# taz.de -- Rangerin über Arbeit im Naturschutz: „Auch Brutvögel haben bei Hitze zu kämpfen“
       
       > Im größten Nationalpark Deutschlands schützen 17 Ranger*innen Pflanzen
       > und Tiere. Dabei stoßen sie nicht immer auf Unterstützung.
       
 (IMG) Bild: Wattenmeer im Blick: Naturbeobachtung gehört zu den Aufgaben der Ranger
       
       taz: Wie schützt man das Wattenmeer? 
       
       Leonie Dittmann: Wir Ranger*innen sind draußen unterwegs und beobachten
       die Tier- und Pflanzenwelt. Wir achten auch darauf, dass Gesetze und Regeln
       eingehalten werden. Wenn das nicht der Fall ist, sprechen wir die Leute
       darauf an.
       
       taz: Welche Schwierigkeiten begegnen Ihnen dabei? 
       
       Dittmann: Es kann sein, dass Leute nicht verständnisvoll reagieren, wenn
       man sie auf ihre Fehler hinweist. Wir versuchen das immer erst mal mit
       Aufklärung. In den meisten Fällen trifft man auf Zustimmung. Dann gibt es
       natürlich auch Leute, die sich da weigern oder unfreundlich werden.
       
       taz: Was sind typische Probleme? 
       
       Dittmann: Auf dem Wasser kann es sein, dass Schiffe oder Boote zu nah an
       Sandbänke ranfahren, [1][wo sich gerade Seehunde ausruhen.] Das wäre ein
       typischer Fall, dass die Tiere gestört und ins Wasser gescheucht werden.
       Sie brauchen aber Ruhezeiten auf den Sandbänken, um zum Beispiel Vitamin D
       aufzunehmen für den Fellwechsel. Das ist sehr, sehr wichtig.
       
       taz: Und auf dem Land? 
       
       Dittmann: Meistens ist es, dass Gebiete betreten werden, die nicht betreten
       werden dürfen, oder dass wir mit Hundehaltern zu tun haben, die ihren Hund
       nicht anleinen. Das betrifft häufig Brut- oder Rastvögel. In der Brutzeit
       kann es sein, dass die Brutvögel von ihrem Nest aufgescheucht werden und
       wertvolle Zeit verlieren, ihre Küken zu versorgen. Im Winter sind hier
       wahnsinnig große Schwärme an Zugvögeln, die das Wattenmeer nutzen, um
       ordentlich Fett anzureichern, um ihre Reise überstehen zu können. Da ist
       jede Störung ein unnötiger Energieverlust.
       
       taz: Gibt es Situationen, in denen Sie sich mehr Möglichkeiten wünschen? 
       
       Dittmann: Vor allen Dingen geht es da um mehr Respekt. Wir sind momentan 17
       Rangerinnen und Ranger, davon ist ungefähr die Hälfte weiblich. Aber es ist
       so, dass mir als junger Frau manchmal weniger Respekt entgegengebracht wird
       als männlichen Kollegen. Ansonsten ist ein Wunsch, dass sich die
       Schutzgebiete noch ausweiten. Der Nationalpark ist immer noch in einer
       Entwicklung. Ein Nationalpark sollte mindestens 50 Prozent ungenutzte
       Fläche haben. Davon sind wir im Wattenmeer noch weit entfernt. Wobei wir
       viel Meeresfläche haben und da natürlich auch [2][noch andere Sachen eine
       Rolle spielen.]
       
       taz: Wie verändert sich die Natur im Nationalpark durch
       Extremwetterereignisse, wie etwa Hitzeperioden? 
       
       Dittmann: Hitzeperioden zu überstehen, ist für viele Organismen schwierig –
       etwa für die Tiere im Wattenmeer, wie Würmer, Muscheln und Schnecken, weil
       sich das Wattenmeer in den flachen Bereichen schneller erwärmt. Gerade wenn
       das Watt frei liegt, erwärmt sich die Oberfläche schneller. Auch die
       Brutvögel haben bei Hitze zu kämpfen, die Eier und Küken vor der Hitze zu
       schützen. Es gibt in den letzten Jahren auch mehr Sturmfluten, die in der
       Sommersaison stattfinden, als früher. Dann werden eben viele Brutgebiete
       überspült und das führt dann eben auch zu großen Verlusten.
       
       taz: Was macht Ihnen Sorgen bei Ihrer Tätigkeit als Rangerin? 
       
       Dittmann: Bei vielen Vogelarten sind die Bestände momentan eher rückläufig.
       Prädation ist auch ein großes Thema. Das Problem mit eingewanderten Arten
       wie Marderhund und Waschbär, die viele Küken, Eier und Jungvögel fressen,
       ist hier auf der Insel aber noch nicht so groß wie auf dem Festland.
       
       taz: Was noch? 
       
       Dittmann: Insgesamt auch die Entwicklung in der Gesellschaft. Hier auf der
       Insel haben wir viel Tourismus. Man denkt immer, die Leute kommen hierher,
       weil es ein Nationalpark ist und sie die Natur genießen wollen, aber sie
       verhalten sich dann nicht unbedingt so. Man merkt, dass es da zum Teil
       weniger Verständnis und Umsicht gibt.
       
       27 Jul 2026
       
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