# taz.de -- Protest gegen Umbaupläne: Bäume retten bis zur Wahl
> Mit wöchentlichen Demonstrationen stellt sich eine Bürgerinitiative gegen
> Umbaupläne der Torstraße. Mindestens bis zur Wahl sollen die Pläne der
> CDU verzögert werden.
(IMG) Bild: 300 Menschen auf der Auftaktdemo in der Torstraße am 22. Juli
Glühende Hitze auf der leeren Torstraße in Mitte. Demonstrierende drängen
sich in den Schatten der jahrzehntealten Bäume, die für den Umbau der
Torstraße fallen sollen. Ohne sie ist es selbst um 17 Uhr kaum auszuhalten
auf der Straße. Es sind nicht überwältigend viele Menschen, aber dafür ein
sehr gemischtes Publikum.
Nachdem vor einer Woche überraschenderweise mehr als 300 Menschen gegen die
geplante [1][Erneuerung der Torstraße] und die damit verbundenen
Baumfällungen demonstriert hatten, und dabei nur eine Straßenseite
freigegegeben wurde, waren an diesem Mittwoch alle vier Spuren für die Demo
gesperrt. Eine ungewöhnliche Stille auf dieser „Hauptverkehrsstraße zweiter
Ordnung“, erst recht bei der Schweigeminute für die Opfer des
CSD-Anschlags.
Die Größe der Torstraße ist ihr Verhängnis. Seit 2022 soll sie von Grund
auf erneuert werden, 10 Millionen Euro sollen in die zwei km lange Strecke
fließen. Die Pläne der damals grünen Senatsverkehrsverwaltung sahen eine
Autospur in jede Richtung, Fahrradwege auf der Straße und genügend Platz
für Fußgänger*innen und Gastronomie vor.
Doch die Pläne wurden unter der CDU überarbeitet: Nun soll es wieder zwei
Spuren in jede Richtung geben, ein Fahrradweg über den Gehweg führen und
außerhalb der Stoßzeiten auch wieder Parken möglich sein. Die Begründung:
„Erhalt der Leistungsfähigkeit“. Dafür sollen laut Senat 32 Bäume fallen,
aber nur 24 nachgepflanzt werden. Jetzt ist das Projekt öffentlich
ausgeschrieben, bis zum 18. August können Firmen Angebote machen, im
Oktober könnten erste Bauarbeiten und Fällungen beginnen.
## Bis zu den Wahlen verzögern
Gegen das Projekt stemmt sich die „[2][Bürgerinitiative Lebendige
Torstraße]“. Auf ihrem Instagram-Kanal mobilisiert sie gegen den Umbau,
veranstaltet Nachbarschaftstreffen und sammelt Unterschriften. Bis jetzt
hat die Petition fast 9.000 Unterstützende. Angefangen vor einer Woche,
organisiert sie jeden Mittwoch um 17 Uhr Demonstrationen, auf denen über
Verkehrssicherheit und den Baumbestand gesprochen wird. Mitgründer Eckhard
Hasler ist Stadtplaner und erklärt zum Thema Verkehrssicherheit die
Defizite der Pläne von der Senatsverwaltung. Die Initiative versucht, die
Entscheidungen und Planung hinauszuzögern, mindestens bis zu den Wahlen im
September, damit diese Regierung keine Fakten mehr schaffen kann.
Während sich Hasler schon lange zivilgesellschaftlich organisiert, ist der
Anteil seiner Mitstreiter:innen, die sich zum ersten Mal einbringen, hoch.
Viele kommen aus anderen Feldern: der Kunst, Architektur, Naturschutz, oder
sind Anwohner*innen, die sich aus Überzeugung engagieren, nicht weil sie
ständig in diesen Feldern unterwegs sind. Da vom Senat kaum Reaktionen
kommen, gibt es Sorgen um die Wirksamkeit des Widerstands, doch die
Initiative hat vor, über die nächsten Wochen nichts unversucht zu lassen.
„Lebendige Torstraße“ steht nicht allein: Auch aus anderen Richtungen
hagelte es bereits Kritik. Der BUND, Changing Cities, Anwohner*innen
und Gewerbebetreibende haben sich beschwert und Statements veröffentlicht.
Hasler berichtet von vielen ähnlichen Fällen in der Stadt. Man merke durch
die Vernetzung, die zwischen Bürgerinitiativen stattfindet, dass man kein
Einzelfall sei, sondern viele Orte diesem System zum Opfer fallen.
30 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mila Kassem
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