# taz.de -- Rechtsextremismus in Pankow: Rechter Kampfsport im Bezirksstadion
       
       > In Pankow trainieren gewaltbereite Neonazis immer wieder auf bezirklichen
       > Sportplätzen. Trotz Maßnahmen des Bezirks gehen die Trainings weiter.
       
 (IMG) Bild: Im April an der Pankower Rennbahnstraße: Rechtsextreme auf dem Weg vom Boxtraining
       
       Immer wieder kam es in den vergangenen Jahren vor, dass militante Neonazis
       auf Pankows bezirklichen Sportanlagen Kampfsport trainieren. Fotos, die der
       taz vorliegen, legen nun nahe, dass dies auch am Sonntag vor rund zwei
       Wochen der Fall war. Veröffentlicht wurden die Bilder zuerst auf der
       Rechercheplattform Aus dem Weg. Vier Personen aus dem Umfeld [1][der
       faschistischen Kleinstpartei Dritter Weg] sollen darauf beim Training im
       Kissingenstadion zu sehen sein. Auch mit dabei: ein bekannter Berliner
       Kader der Nationalrevolutionären Jugend (NRJ), der Jugendorganisation des
       Dritten Wegs.
       
       Die Pankower Bezirksverordnetenversammlung hat sich in den vergangenen
       Jahren mit dem Training militanter Rechtsextremer auf bezirklichen
       Sportanlagen befasst. Im Fokus standen vor allem zwei Orte im Bezirk: das
       Kissingenstadion an der Forchheimer Straße sowie eine kleine Halle auf dem
       Sportareal Rennbahnstraße in Weißensee, die der Verein TSC Preußen ’97 für
       Boxtrainings nutzt.
       
       2024 reagierte der Bezirk schließlich und passte die Nutzungsordnung für
       öffentliche Sportanlagen an: So verbot er etwa verfassungsfeindliche
       Symbole auf bezirklichen Sportplätzen. Zudem wurden Schulungsmaßnahmen zur
       Sensibilisierung der Platz- und Hallenwarte durchgeführt. Auch
       unangekündigte Kontrollen waren vorgesehen.
       
       taz-Recherchen deuten nun jedoch darauf hin, dass die Trainings an beiden
       Orten fortgesetzt werden. Für das Kissingenstadion sind laut dem Berliner
       Register – einer Meldestelle für rechte Vorfälle – neben dem Training vor
       rund zwei Wochen zwei weitere Trainings im März dieses Jahres bekannt. Bei
       einem dieser Trainings sollen rund 10 bis 12 Personen laut der Meldung
       geübt haben, „wie auf am Boden liegende Personen gemeinschaftlich
       eingeschlagen werden kann“. Teils sollen sie dabei einschlägige T-Shirts
       getragen haben, unter anderem vom Dritten Weg.
       
       Auch in der Halle des TSC Preußen am Sportareal Rennbahnstraße halten die
       Trainings mit Rechtsextremen offenbar an. Fotos der taz von mehreren
       Trainingstagen im April dieses Jahres zeigen Männer aus Strukturen wie dem
       Dritten Weg und der Neonazi-Partei Die Heimat. Mindestens zwei von ihnen
       waren bereits 2022 dabei, als die Trainings durch einen Indymedia-Artikel
       erstmals öffentlich wurden.
       
       ## Rauswurf als Bauernopfer?
       
       Damals hatten rund 20 Neonazis vom Dritten Weg und der Identitären Bewegung
       auf einem Platz nahe der Halle trainiert, die der TSC dort nutzt. Im Juli
       2024 deckte der [2][Tagesspiegel] dann erneut auf, dass mindestens 8
       bekannte Neonazis weiterhin regelmäßig in der Halle trainierten. Nur wenige
       Monate später teilte der für Sport zuständige Bezirksstadtrat Jörn
       Pasternack (CDU) dann allerdings mit, der Vereinschef des TSC, Manfred R.,
       [3][habe die Neonazis aus dem Verein geschmissen]. Antifaschist:innen
       mutmaßten jedoch, der Verein habe „höchstens ein paar Bauernopfer“
       rausgeworfen.
       
       Gänzlich unbegründet scheinen die Zweifel nicht: Zwar ist die Zahl der
       teilnehmenden Neonazis nach taz-Informationen offenbar deutlich
       zurückgegangen. Doch auch ein weiterer bereits 2022 bei Indymedia genannter
       Mann aus dem Umfeld des Dritten Wegs war offenbar noch im Mai 2025 in der
       Halle, wie ein der taz vorliegendes Foto nahelegt. [4][Ende vergangenen
       Jahres äußerte zudem ein bekannter NRJ-Kader vor Gericht], er trainiere
       beim TSC Leichtgewicht.
       
       Die taz hat sich bei beiden Sportstätten umgehört: Ein Mitarbeiter des
       Kissingenstadions, der anonym bleiben möchte, sagte der taz, es seien
       „keine Aktivitäten von Rechtsextremen aufgefallen“. Man achte jedoch
       „akribisch“ darauf und sei in der Vergangenheit für rechtsextreme Symbole
       sensibilisiert worden. Zugänglich ist der Platz während der Öffnungszeiten
       für jeden.
       
