# taz.de -- 3,1 Prozent mehr Stundenlohn: Amazon zahlt Mitarbeitern mehr Geld
       
       > Der Online-Händler erhöht in Deutschland die Löhne. Doch Gewerkschafter
       > fordern einen weitreichenderen Schritt sowie ein Verbot von
       > Subunternehmern.
       
 (IMG) Bild: Immer wieder versucht Verdi, die Amazon-Logistikzentren für bessere Löhne zu bestreiken, so wie 2023 in Dortmund
       
       dpa | Der Online-Händler Amazon stockt das Gehalt seiner
       Logistik-Mitarbeiter in Deutschland etwas auf. Wie die Firma in München
       mitteilte, bekommen die Beschäftigten ab September nach zwei Jahren
       Betriebszugehörigkeit einen Stundenlohn von 18,87 Euro und damit 3,1
       Prozent mehr als zuvor.
       
       Amazon hat [1][keinen Tarifvertrag mit einer Gewerkschaft] abgeschlossen,
       vielmehr [2][legt die Firma die Entgelte selbst fest]. Das kritisiert Verdi
       seit langem scharf. Immer wieder ruft die Gewerkschaft zu Warnstreiks bei
       Amazon auf, deren Wirkung sich aber in Grenzen hält. Der Online-Händler
       argumentiert, dass er auch ohne Tarifvertrag „ein fairer und
       verantwortungsvoller Arbeitgeber“ sei. Die Löhne seien seit 2014 jedes Jahr
       angehoben worden.
       
       Der von Amazon genannte neue Stundenlohn ist der „Netzwerkdurchschnitt“ –
       an manchen Standorten wie etwa im Münchner Umland liegt er darüber, an
       anderen darunter, etwa in Ostdeutschland. Er beträgt ab September
       mindestens 18 Euro und damit gut vier Euro mehr als der Mindestlohn (13,90
       Euro).
       
       ## Zehntausende Beschäftigte in Logistik-Standorten
       
       Es geht um ungelernte Kräfte an den mehr als 100 Logistik-Standorten in
       Deutschland, also etwa um Mitarbeiter, die Ware aus Regalen holen und in
       Pakete verpacken. Die Wochenarbeitszeit liegt bei 35 bis 40 Stunden.
       Fachkräfte und Menschen in Leitungsfunktionen verdienen mehr. Nicht
       inbegriffen in die Lohnerhöhung sind die Amazon-Paketboten. Die sind für
       Subunternehmer tätig, die Aufträge von Amazon bekommen – die
       Paketzustellung ist also ausgelagert.
       
       Auch diese [3][Subunternehmer sind ein rotes Tuch für Verdi], die
       Gewerkschaft fordert ein Verbot des Subunternehmer-Einsatzes in der
       Paketbranche, weil die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmern häufig
       schlecht seien. Die Paketboten sollten stattdessen direkt angestellt sein
       bei den Logistikkonzernen.
       
       Wer als Mitarbeiter bei einem Amazon-Standort neu anfängt, bekommt den
       Angaben zufolge ab September einen Stundenlohn von 16,66 Euro und damit 4,1
       Prozent mehr – auch dies im Netzwerkdurchschnitt. Mit dem proportional
       stärkeren Aufschlag für neue Kräfte möchte Amazon bessere Karten haben am
       Arbeitsmarkt, die Firma stockt personell auf und sucht neue Leute. Man
       investiere „in wettbewerbsfähige Vergütung und langfristige
       Karrieremöglichkeiten“, sagt Amazon-Deutschlandchef Rocco Bräuniger. Amazon
       hat in Deutschland mehr als 40.000 Beschäftigte, Tendenz steigend.
       
       ## Kritik von Verdi
       
       „Trotz der Lohnerhöhungen bleibt es dabei: Die Beschäftigten fordern
       rechtsverbindliche Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels und
       Verhandlungen auf Augenhöhe“, sagt Verdi-Bundesvorstandsmitglied Silke
       Zimmer. Verdient man bei Amazon nun relativ viel oder relativ wenig? Amazon
       nennt bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit ein Jahreskommen von rund 41.600
       Euro, wenn man schon mindestens zwei Jahre bei dem Logistiker arbeitet.
       Hierbei inklusive sind feste Jahresboni von insgesamt 2.400 Euro.
       
       Nach einer Vergleichszahl gefragt, heißt es von Verdi, dass die
       Tarifstruktur im Handel mit 36 Tarifgebieten und entsprechend vielen
       Tarifverträgen kompliziert sei. Beispielhaft wird das Jahresentgelt einer
       Spätschicht mit dem Tarifvertrag Einzel- und Versandhandel in NRW mit rund
       42.200 Euro angegeben. Das sei mehr, als ein Beschäftigter bei Amazon
       bekomme. Unklar ist aber, ob die beiden Jahresentgelte vergleichbar sind.
       Das von Verdi genannte beispielhafte Entgelt bezieht sich auf einen alten
       Tarifvertrag von 2024, ein neuer ist in der Mache.
       
       ## Amazon wächst und wächst
       
       Amazon ist auf Wachstumskurs. Die Menschen bestellen immer mehr Ware im
       Internet, von diesem geänderten Konsumverhalten profitiert auch der
       US-Handelsriese. Die Firma hat 23 Logistikzentren, 9 Sortierzentren und
       mehr als 70 Verteilzentren in Deutschland. Ende dieses Jahres soll in
       Zweibrücken (Saarland) ein neues Logistikzentrum eröffnet werden, das rund
       1.000 Arbeitsplätze hat.
       
       In Könnern (Sachsen-Anhalt) entsteht ein weiteres Logistikzentrum mit
       ebenfalls rund 1.000 Jobs, dieser Standort könnte Ende 2027 oder Anfang
       2028 in Betrieb gehen. Außerdem plant das Unternehmen noch weitere
       Standorte in anderen Teilen Deutschlands. Das Ziel ist es, dass die
       gelagerte Ware möglichst nah beim Kunden und dadurch möglichst schnell bei
       ihm ist.
       
       20 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Verdi-Streik-gegen-Amazon/!6059149
 (DIR) [2] /Einstiegslohn-steigt-auf-15-Euro/!6027307
 (DIR) [3] /Studie-zu-Paketlieferanten/!6019944
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Amazon
 (DIR) Verdi
 (DIR) Jeff Bezos
 (DIR) Tarifvertrag
 (DIR) Gewerkschaft
 (DIR) Versandhandel
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Digital Markets Act
 (DIR) Elon Musk
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ladenöffnungszeiten: Sollten Läden auch am Sonntag geöffnet sein?
       
       Das Land ist mal wieder gespalten. Diesmal geht es um die Öffnungszeiten
       von Geschäften am Sonntag. Ein Pro & Contra.
       
 (DIR) Amazon und Microsoft: EU erwägt strengere Regeln für Cloud-Dienste
       
       Die EU erwägt strengere Regeln für die Cloud-Dienste von Amazon und
       Microsoft. Damit will sie die Marktmacht großer Digitalkonzerne
       einschränken.
       
 (DIR) Widerstand gegen Tech-Konzerne: Big Tech den Stecker ziehen
       
       Wie lässt sich die Macht von Google, Amazon und Co. bremsen? Die
       Bewegungskonferenz „Cables of Resistance“ erkundet Möglichkeiten des
       Widerstands.