# taz.de -- Neuer britischer Premierminister: Hört auf die Bürgermeister!
       
       > Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham macht mit handfester,
       > konkreter Politik auf sich aufmerksam. Sie könnte sich zum Vorbild für
       > linke Regierungspolitik entwickeln.
       
 (IMG) Bild: Ein Wetherspoon Pub in Shefield, England. Das zweite Wohnzimmer der Arbeiter soll billiger werden, verspricht Labour
       
       Großbritanniens neuer Labour-Premierminister Andy Burnham lässt aufhorchen
       mit seiner Art der Politik. An seinem ersten Arbeitstag verkündete er, dass
       Privathaushalte ab Oktober keine Mehrwertsteuer auf Strom mehr zahlen
       müssen, um jenen, die unter der Inflation besonders leiden, „Luft zum Atmen
       zu geben“, wie er sich ausdrückte.
       
       Und weiter: Eine einfache Busfahrt im Nahverkehr soll auf 2 Pfund gedeckelt
       werden, nachdem sein Vorgänger, Keir Starmer, die Obergrenze noch auf 3
       Pfund angehoben hatte. Burnhams Ankündigung beschränkt sich aus rechtlichen
       Gründen auf den Landesteil England, aber immerhin.
       
       Schließlich wird seine Regierung [1][die Gewerbesteuer für Konzertlokale
       und Pubs um 20 Prozent senken], was das Leben der britischen
       Arbeiterschicht in ihrem zweiten Wohnzimmer, eben dem Pub, weniger teuer
       macht.
       
       Die Finanzierung dieser drei Vorhaben ist teilweise noch nicht gesichert,
       auch mögen sie kleinteilig wirken – und doch könnte sich aus der
       Burnham'schen Politik ein Erfolgsmodell für sozialistische und
       sozialdemokratische Parteien über Großbritannien hinaus entwickeln:
       Handfeste, konkrete Politik, die die Kernzielgruppe zügig auf dem Konto
       merkt.
       
       Auch bei einem anderen Projekt ist die Handschrift des
       Ex-Kommunalpolitikers erkennbar: Burnham plant eine dezentralisierte
       Politik, [2][die er „Place First“ nennt]: Die einzelnen Politikbereiche –
       Gesundheit, Verkehr, Bildung – sollen aus dem Silodenken heraus. Denn was
       in der jeweiligen Logik der Einzelbereiche sinnvoll erscheint, widerspricht
       sich oft vor Ort und ergibt kein schlüssiges Ganzes. Einer seiner Vorgänger
       als Labour-Chef, der aus der linken Theorie-Ecke stammende Jeremy Corbyn,
       wollte das ganz große Rad drehen – und scheiterte damit schon in der
       eigenen Partei.
       
       Und bei uns? Die SPD steht nicht im Verdacht, von TheoretikerInnen
       dominiert zu werden, bei ihnen herrscht der Technokrat Lars Klingbeil. Aber
       sie sollte mehr auf ihre BürgermeisterInnen hören.
       
       27 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/neuer-britischer-premierminister-burnham-senkt-steuer-fuer-pubs-und-konzertlokale-102.html
 (DIR) [2] https://www.adeptnet.org.uk/news/adept-responds-andy-burnham%E2%80%99s-vision-place-first-approach-growth
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) 
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