       Den Vereinschef des TSC Preußen, Manfred R., den Mitarbeiter auf dem
       Sportareal Rennbahnstraße kumpelhaft „Manne“ nennen, erreichte die taz bis
       Redaktionsschluss nicht. Auch telefonische und schriftliche Anfragen
       blieben unbeantwortet.
       
       Der TSC gibt auch sonst nicht viel über sich preis. Informationen zum
       Verein gibt es kaum. Dem Land Berlin gilt der Verein derzeit als
       „förderungswürdige Sportorganisation“. Die Prüfung der Förderungswürdigkeit
       sei jedoch „fortlaufend angelegt“, heißt es seitens der Senatsverwaltung.
       Der TSC erhält keine finanziellen Zuwendungen, hat vom Bezirk aber die
       Zulassung für die kleine Halle auf dem Sportareal Rennbahnstraße. Der
       aktuelle Nutzungsvertrag des Vereins endet im März nächsten Jahres, eine
       Verlängerung ist jedoch nicht ausgeschlossen.
       
       ## „Ausschluss wegen Gesinnung nicht zulässig“
       
       Über die regelmäßigen Trainings mit Neonazis beim TSC lägen dem Bezirksamt
       „keine belastbaren Erkenntnisse“ vor, ließ Bezirksstadtrat Pasternack die
       taz wissen. Man positioniere sich „eindeutig gegen ein Training von
       Neonazis auf öffentlichen Sportanlagen des Bezirks“, so Pasternack, ein
       „Ausschluss von Sporttreibenden allein aufgrund ihrer Gesinnung“ sei jedoch
       rechtlich nicht zulässig.
       
       Die sportpolitische Sprecherin der Linken in der BVV, Jaana Stiller, ist
       angesichts der Neonazi-Trainings im Bezirk besorgt: Natürlich sei es
       „richtig, dass der Bezirk auf rechtlich einwandfreier Grundlage arbeiten
       muss“, sagt sie. Jedoch zeige sich hier, dass der bezirkliche Ansatz auf
       Grenzen stoße, weil dieser „fast ausschließlich auf offensichtliche
       Verstöße wie das Tragen verfassungswidriger Symbole“ reagiere. Das führe
       mitunter dazu, dass extrem rechte Symbole „schlicht nicht gezeigt werden“.
       
       Stiller fordert vom Bezirk deshalb ein konsequenteres Einschreiten: „Wenn
       seit Jahren öffentlich bekannt ist, dass bekannte Rechtsextreme auf
       bezirklichen Anlagen trainieren, reicht es nicht aus, fehlende Erkenntnisse
       oder Vorfälle als Begründung dafür anzuführen, dass man keine Konsequenzen
       zieht, denn die Gruppen schlagen regelmäßig auf Andersdenkende ein“, so die
       Linkspolitikerin.
       
       Tatsächlich kam es in Berlin in den vergangenen Jahren wiederholt zu
       brutalen Angriffen gegen Linke und Antifaschist:innen, an denen sich
       mutmaßlich Mitglieder des Dritten Wegs beteiligten. Besonders schwerwiegend
       war etwa [5][der Angriff am Berliner Ostkreuz im Jahr 2024], bei dem rund
       15 bis 20 Neonazis Knüppel, Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzten.
       
       Im Mai des vergangenen Jahres dann versuchten Neonazis, mit Hämmern
       bewaffnet in die Szenekneipe „Fischladen“ in Friedrichshain einzudringen.
       [6][Und erst kürzlich wurde in Pankow eine linke Aktivistin von Personen
       angegriffen], von denen die Betroffene vermutet, dass es sich um Mitglieder
       des Dritten Wegs handelt.
       
       Die Nutzung bezirklicher Sportanlagen durch Rechtsextreme sei „hoch
       problematisch“, betont auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus
       (MBR) auf Anfrage der taz. Es sei „nicht hinzunehmen, dass erklärte
       Gegner:innen der Demokratie staatliche Infrastruktur nutzen, um sich
       womöglich auf den von ihnen angestrebten Umsturz vorzubereiten“.
       
       Mit Blick auf die Trainings im Kissingenstadion erhofft sich die linke
       Bezirksverordnete Stiller nun, dass dort das Hausrecht künftig konsequenter
       durchgesetzt und bekannten Neonazis Hausverbote erteilt werden. Zudem
       fordert sie den Bezirk auf zu prüfen, ob auf eine Verlängerung des
       Nutzungsvertrags mit dem TSC Preußen verzichtet werden kann.
       
       Anmerkung: Dieser Text wurde am 10. August 2026 um einen Hinweis auf
       Recherchen des Tagesspiegels aus dem Jahr 2024 ergänzt.
       
       10 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Der-Dritte-Weg-in-Berlin/!6076195
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/vom-bezirksamt-berlin-pankow-geduldet-neonazis-trainieren-hinter-der-grundschule--und-behorden-schauen-zu-12054764.html
 (DIR) [3] /Neonazi-Trainings-in-Berlin/!6053656
 (DIR) [4] /Prozess-gegen-Antifaschisten-in-Berlin/!6136446
 (DIR) [5] /Neonazi-Attacke-auf-Antifas/!6019369
 (DIR) [6] /Neonazis-attackieren-Linke/!6199454
       
       ## AUTOREN
       
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