# taz.de -- Palantir vermeidet Steuern: Vorzugsbehandlung für die Tech-Kinder der USA
       
       > Der US-Konzern Palantir zahlt nur ein Zehntel der Steuern, die die
       > globale Mindeststeuer verlangt. Das zeigt ein neuer Gewerkschaftsbericht.
       
 (IMG) Bild: Alex Karp, Gründer und CEO von Palantir
       
       Sechs Verfilmungen der Herr-der-Ringe-Reihe könnte Palantir mit seinem
       Gewinn im Jahr 2025 produzieren. Auf diesen Profit hat das Tech-Unternehmen
       weltweit nur etwa 21,7 Millionen US-Dollar Steuern gezahlt – da springt
       gerade mal ein Zehntel einer Verfilmung bei heraus. Der Konzern, der nach
       einer magischen Kugel aus den Tolkien-Büchern benannt ist, zahlt wenig
       Steuern.
       
       Das geht aus einem Bericht der European Public Service Union (EPSU) hervor.
       Der Gewerkschaftsverband setzt sich gegen Steuervermeidung und die
       Auslagerung öffentlicher Dienstleistungen ein. Nun veröffentlicht er in
       Zusammenarbeit mit dem Center for International Corporate Tax
       Accountability and Research einen Bericht, der der taz im Vorhinein vorlag.
       Er legt offen, wie Palantir global Steuern vermeidet.
       
       Das Unternehmen Palantir ist Spezialist für Datenanalyse und verspricht
       Schutz vor Kriminalität, Terror und ineffizienten Arbeitsvorgängen. Das
       Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt. Inzwischen
       gehört Palantir zu den 50 größten Unternehmen der Welt. 2003 gegründet,
       machte es zwar erst 2023 Profit, dann aber richtig: Sein Gewinn vor Steuern
       verdreifachte sich von 2024 zu 2025 auf 1,66 Milliarden US-Dollar. Der
       Trend hält an. Am vergangenen Montag veröffentlichte das Unternehmen seine
       Zahlen für das zweite Quartal. Es verzeichnet eine Ertragssteigerung von
       rund 62 Prozent.
       
       Viele öffentliche Behörden haben Verträge mit Palantir, in den USA etwa das
       Immigration and Customs Enforcement, kurz ICE, in Deutschland unter anderem
       die hessische Polizei. Kurz sah es so aus, als ob Software des Unternehmens
       auch vom deutschen Geheimdienst eingesetzt wird. Die Kritik war laut:
       Zivile und politische Akteure sahen Datenschutz und digitale Unabhängigkeit
       bedroht.
       
       ## USA, Steueroase für Palantirs Gewinn
       
       Zu den kritischen Stimmen kommt nun der Bericht der EPSU, der Palantir
       Steuervermeidung vorwirft. Eine Steueroase findet das Unternehmen in seinem
       Heimatland. Laut dem Bericht stammen etwa 74 Prozent des Umsatzes 2025 aus
       den USA. Aber 96 Prozent des Profits wurden in den USA verzeichnet. Das
       liegt nicht unbedingt daran, dass Europa nicht profitabel ist. Dem
       EPSU-Bericht zufolge verlagert Palantir seine Gewinne von Europa in die
       USA.
       
       So wird in Europa möglicherweise weniger versteuert, als wirklich
       erwirtschaftet wird. 65 Prozent des deutschen Umsatzes machten zum Beispiel
       „Servicegebühren“ an das Mutterunternehmen in den USA aus.
       
       Illegal ist das nicht. Doch Unternehmen suchten aktiv nach Schlupflöchern,
       während sie gleichzeitig von öffentlichen Aufträgen und öffentlich
       finanzierter Infrastruktur profitierten, sagt Jan Willem Goudriaan,
       Generalsekretär der EPSU. „Legalität ist der Mindeststandard, nicht das
       Ende der Diskussion“, ist seine klare Haltung.
       
