# taz.de -- Proteste gegen Selenskyj: Es geht um mehr als eine Personalie
> Ein Ziel hat die Protestbewegung in Kyjiw erreicht – der Armeechef
> Syrskyj muss gehen. Der steht aber für etwas Grundsätzlicheres: den
> brutalen Umgang mit Soldaten.
(IMG) Bild: Tausende protestieren in Kyjiw gegen die Absetzung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow und die Militärführung
Nach der Arbeit im Stadtzentrum gegen politische Entscheidungen von
Präsident Wolodymyr Selenskyj demonstrieren, bevor es dann wieder in den
Luftschutzkeller geht und möglicherweise die nächste schlaflose Nacht
bevorsteht: Den Ukrainer*innen ist wahrlich Respekt zu zollen.
Offensichtlich haben diejenigen, die mehrere Tage in Folge gegen die
Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow auf die Straße
gegangen sind, immer noch genug Kraft und Energie, um sich zu weiteren
innenpolitischen Fragen zu positionieren.
Der Widerstand zeigt erste Erfolge: Der Oberbefehlshaber der ukrainischen
Streitkräfte [1][Oleksandr Syrskyj muss gehen], was ebenfalls eine
Forderung der Protestierenden war.
Doch bei den Unmutsbekundungen geht es weniger um diese Personalie an sich
denn um weitaus Grundsätzlicheres. Offensichtlich steht der Name Syrskyj
für einen äußerst brutalen Umgang mit Soldaten. In einer Sturmbrigade
sollen Rekruten gefoltert worden und Dutzende Angehörige dieser Einheit zu
Tode gekommen sein, allerdings nicht bei Kampfhandlungen.
Auch das Vorgehen bei der Rekrutierung wehrpflichtiger Männer ist mehr als
fragwürdig, der Begriff Menschenjagd trifft die Praxis wohl eher. Dass
Kyjiw militärisch unter Druck steht, wer wollte das leugnen. Doch wie groß
dieser auch sein mag: Derartige Methoden haben in der Ukraine, im Gegensatz
zu Russland, ausgedient und das ist gut so.
Derzeit deutet vieles darauf, dass die Proteste weitergehen werden – zum
Leidwesen Selenskyjs. Schließlich harrt die Causa Federow noch einer
Lösung. Und die sieht für die Kundgebungsteilnehmer*innen so aus:
eine Wiedereinsetzung des geschassten Verteidigungsministers – und das
möglichst sofort.
Die ukrainische Zivilgesellschaft erweist sich eben als erstaunlich
resilient. Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das Land dem
Aggressor Russland schon über vier Jahre standhält. Selenskyj sollte seine
Landsleute eigentlich besser kennen. Ob er dieses Mal seine Lektion gelernt
hat, wird sich zeigen.
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nach-tagelangen-Protesten-in-der-Ukraine/!6198073
## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Ukraine-Affäre
(DIR) Wolodymyr Selenskyj
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Russland
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Wolodymyr Selenskyj
(DIR) Podcast „Bundestalk“
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Proteste in der Ukraine: Maidan mit Pappschildern
In der Ukraine demonstrieren seit Tagen Menschen gegen Präsident Selenskyjs
Regierungsumbildung. Die Proteste scheinen sich nun zu verstetigen.
(DIR) Ukrainische Armee mit neuer Spitze: General mit Vertrauensvorschuss
Präsident Selenskyj setzt seine Hoffnungen in den neuen Armeechef Mychajlo
Drapatyj. Allerdings gilt er als Unterstützer des gechassten
Verteidigungsministers.
(DIR) Nach tagelangen Protesten in der Ukraine: Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj
Nach Verteidigungsminister Fedorow entlässt Selenskyj auch den umstrittenen
Olexander Syrskyj. Und hat mit Mychajlo Drapatyj schon einen neuen
Oberbefehlshaber.
(DIR) Korruptionsaffäre in der Ukraine: Selenskyj verhängt Sanktionen gegen Minditsch
Der ukrainische Präsident lässt Vermögen seines Vertrauten Minditsch
einfrieren. Kanzler Merz telefoniert mit Selenskyj über
Korruptionsbekämpfung.
(DIR) Krach zwischen Ukraine und USA: Welche Chancen hat die Ukraine noch?
Die neue Allianz zwischen Trump und Putin sorgt für einen Eklat vor
laufenden Kameras. Die EU will Gelder für die Ukraine bereitstellen. Kann
das den Krieg beenden?