# taz.de -- AfD-Kranz bei NS-Gedenken: Nie wieder heißt auch: nicht jetzt
> Beim Gedenken an das Attentat auf Hitler wollen Tobias Korenke und Gemma
> Pörzgen einen Kranz der AfD entfernen. Sie machen vor, was Widerstand
> heißt.
(IMG) Bild: Alles muss man selber machen: Reste des AfD-Kranzes im Bendlerblock
Es hat lange nichts mehr so große Erleichterung in mir ausgelöst, wie die
Fotos zu sehen, auf denen Tobias Korenke und Gemma Pörzgen versuchen,
diesen unsäglichen AfD-Kranz zu entfernen.
Bei einer Gedenkveranstaltung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus
muss niemand einen solchen Kranz akzeptieren. Eine angemessene Würdigung
und Erinnerung an Menschen, die Widerstand gegen das NS-Regime geleistet
haben, ist nicht möglich, solange ein AfD-Kranz im Bendlerblock ausgestellt
werden darf.
Darüber, dass es nicht Korenke, der Großneffe Bonhoeffers, war, der einen
„Eklat“ ausgelöst hat, sondern, dass der Eklat darin besteht, dass diese
Partei überhaupt einen Kranz dort niederlegen lassen konnte, [1][wurde in
dieser Zeitung schon geschrieben]. Ich kann mich also getrost den
gefühligen Aspekten zuwenden.
## Direkt eingreifen
Wenn Tobias Korenke sagt: „Viele Nachkommen, und dazu gehöre auch ich,
empfinden eine wirklich große Wut, wenn wir sehen, dass die AfD hier Kränze
ablegt. Das werden wir hier nicht akzeptieren.“ Dann spricht er sehr vielen
Menschen aus der Seele. Eine Vereinnahmung des Gedenkens durch die AfD ist
inakzeptabel. Die Wut darüber sollte niemand herunterschlucken müssen.
Schon gar nicht die Nachkommen derjenigen, denen am 20. Juli gedacht wird.
Woher mein Gefühl der Erleichterung kommt? Weil ich nicht mit meinem
Morgenkaffee in der Hand in der Zeitung einen empörten Kommentar oder gar
ein sinnierendes Thinkpiece darüber lesen musste, wie viel Bauchweh es
gemacht hat, dass da die ganze Zeit dieser Kranz lag, und wie schwer es
war, diese Ambivalenz auszuhalten. Stattdessen bekam ich direkt Fotos und
Videos zu sehen, die zeigen, dass es nicht darum geht, irgendetwas
auszuhalten. Sondern darum, direkt einzugreifen!
Beherztes Einschreiten schafft nicht nur Tatsachen im Moment und zeigt
klare politische Haltung, es hat auch eine symbolische Wirkung. Eine
Intervention wie diese schafft Hoffnung. Da ist direkte widerständige
Praxis, die zeigt, dass „Nie wieder“ immer und überall den Auftrag enthält:
nicht jetzt. Nicht hier. Dass es nicht nur darum geht, Zukünftiges zu
verhindern, sondern im Moment einzugreifen und direkt „nein“ zu sagen.
## Alles muss man selber machen
Was ist das ständige Erinnern und Gedenken wert, wenn wir keine
Konsequenzen für die Gegenwart daraus ziehen? Wir alle müssen uns
entscheiden, ob wir a) der Tradition des Schweigens und Wegschauens folgen
möchten oder b) in der Tradition des Eingreifens und Handelns stehen
wollen. Leider ist es doch häufig so, dass sich zu b) bekannt wird, aber
nach a) gehandelt.
Tobias Korenke und Gemma Pörzgen verdienen Respekt, Anerkennung und
Dankbarkeit für ihre Intervention und die Unterbrechung von
Lippenbekenntnissen. Die Stiftung 20. Juli 1944 betont in ihrer
Stellungnahme, dass die wiederholten Vereinnahmungen, insbesondere die
jährliche Kranzniederlegung der AfD im Bendlerblock, viele Angehörige der
Frauen und Männer des Widerstands zutiefst verletzen, und fordert alle
gewählten Parteien und Institutionen dazu auf, den Ort und den Willen der
Angehörigen zu respektieren.
Hier mussten Angehörige selbst für den nötigen Respekt sorgen. Alles muss
man selber machen. Besonders wenn es darum geht, das Gedenken an den
Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor der Vereinnahmung durch die
[2][„Vogelschiss“]-Partei AfD zu schützen.
24 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Dede Ayivi
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