       Denn sind die Profite in den USA verbucht, muss Palantir kaum Steuern
       darauf entrichten. Auf Staatenebene zahlte das Unternehmen 22,5 Millionen
       US-Dollar Steuern, auf Bundesebene gar keine. Grund dafür sind großzügige
       Steuerfreibeträge – unter anderem aus dem „One Big Beautiful Bill“, den
       Trump Anfang des Jahres erließ. Zudem profitiert Palantir von sogenannten
       latenten Steuern. Das sind Steuervorteile, die sich in den Jahren
       ansammelten, als Palantir Verluste machte. Die Autor*innen des Berichts
       rechnen damit, dass Palantir deswegen auch in den nächsten Jahren auf
       US-Bundesebene keine Steuern zahlen muss.
       
       Palantir landet so bei einem effektiven globalen Steuersatz von 1,55, so
       der Bericht. Zum Vergleich: Die Körperschaftssteuer in Deutschland beträgt
       15 Prozent.
       
       ## Globale Mindeststeuer macht Ausnahme bei US-Unternehmen
       
       Eigentlich soll die globale Mindeststeuer der Organisation für
       wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen einheitlichen,
       fairen Steuersatz sichern. Doch Anfang des Jahres vereinbarte die
       [1][Trump-Regierung einen neuen Deal mit den anderen Staaten]. Für die USA
       gelten nun Ausnahmeregeln, bei denen Unternehmen mit Sitz in den USA nur
       der US-amerikanischen Mindeststeuer unterliegen.
       
       Auf eine Anfrage nach Stellungnahme antwortet Palantir der taz nicht. Ob
       Palantir seinen Gewinn aktiv mit dem Ziel verschiebt, Steuern zu umgehen,
       ist deswegen nicht klar.
       
       Generalsekretär Goudriaan sieht trotzdem allen Grund zur Kritik: „Der
       Einfluss von Palantir in Europa nimmt rasch zu, insbesondere in den
       Bereichen Verteidigung, Sicherheit und öffentliche Dienste“, sagt er. Wer
       sich vom öffentlichen Dienst finanzieren lasse, solle auch Steuern zahlen.
       Alles andere sei weder fair noch nachhaltig.
       
       Die Autor*innen des EPSU-Berichts formulieren einen klaren Appell an
       Regierungen und Behörden: Palantir vermeiden und bestehende Verträge
       überdenken. In Deutschland zeigte der öffentliche Widerstand der
       Vergangenheit bereits erste Wirkung: [2][Letztendlich entschied sich der
       deutsche Geheimdienst für eine französische Alternative.]
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kampf-gegen-Steuerflucht/!6143150
 (DIR) [2] /Deutscher-Geheimdienst-setzt-zur-Terrorabwehr-auf-eine-Palantir-Alternative-aus-Frankreich/!6178800
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Pauline Ruprecht
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Palantir
 (DIR) Steuern
 (DIR) Steuerflucht
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Kolumne Die Wahrheit
 (DIR) Palantir
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Peter Thiel erhält Axel Springer Award: Ein Preis für den Antichristen
       
       Der einflussreiche Tech-Apokalyptiker Peter Thiel wird vom
       Axel-Springer-Verlag ausgezeichnet. Dessen CEO Döpfner will endlich bei den
       großen Tech-Bros mitspielen.
       
 (DIR) Die Wahrheit: Niemand will Thiel
       
       Neues aus Neuseeland: Der Palantir-Gründer verlässt das Land der langen
       weißen Wolke. Doch auch andere Milliardäre haben sich dort eingebunkert.
       
 (DIR) Palantir in Deutschland: Überwachung first, Bedenken second
       
       Bundesinnenminister Dobrindt hält an der Überwachungssoftware Palantir
       fest. Eine taz-Recherche zeigt: Damit steht er fast alleine da. Grund zur
       Entwarnung ist das nicht.