# taz.de -- SDS-Kongress „Take back the Future“: In vorauseilendem Gehorsam
> Die TU Berlin wollte im Juni weit mehr Veranstaltungen des SDS-Kongresses
> absagen, als die AfD bemängelt hatte. Das zeigt eine Recherche von Frag
> den Staat.
(IMG) Bild: Was würde Rudi zur Linie der TU Berlin sagen?
Es war ein Skandal mit bundesweiten Schlagzeilen: Im Juni hatte die TU
Berlin dem Sozialistischen Studierendenverband (SDS) [1][Teile seines „Take
back the future“-Kongresses untersagt], nachdem die AfD mit einer Klage
wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Neutralitätsgebot der
Hochschulen gedroht hatte. Unter anderem hatte die AfD damals lamentiert,
dass sich der Antifa-Kongress auch gegen die AfD richtete. Erst nach großem
[2][Protest von Wissenschaftler:innen, Gewerkschaften und Studis] konnte
der Kongress doch stattfinden – einige Veranstaltungen mit
Linkspartei-Bezug mussten aber außerhalb der Uni abgehalten werden.
Nun hat [3][eine Recherche des Informationsfreiheitsportals Frag Den Staat]
herausgefunden: Die TU Berlin hat der Drohung der AfD nicht nur
nachgegeben, sie ging sogar weit über deren Forderungen hinaus. Das Portal
hat unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz die Herausgabe des
Schriftverkehrs zu dieser Causa erwirkt. Daraus geht hervor: Im
ursprünglichen „Hinweis- und Warnschreiben“ eines AfD-Anwalts hatte die
Partei 7 Veranstaltungen bemängelt. Doch die TU forderte den SDS gleich
auf, 14 Veranstaltungen aus dem Programm zu nehmen – also doppelt so viele.
Als Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit breit kritisiert worden war etwa
die Streichung eines Vortrags des Soziologen Andreas Kemper zum Thema
„Björn Höcke – Enthüllung eines Faschisten“. Jetzt stellt sich heraus: Die
AfD hatte sich an dieser Veranstaltung überhaupt nicht gestört. Andere
Veranstaltungen, die von der AfD nicht bemängelt wurden, die die Uni aber
verhindern wollte, behandelten etwa die „Strategien der Neuen Rechten“.
## Neue Linie der TU
Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Uni nach der Klagedrohung den
Kongress zu prüfen begann. Dabei übernahm sie die AfD-Argumention, nach der
studentische Veranstaltungen gegen eine bestimmte Partei einen Verstoß
gegen das Neutralitätsgebot darstellen. Explizit heißt es in einer Mail der
Uni an die Bildungsverwaltung, man wolle „dem Risiko vorbeugen, dass Dritte
rechtliche Schritte einleiten“. Offenbar fürchtete sich die TU Berlin so
sehr davor, dass die AfD einen Rechtsstreit gewinnen könnte, dass man
gleich im vorauseilenden Gehorsam handelte.
Noch im vergangenen Februar hatte sich die TU Berlin – damals unter der
alten Uni-Leitung von Geraldine Rauch – gegen solche Angriffe gewehrt. Als
die AfD versuchte, eine Mobilisierungsveranstaltung der Studis gegen rechts
für die Proteste gegen den AfD-Parteitag in Gießen absagen zu lassen,
[4][knickte die TU als einzige Berliner Uni nicht ein].
Rückendeckung kam damals von Bildungssenatorin Ina Czyborra (SPD). Diese
stellte klar, dass die Veranstaltung der Studis gegen rechts kein Verstoß
gegen das Neutralitätsgebot darstelle. Unis dürften zwar keine Werbung für
einzelne politische Parteien machen, das heiße aber nicht, dass die
Studierendenschaft in Uniräumen keine Politik machen dürfe. Die neue
TU-Leitung unter Fatma Deniz scheint diese Linie nicht mehr zu verfolgen –
im Gegenteil.
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Antifaschistischer-Kongress-in-Berlin/!6186222
(DIR) [2] /AfD-droht-wieder-mit-Neutralitaetsgebot/!6186434
(DIR) [3] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2026/07/take-back-the-future/
(DIR) [4] /Proteste-gegen-AfD-Jugend/!6129338
## AUTOREN
(DIR) Timm Kühn
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