# taz.de -- Klimawandel in Russland: Starkregen, Hochwasser, Erdrutsche
> Überschwemmungen nehmen in Russland zu. Vielerorts brennt der Wald. Immer
> mehr Russ*innen halten das für einen von der Natur vorgegebenen
> Prozess.
(IMG) Bild: Überflutete Ortschaften im Oblast Swerdlowsk im Juli 2026
Der Klimawandel ist zwar längst im Bewusstsein der Menschen in Russland
angekommen, doch gebührende Aufmerksamkeit erhielt er bisher nicht. Dass es
globale Erderwärmung gibt, zweifelt kaum noch jemand grundsätzlich an.
Anders verhält es sich jedoch bei der Frage, wer sie zu verantworten hat.
Einer Umfrage des staatlichen russischen Meinungsforschungsinstituts VCIOM
von 2025 nach zu urteilen, glauben 44 Prozent der russischen Bevölkerung,
Tendenz steigend, dass es sich dabei um einen von der Natur vorgegebenen
Prozess handelt. Das ist, gelinde gesagt, höchst bedenklich.
Weil die ganz großen klimabedingten Katastrophen in Russland meist weit weg
von der Hauptstadtregion geschehen, ist es in und um Moskau ein Leichtes,
die negativen Folgen des Klimawandels auszublenden. Noch sind allerdings
die Erinnerungen an den Extremsommer 2010 wach, als, begünstigt durch lang
andauernde Hitze und fehlender Niederschläge, [1][verheerende Feuer in
trockengelegten Torfgebieten ausbrachen] und Moskau in eine hochgradig
giftige Rauchwolke hüllten.
In den vergangenen Jahren jedoch häuften sich in der Metropole
sintflutartige Regenfälle in einem Ausmaß, dass sich derartige Vorfälle
nicht mehr als Ausnahmephänomen abtun lassen. Im Juni und Juli verwandelten
sich mehrmals ganze Straßenzüge in Flüsse, Autos verschwanden stellenweise
fast komplett unter den Fluten, Einkaufszentren standen unter Wasser, Bäume
hielten den Sturmböen nicht stand. Tornados richten regelmäßig erhebliche
Schäden an.
## Sturzfluten und Überschwemmungen nehmen zu
Kürzlich warnte Wladimir Tetelmin, Professor am Lehrstuhl für
Systemökologie der Fakultät für Umweltwissenschaften der Russischen
Universität der Völkerfreundschaft RUDN, vor zunehmenden Sturzfluten als
Folge der Erderwärmung. Innerhalb der kommenden 30 bis 40 Jahre, so
Tetelmin, würden sie sich zur neuen Norm entwickeln. [2][Besonders
betroffen seien der Ural, Sibirien], der russische Ferne Osten und der
Nordkaukasus.
Doch schon jetzt sehen sich die Menschen dort mit teils verheerenden
Überschwemmungen konfrontiert. Das Jahr 2026 stand bisher vielerorts im
Zeichen heftiger Regenfälle und Hochwasser. Ob in Nowosibirsk oder Tschita
– überall zeigen sich die gleichen Bilder. Besonders kritisch entwickelt
sich die Situation in abgelegeneren Gebieten. So wurde die einzige
befahrbare Straße nach Bodaibo im Irkutsker Gebiet, bekannt für seinen
Goldabbau, geflutet, sodass die Stadt auf dem Landweg nicht mehr erreichbar
war.
## Tote nach Erdrutsch in Dagestan
Im Swerdlowsker Gebiet, wo einer der niederschlagsreichsten Juniwerte seit
Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurde, kam es zu kuriosen und
gleichzeitig erschreckenden Vorkommnissen. Als der Fluß Schajtanka über die
Ufer trat, riss er einen Teil des Fischbestandes mit. Nachdem das Wasser
zurück ins Flussbett abgeflossen war, glitzerte der Waldboden silbern wegen
der vielen dort zurückgebliebenen Fische.
[3][Dagestan im Nordkaukasus traf es bereits im Frühjahr besonders hart.]
Nach rekordverdächtigen Regenfällen Ende März kam es in mehreren Gebieten
der am Kaspischen Meer gelegenen russischen Republik zu Erdrutschen. Ein
Damm brach, in Machatschkala stürzte ein dreistöckiges Wohnhaus ein,
Hunderte Häuser trugen Schäden davon, sieben Menschen starben, darunter
einige Kinder. Schnell wurde der Vorwurf laut, die Behörden hätten versagt,
weil Hilfe erst mit Verspätung geleistet wurde und die Bewohner:innen
der betroffenen Ortschaften zunächst weitgehend sich selbst überlassen
waren.
## Waldbrandgefahr schon im Frühjahr
Dagestan hat es zumindest in die Schlagzeilen geschafft, fast in
Vergessenheit gerät, dass wie jedes Jahr im Land Waldbrände toben.
Gefährliche Brandherde entstanden bereits im Frühjahr vor allem jenseits
des Baikalsees, Waldbrandgefahr wurde im April in Dutzenden Regionen
Russlands ausgerufen. Dass sich in den vergangenen Jahren die Brände nicht
ausweiteten, sondern leicht rückläufig sind, ist nur ein schwacher Trost.
Zwar erhöhte die Regierung Zuschüsse für die Forstwirtschaft aus dem
Staatshaushalt, aber nach wie vor bleibt die Verantwortung für die
Brandbekämpfung bei den finanziell, oft auch personell schlecht
ausgestatteten Regionalbehörden. Übersteigen die Kosten für Löscharbeiten
den wirtschaftlichen Wert entflammter Waldgebiete, lässt man dem Feuer
einfach seinen Lauf.
31 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Vera Bessonova
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