
       Oberschulen das jüngere Modell sind, es gibt sie erst seit 2011. Deshalb
       musste auch in Vechta „nur“ bis ins Schuljahr 2019/2020 zurückgegangen
       werden – das war der erste Abschlussjahrgang überhaupt.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Noten/!t5019225
 (DIR) [2] /Schulpolitik-in-Niedersachsen/!6073326
 (DIR) [3] /anlaufstelle-abschluesse@rlsb-os.niedersachsen.de
 (DIR) [4] /Das-Drama-der-Schulen/!vn6079844/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nadine Conti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bildungssystem
 (DIR) Bildungschancen
 (DIR) Bildungspolitik
 (DIR) Niedersachsen
 (DIR) Kultusministerium
 (DIR) Vechta
 (DIR) Noten
 (DIR) Gewalt in der Schule
 (DIR) Grundschule
 (DIR) Schule und Corona
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Fehlverhalten von Lehrkräften: Schüler und Eltern wollen unabhängige Meldestelle
       
       Mitten in den Ferien platzieren Landesschüler- und Landeselternrat die
       Forderung nach einer unabhängigen Beschwerdestelle. Gibt es eine
       Schutzlücke?
       
 (DIR) Grundschule ohne schriftliche Division: Niedersachsen und Bremen unteilbar
       
       In Niedersachsen und Bremen lernen Grundschüler kein schriftliches
       Dividieren mehr. Man setze damit auf Verständnis statt aufs Anwenden eines
       Programms.
       
 (DIR) Jugendarrest für Schulvermeider: Niedersachsen bleibt Wegsperrmeister
       
       Auch wenn's viel kostet und niemand weiß, ob es jemandem nutzt: In
       Niedersachsen landen Schulvermeider oft im Arrest. Anders als in
       Schleswig-Holstein.