# taz.de -- Fußball und Naturschutz: Warum Bayer 04 auf einem Acker verliert
> Der Werksklub will in Monheim am Rhein einen neuen Campus errichten. Doch
> die Fläche liegt in einem Regionalen Grünzug. Das Projekt wurde gestoppt.
(IMG) Bild: In vertrauten Bahnen: Bayer-Profis an der A1 in Leverkusen
Majestätisch fliegt der Bussard an diesem heißen Sommertag Anfang August
2026 über einen vertrockneten Acker in Monheim am Rhein. Doch seine Suche
nach Mäusen verläuft erfolglos, sodass er sich in das kleine Waldstück auf
dem Acker zurückzieht.
Der Acker gehört der Bayer AG, seit Jahren soll hier etwas Besonderes
entstehen: Der „[1][Bayer 04-Campus]“, die geplante Heimat für den
Bundesligisten. Im benachbarten Monheim ist Bayer der größte Arbeitgeber,
die 2.000 Mitarbeitenden der Sparte Crop Science beschäftigen sich
gegenüber dem Acker mit Agrarwirtschaft.
Und Bayers Fußballsparte braucht ein neues Trainingszentrum. Der Ausbau der
Autobahn A1 wird dem bisherigen Vereinsgelände in Leverkusen ab 2030 Fläche
nehmen. Nach eigenen Angaben hat Bayer 04 bereits etwa 70 mögliche
Standorte in Leverkusen und Umgebung geprüft, übriggeblieben ist der Acker
in Monheim, nordwestlich angrenzend an ein Wohngebiet. Bislang ist das
Projekt aber nicht über den Status eines Bauvorhabens hinausgekommen – denn
der Monheimer Stadtrat stoppte das Projekt. Bei einer Abstimmung am 15.
Juli 2026 votierte der Stadtrat mit 25 zu 19 Stimmen gegen die „Einleitung
eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens“. Bayer ist seinem Ziel
also bislang kein Stück nähergekommen.
Monheim am Rhein liegt zwischen Köln und Düsseldorf, das Stadtgebiet grenzt
im Süden an das von Leverkusen. Die knapp 44.000-Einwohner-Stadt galt lange
als Hochburg der lokalen Partei Peto (Lateinisch für „Ich fordere“).
[2][Unter Bürgermeister Daniel Zimmermann] senkte Monheim 2012 den
Gewerbesteuerhebesatz auf den niedrigsten Wert in Nordrhein-Westfalen.
Unternehmen siedelten sich an, die Einnahmen stiegen, Schulen wurden
saniert, Busse und Kitas waren kostenlos.
## Jachthafen? Really?
Mit den Jahren wuchsen die Ausgaben. Prestigeträchtige Projekte wie
Kulturraffinerie, Geysir oder geplanter Jachthafen sorgten für Kritik.
Gleichzeitig gingen die Gewerbesteuereinnahmen zurück. Laut Bund der
Steuerzahler weist Monheim mit rund 23.000 Euro die höchste
Pro-Kopf-Verschuldung in Nordrhein-Westfalen auf.
Bei der Kommunalwahl 2025 verlor Peto rund 20 Prozentpunkte. Ein Bündnis
aus CDU, SPD, Grünen und FDP übernahm die Mehrheit, Bürgermeisterin wurde
die parteilose Sonja Wienecke. In einem Punkt waren sich die
Bündnisparteien einig: Der Bayer-Campus sollte nicht gebaut werden.
Bayer 04 plante Anfang 2025 noch mit 12,5 Fußballplätzen und einem
Funktionsgebäude. Über die nächsten Monate, in denen mit den Ratsfraktionen
verhandelt wurde, reduzierte der Klub seine Planungen um zwei Plätze. 120
Millionen Euro will Bayer investieren und damit laut eigener Aussage 150
Arbeitsplätze schaffen. Die rund 15 Hektar große Fläche, die der Klub
bebauen will, gehört größtenteils zum Regionalen Grünzug von Monheim. Laut
Raumordnungsgesetz ist ein Grünzug ein Vorranggebiet, das vier Funktionen
erfüllen muss: Es darf nicht in Wohngebiete umgewandelt werden und muss zur
Naherholung, Biotopvernetzung und zum klimaökologischen Ausgleich dienen.
Eine Vertreterin der Bezirksregierung Düsseldorf sagte in einem Vortrag im
März 2025, dass sich an diesem Standort in Monheim Fluchtkorridore für
Tiere verkleinern würden, wenn der Campus gebaut werde. Das käme einer „Art
von Verschluss“ gleich. Die Fläche biete außerdem ein „Freilandklima mit
einer hohen thermischen Ausgleichsfunktion“. Bei einer „intensiven
sportlichen Nutzung“ seien die vier Funktionen des Grünzugs nicht mehr
erfüllt.
