# taz.de -- Hip-Hop-Veteran über Orte der Begegnung: „Ich habe 20 Jahre des kommerziellen Scheiterns hinter mir“
       
       > Früher Kellogg's Fabrik, heute Erlebnisoase. Mit der Freizeitklinik
       > schafft Immo Wischhusen in Bremen einen Ort, den man nach Festivals oft
       > vermisst.
       
 (IMG) Bild: Lange prägte vor allem die alte Kellogg’s-Fabrik die Bremer Überseestadt: Jetzt soll hier ein innovatives Stadtquartier entstehen
       
       taz: Immo Wischhusen, jedes Jahr lassen Sie auf einer Bremer Halbinsel auf
       rund 7.000 Quadratmetern eine Landschaft entstehen, wie man sie sonst nur
       von Festivals kennt. Was hat Sie dazu bewegt, mit der Freizeitklinik einen
       weiteren Ort der Begegnung zu schaffen? 
       
       Immo Wischhusen: [1][„Die Komplette Palette“] ist ein künstlerisches
       Projekt im Hemelinger Hafen, das 2016 entstand. Es ist ein Ort der
       temporären Begegnung mit einer Bar, Konzerten und Kunst, alles in der Natur
       und direkt am Wasser. Seither verwandelt sich jeden Frühling aufs Neue eine
       Brachfläche in einen Ort, der vielen Bremer:innen auch als „Das Kleine
       Paradies“ bekannt ist. Jeden Herbst muss alles wieder abgebaut werden. Mit
       der[2][„Freizeitklinik“] wollte ich einen ähnlichen Ort schaffen aber mit
       mehr Kontinuität, etwas das bleibt.
       
       taz: Die Freizeitklinik entspringt einer weiteren Brachfläche, einem
       unbebauten Teil des Industriegebiets Bremen Überseestadt. Wie begann alles
       vor drei Jahren? 
       
       Wischhusen: Lange prägte vor allem die alte Kellogg’s-Fabrik die Gegend.
       Der Investor Klaus Meier möchte hier ein [3][innovatives Stadtquartier]
       entstehen lassen. Mit einem hanseatischen Handschlag verabredeten wir, dass
       die Freizeitklinik hierzu beitragen kann. Durch den immer wiederkehrenden
       Auf- und Abbau von der „Kompletten Palette“ gab es bereits etablierte
       Bausätze, aber die Herausforderung lag darin, nicht nur eine neue
       Infrastruktur zu installieren, sondern sie auch auf Dauer funktionsfähig zu
       machen. Die Idee ist, dass dieser Ort auch dauerhaft Teil des Quartiers
       bleibt.
       
       taz: In den 90er Jahren waren Sie allem in der deutschen Hip-Hop-Szene
       unterwegs. Nun möchten Sie einen Ort der Begegnung schaffen. Wie kam es zu
       dem Umbruch? 
       
       Wischhusen: Mitte der 90er hatte ich gemeinsam mit Ferris MC die Band
       „Freak Association“. Ich bin sozusagen im deutschen Hip-Hop aufgewachsen.
       Nach etlichen Tours und Auftritten habe ich sozusagen 20 Jahre des
       kommerziellen Scheiterns hinter mir. Dadurch konnte ich den Begriff
       [4][Erfolg für mich neu definieren]. Hätte ich keine hohe
       Frustrationstoleranz, hätte ich diesen Ort vermutlich niemals geschaffen.
       Denn was mich immer schon glücklich gemacht hat, ist der Schaffensprozess
       hinter der Kunst. Was ich hier mache, ist für mich immer noch Hip-Hop, aber
       eben in handwerklicher Form. Ich wünsche mir eine bessere Welt und mit der
       Freizeitklinik beschränke ich mich einer eingezäunten Fläche auf ein
       kleines Fleckchen Erde, das ich besser machen möchte.
       
       taz: Was erwartet die Leute, wenn sie zum Digital Detox Day in die
       Freizeitklinik kommen? 
       
       Wischhusen: Es kommt darauf an, was sie draus machen, denn das echte Leben
       macht man sich selber. Ich möchte zu einer soliden Einzelleistung anregen.
       „Herz auf, Hirn an“ steht am Eingang. Es gibt keinen Animateur, der durch
       die Gegend läuft und den Entertainer spielt. Man kann einfach chillen, sich
       hinlegen, entspannen. Es gibt Sonnenbänke, Tischkicker, eine
       Tischtennisplatte, ein Trampolin, einen Sandkasten und herrliche
       Mirabellenbäume, von denen alle so viel essen dürfen, bis sie satt werden.
       
       taz: Sie sind Social Media aktiv, auch für den Digital Detox Day. In
       welchem Spannungsverhältnis sehen Sie sich da und wie steht es um Ihren
       eigenen Medienkonsum? 
       
       Wischhusen: Mein erstes Handy war ein Siemens S4. Heute schätze ich die
       Kommunikationsvorteile von Smartphones. Ohne könnte ich nicht tun, was ich
       tue. Um mein Angebot an die Menschen heranzutragen, muss ich sie dort
       erreichen, wo sie sich herumtreiben – und das ist heute nun mal das Handy.
       Mir passiert’s auch, dass ich nach dem Content-Hochladen hängenbleibe und
       mir plötzlich [5][Zeug angucke, das ich gar nicht brauche]. Dann habe ich
       auf Konsum umgeschaltet statt auf Produktion, aber was zählt ist das
       Bewusstsein.
       
       2 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dkp.online/
 (DIR) [2] https://freizeitklinik.de/
 (DIR) [3] /Berliner-Stadtplanung/!6160503
 (DIR) [4] /Schreiner-ueber-Genuegsamkeit/!6140253
 (DIR) [5] /Aufmerksamkeitspolitik/!6157040
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Noel Urcan
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Digitalisierung
 (DIR) Sucht
 (DIR) Abhängigkeit
 (DIR) Bremen
 (DIR) Handy
 (DIR) Freizeit
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Wir retten die Welt
 (DIR) TikTok
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Social-Media-Verbot für Jugendliche: The Kids are online
       
       Eine Kommission hat jetzt Altersgrenzen vorgeschlagen, die Kinder und
       Jugendliche online schützen soll. Doch viele Hoffnungen dürften sich kaum
       erfüllen.
       
 (DIR) Mobilitätswende stockt: Die Raufaserrepublik auf der Straße
       
       Die Wohnung renovieren und Verkehrspolitik haben mehr gemeinsam, als man
       denkt, findet unsere Autorin. So ließe sich auch die Mobilitätswende
       angehen.
       
 (DIR) Social-Media-Verbot für Jugendliche: Generation Gammelhirn
       
       Australien will Social Media für Jugendliche verbieten. Die Gen Z setzt
       sich oft selbst schon Grenzen, ihr digitaler Detox ist Selbsterhaltung.