# taz.de -- Behandlung bei Long Covid: Es fehlt Geld und Vertrauen
       
       > In Hamburg soll eine Spezialambulanz die medizinische Versorgung
       > Betroffener verbessern. Doch nicht nur an der Finanzierung hapert es.
       
 (IMG) Bild: Schwer krank, trotzdem aktiv: Von ME/CFS Betroffene fordern mit einer Liegenddemo mehr Forschung und bessere Versorgung
       
       Betroffene, die an Langzeitfolgen von Virusinfektionen wie Long Covid oder
       ME/CFS leiden, sollen in Hamburg schneller und besser versorgt werden. Das
       fordern die Regierungsfraktionen SPD und Grüne in einem Antrag in der
       Bürgerschaft, über den am 2. September entschieden wird. Am
       Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) soll dazu eine spezialisierte Ambulanz
       entstehen. Jedoch ist unklar, wann das passieren soll und auch die
       Finanzierung ist noch offen. Betroffenenverbände und Opposition üben
       Kritik.
       
       Krankheiten wie Long Covid und ME/CFS werden unter dem Begriff Post Acute
       Infektion Syndrom (PAIS) zusammengefasst. Solche Krankheiten sind oft mit
       großem [1][Leidensdruck] verbunden. Weil bislang [2][wenig über sie
       bekannt] ist, dauert es oft lange, bis Betroffene überhaupt Hilfe bekommen.
       
       Noch liege Hamburg bei der Versorgung von Long-Covid-Patient:innen im
       Vergleich mit anderen Bundesländern zurück, sagt der Betroffenenverband
       Fatigatio. So gibt es in 13 Bundesländern bereits spezialisierte
       Ambulanzen, an die sich Betroffene wenden können. Neben dem finanzstarken
       Hamburg haben nur Brandenburg und das Saarland noch keine.
       
       Die geforderte Spezialambulanz ist Teil eines dreistufigen
       Versorgungsmodells. In der ersten Stufe sollen Hausärzt:innen die
       Krankheit erkennen und die Behandlung begleiten, während bei Stufe zwei
       verschiedene Fachärzt:innen in die Behandlung einbezogen werden. Stufe
       drei soll bei besonders schweren Fällen greifen. Für Stufe zwei und drei
       soll die spezialisierte Ambulanz am UKE zuständig sein, die auch [3][zur
       Forschung beitragen] soll.
       
       ## Wer die Ambulanz bezahlen soll, ist noch unklar
       
       In der Bürgerschaft wird schon seit Ende 2021 über die bessere Versorgung
       von Long-Covid-Betroffenen debattiert, Rot-Grün hat sie im
       Koalitionsvertrag vereinbart. Hamburg würde damit einer bundesweiten
       Richtlinie zur Behandlung von Long Covid folgen, die im Mai 2024 in Kraft
       trat.
       
       Die Sprecherin des Betroffenenverbands Fatigatio-Hamburg ist über den
       Vorschlag von Rot-Grün enttäuscht. Zwar begrüße der Verband das politische
       Signal. Aber: „Es fehlt an konkreten Inhalten“, so die Sprecherin zur taz.
       Aus dem Antrag gehe nicht hervor, wie die Finanzierung durch die
       Krankenkassen gesichert werden solle. Außerdem fehle ein konkreter Zeitplan
       für die Umsetzung.
       
       Auch Christin Christ, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion,
       kritisiert den langsamen Fortschritt. Wichtig sei, dass nun schnell etwas
       umgesetzt werde, sagt Christ.
       
       Allerdings ist noch offen, wer die Ambulanz bezahlen soll. Die
       Krankenkassen reagieren verhalten. Im Februar dieses Jahres war die
       Finanzierung Thema im Gesundheitsausschuss. Hamburgs Gesundheitssenatorin
       Melanie Schlotzhauer sagte dort, dass die Krankenkassen unter Spardruck
       stünden und zusätzliche Kosten kritisch prüfen würden. „Wir verhandeln über
       extrabudgetäre Ausgaben, da tut sich jede und jeder Beteiligte schwer“,
       sagte sie.
       
       ## Kritik an Behandlung am UKE
       
       Das trifft auch auf die Finanzierung des „Kidsmobil“, einer Hamburger
       Besonderheit, zu. Schwer erkrankte Kinder werden durch das Kidsmobil in
       ihrem Zuhause versorgt. Bislang wird das Projekt durch Spenden und
       Fördermittel finanziert. Geld will Hamburg dafür keins ausgeben. Geht es
       nach dem Senat, sollen Kranken- und Pflegekassen die Kosten übernehmen.
       Doch die sehen sich nicht zuständig. Der Senat soll sich jetzt auf
       Bundesebene für eine Finanzierung einsetzen.
       
       Doch nicht nur die Finanzierung ist ein strittiger Punkt bei der Versorgung
       Betroffener in Hamburg. Betroffenenverbände kritisieren auch, wie am UKE
       schon jetzt mit Long-Covid-Patient:innen umgegangen wird. Weil Krankheiten
       wie ME/CFS bislang nicht im Körper nachgewiesen werden können, ist ein
       Streitpunkt die Diagnose.
       
       Karen Ullmann von „Nicht Genesen Kids“, einem Verein, in dem sich Eltern
       betroffener Kinder organisieren, erzählt der taz von häufigen
       psychosomatischen Diagnosen am Kinder-UKE. „Fast jedes Kind, das wir
       kennen, ist mit einer psychischen Diagnose rausgekommen.“ Diagnosen anderer
       Stellen würden nicht anerkannt. Das führe auch zu falschen
       Therapieempfehlungen. So werde Eltern körperliche Aktivität als Therapie
       der betroffenen Kinder empfohlen, obwohl gerade das zu einer
       Verschlechterung führen kann. „Das Stufenmodell ist wunderbar, aber es
       hilft nichts, wenn die Krankheit nicht anerkannt wird“, so Ullmann.
       
       Im November letzten Jahres schilderte der Betroffene Fabian Fritz [4][der
       taz] ähnliche Erfahrungen am UKE. Durch die folgende Therapie habe sich
       sein gesundheitlicher Zustand stark verschlechtert.
       
       Der Chef des Klinikums wies die Kritik an der Behandlung im UKE im
       Gesundheitsausschuss zurück. Man halte sich an geltende Leitlinien. Um eine
       falsche Behandlung zu vermeiden, betonte er die Bedeutung einer
       individuellen Diagnostik und Behandlung bei schwer Erkrankten. Durch die
       Umsetzung des Stufenmodells könne das erreicht werden.
       
       Über den Antrag, der den Senat bittet, den Prozess dahin konstruktiv zu
       begleiten, entscheidet die Bürgerschaft am 2. September. Bis Ende des
       Jahres soll der Senat über Fortschritte informieren.
       
       31 Aug 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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