Der taz liegen Dokumente einer Standortanalyse vor, die ein von Bayer 04
beauftragtes Stadtplanungsunternehmen erstellt hatte. Im Dokument aus 2023
heißt es darin, die Fläche sei „aufgrund der widersprechenden Darstellungen
des Regionalplans (Regionaler Grünzug) ungeeignet“, ein „Funktionsverlust
des Regionalen Grünzugs“ sei zu befürchten.
## Im Rahmen
In einem Dokument aus 2025 steht, eine „Rücknahme des Regionalen Grünzugs“
sei nötig, um einen „Zielkonflikt“ mit der Regionalplanung zu vermeiden.
Darüber könne der Regionalrat Düsseldorf „im Rahmen einer Änderung des
Regionalplans entscheiden“. Nach Informationen der taz deutet derzeit
nichts darauf hin, dass der Regionalrat den Regionalen Grünzug für das
Projekt anpassen wird. Sowohl die Bezirksregierung als auch ein von Bayer
04 beauftragtes Planungsbüro hatten den Standort bereits vor der
Ratsentscheidung als problematisch eingestuft. Trotzdem beantragte der Klub
die Einleitung des Bauleitverfahrens.
Lucas Risse, Fraktionsvorsitzender von Peto, kritisierte bei einem
Ortstermin mit der taz die „Blockadehaltung des Bündnisses“ und schob
hinterher: „Der Antrag hatte zum Ziel, die Planung fachlich prüfen zu
lassen. Das Ganze hatte am Ende aber mit Sachpolitik nichts mehr zu tun.
Der Rufschaden für Monheim als Wirtschaftsstandort hat darunter gelitten.“
Die Fußballsparte des Weltkonzerns reagierte verärgert. [3][Fernando Carro,
Vorsitzender der Bayer-Geschäftsführung, sprach von einer „großen
Enttäuschung“, auf der Plattform LinkedIn] schob er die Frage nach, ob die
Zukunft eines europäischen Fußballklubs von einer Abstimmung in einem
Stadtrat beeinflusst werden könne – für Monheim ist die Antwort klar.
Wie es nun weitergeht, ist völlig offen. Ein Bürgerbegehren wäre der
nächste Schritt. Dafür hatte sich auch Bayers Sport-Geschäftsführer Simon
Rolfes ausgesprochen. Dafür müssten ausreichend Stimmen gesammelt werden,
bevor es zu einer erneuten Abstimmung käme. Die Bürgerinitiative „Campus
möglich machen“ antwortete der taz, auf das „Instrument des Bürgerbegehrens
vorbereitet“ zu sein, sie stehe mit Bayer 04 in Kontakt.
Engagierte Monheimer*innen, die gegen den Campus sind, machen hingegen
weiterhin für die Erhaltung des Grünzugs mobil. Ein Vertreter der
Initiative betont im Gespräch mit der taz, Bayer 04 müsse akzeptieren, wie
Monheim tickt und wie der Rat entschieden habe. Es sei nicht rechtens, sich
„über demokratische Entscheidungen hinwegzusetzen“.
Auf taz-Anfrage schreibt der Bundesligist, „unvermindert von unserer Idee
überzeugt“ zu sein, den Campus zu bauen. Daher überprüfe der Bundesligist,
„aktuell verschiedene Optionen, wie sich der Campus in der zur Verfügung
stehenden Zeit am besten umsetzen lässt“.
Ein Bürgerbegehren sei in Monheim denkbar, das wisse man „aus den
öffentlich geführten Diskussionen“, die eigene Haltung dazu sei noch nicht
abschließend diskutiert worden. Auch die Ergebnisse einer eigens in Auftrag
gegebenen Telefonumfrage unter der Monheimer Bevölkerung habe Bayer 04
gestärkt, „das Projekt weiterzuverfolgen“.
Der Fall zeigt, dass sportliche Ambitionen, kommunale Planung und
Klimaschutz nicht immer vereinbar sind. Über diese Abwägung entscheidet am
Ende nicht der Bundesligist, sondern die kommunale Politik. Insofern ist es
fast schon ironisch, dass der Ausbau einer Autobahn, der A1, dafür sorgt,
dass sich ein Fußballunternehmen und die Bevölkerung einer
hochverschuldeten Stadt über einen Acker streiten.
Eine Anfrage an die Bürgermeisterin von Monheim blieb indes unbeantwortet.
Ein Ende der Geschichte ist noch lange nicht in Sicht.
Der Bussard wird noch eine ganze Weile über dem Acker kreisen.
15 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://campus.bayer04.de/
(DIR) [2] /Politisches-Engagement/!5156499
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## AUTOREN
(DIR) Arne Steinberg
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