# taz.de -- Weinverkostung: Silvaner Superstar
       
       > Riesling, Bacchus, Müller-Thurgau – alles köstliche Weine. Aber seitdem
       > unser Kolumnist umgeben von Silvaner-Reben ist, hat er einen neuen
       > Favoriten.
       
 (IMG) Bild: Wenn Silvaner eins nicht ist, dann so sauer wie Riesling
       
       Vor einigen Jahren bin ich einmal einem Sommelier mit einem großen Tattoo
       auf dem Unterarm begegnet, „riesling rules“ stand da. Das fühlte sich für
       mich schon damals nicht richtig an. Heute bin ich sicher, dass die tollste
       Rebsorte der Welt eine andere ist: Silvaner!
       
       Es ist der Wein, der [1][in den Weinbergen rund um unseren Gasthof] wächst.
       So bekomme ich automatisch viel von ihm mit. Und was ich da trinke, das ist
       so unterschiedlich und vielfältig, dass mir nie langweilig wird. Von
       Scheurebe, Bacchus oder Müller-Thurgau kann ich das nicht behaupten. Es
       gibt Silvaner zitrisch-frisch, mineralisch-reduktiv, kernig oder schmelzig,
       exotisch-fruchtig, perlig-blubbernd oder als Spätlese mit angenehmen
       Trockenobstnuancen.
       
       Und ich rede dabei nur von Reben, die in einem Radius von 15 Kilometer
       stehen. Altern kann er auch noch. Neulich habe ich ein Glas von einem
       2013er-Jahrgang bekommen. So frisch! Kein Oldie, ein Youngtimer.
       
       Auch als Speisebegleiter ist der Silvaner ein Allrounder. [2][Hier in
       Unterfranken] wird für den Wein mit dem Slogan „Spargel liebt Silvaner“
       geworben, aber er geht genau so zu Geflügel und Fisch, selbst wenn die
       Forelle oder die Tauben mild geräuchert sind. Ich empfehle Silvaner zu
       einem Blumenkohlschnitzel wie zu Rehragout. Es kommt nur darauf an, was für
       einen. Wir haben inzwischen fast zwei Dutzend auf der Karte, mehr als alle
       Rebsorten zusammen. Jung und alt, im Holz oder in Granit gereift, als
       Orange- und als Naturwein.
       
       ## Fruchtig oder mineralisch
       
       Was Silvaner dafür so geeignet macht: Wie wenige andere Weine hat er die
       Fähigkeit, das Terroir – also den Boden, in dem er wächst – perfekt
       aufzunehmen. Da die Eigenaromatik sehr zurückhaltend ist, setzen sich die
       Wachstumsbedingungen im Geschmack um. Steht er auf Muschelkalk, wird er
       fruchtiger, auf Gipskeuper mineralischer. Auffällig viele Gäste haben
       Bedenken und fragen nach Riesling, weil Silvaner zu sauer sei. Aber wenn
       Silvaner eins nicht ist, dann so sauer wie Riesling.
       
       Bei uns in Castell ist Silvaner zuerst eingepflanzt worden. 1659 war das.
       Damals hieß der Wein noch Österreicher und kam auch dorther. Heute heißt es
       in Franken „Silvaner rules“. Von keiner anderen Rebsorte wird mehr
       angebaut. Und der Silvaner profitiert sogar vom Klimawandel. Die
       ansteigenden Temperaturen helfen den Winzern, sein ganzes Potenzial zu
       entfalten. In diversen Weinführern bekommt er Spitzenbewertungen wie sonst
       nur Riesling.
       
       Auch im Ausland hat sich das rumgesprochen. Ich kenne hier junge Winzer,
       die ausschließlich die Spitzengastronomie in Dänemark oder den USA
       beliefern. Okay, fast ausschließlich. Ein paar Flaschen von ihnen habe ich
       auch im Keller.
       
       9 Aug 2026
       
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