# taz.de -- Brandkatastrophe in Norwegen: „Was wir erlebt haben, ist vollkommen surreal“
       
       > Am Freitag verlieren Hunderte ihr Zuhause durch Norwegens schlimmsten
       > Brand der Neuzeit. Warum sich das Feuer so verheerend ausbreiten konnte.
       
 (IMG) Bild: Mindestens 100 Häuser zerstört: Am Freitag verlieren Hunderte ihr Zuhause durch Norwegens schlimmsten Brand der Neuzeit
       
       Am Tag danach piept es aus Brandruinen in Krokstadelva: Rauchmelder, deren
       Warnsignal niemand mehr braucht. Reporter der Zeitung Dagbladet beschreiben
       eine apokalyptische Szenerie, man würde so etwas vielleicht im fernen Los
       Angeles vermuten. Aber es ist tatsächlich in Norwegen passiert: Wo gestern
       noch Hunderte Menschen lebten, ist heute alles verkohlt. Mindestens 100
       Häuser und Wohnungen wurden am Freitag bei dem Feuer in der ostnorwegischen
       Kommune Drammen vollkommen zerstört.
       
       Angefangen hatte es mit einem Brand in einem der Reihenhäuser der am Hang
       gelegenen Siedlung – Holzhäuser, wie in Norwegen üblich. Binnen kürzester
       Zeit sprangen die Flammen auf Nachbargebäude über und breiteten sich von da
       aus immer weiter aus, schließlich auch in den nahegelegenen Wald.
       
       „Ich habe alles verloren“, sagte Anwohner Andreas Krog Halvorsen gegenüber
       Dagbladet. 15 Jahre habe er in seinem Haus gelebt. Am Freitag musste er
       zusehen, wie das Feuer, angefangen auf der gegenüberliegenden Straßenseite,
       irgendwann seine Hecke und Veranda erreichte. Er habe Glas zerspringen
       gehört und noch beobachtet, wie Teile seines Hauses in Flammen aufgingen.
       „Ganz ehrlich, dann wollte ich nicht noch mehr sehen.“
       
       ## Kein Feuer in Friedenszeiten war so zerstörerisch
       
       So wie er verloren mehrere Hundert Menschen über Nacht ihr Zuhause. Für
       eine vergleichbare Katastrophe – gerechnet in plötzlich Obdachlosen – müsse
       man wohl mehrere Hundert Jahre in der norwegischen Geschichte zurückgehen,
       sagte ein Brandforscher dem Sender NRK.
       
       Er erklärte, was bei dieser Katastrophe zusammenkam: Nach mehreren warmen
       Tagen hätten trockene Verhältnisse geherrscht. Die Kombination aus sehr
       trockenen Holzhäusern in steilem Terrain und Wind aus südlicher Richtung
       habe dann zur schnellen Ausbreitung des Brandes geführt.
       
       Die Zivilschutzbehörde DSB sprach in einer Pressemitteilung vom größten
       Brand der modernen Zeit in Norwegen. Zum Glück gebe es bislang keine
       Meldungen über Schwerverletzte oder Todesopfer, sagte Direktor Lars Jacob
       Hiim. Dagblatet zitierte den Historiker Gaute Losnegård, demzufolge seit
       1923 in Norwegen kein Feuer in Friedenszeiten so zerstörerisch gewesen war
       wie dieses.
       
       „Was wir erlebt haben, ist vollkommen surreal“, sagte Drammens
       Bürgermeister Kjell Arne Hermansen NRK am Samstag. Mehr als 400 Menschen
       seien aus der Gefahrenzone gebracht worden – darunter solche, deren Häuser
       am Ende noch standen. Die ersten Evakuierungsanordnungen wurden am
       Samstagmittag aufgehoben. Die Kommune hatte ein Krisenzentrum eingerichtet
       und Unterkünfte für Betroffene organisiert, die nicht bei Familie oder
       Freunden unterkamen. Laut dem örtlichen Roten Kreuz brauchten mehrere
       Familien mit Kindern psychosoziale Unterstützung.
       
       „Sein Zuhause zu verlieren, seine Erinnerungen und das Gefühl von
       Sicherheit, gehört zu dem Schwersten, was ein Mensch erleben kann“, sagte
       Norwegens Bereitschaftsministerin Astri Aas-Hansen der Nachrichtenagentur
       NTB.
       
       ## Debatten, die noch geführt werden müssen
       
       Erleichterung darüber, dass keine Menschen ernsthaft zu Schaden kamen,
       mischte sich bald mit Geschichten über die große Sorge vieler Betroffener
       um ihre Haustiere – über nächtliche Suchaktionen, über wiedergefundene oder
       weiterhin vermisste Katzen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung vor Ort
       und der gezeigte Zusammenhalt: Norwegen tröstete sich selbst mit der
       Beobachtung, wie gut man mit einer Katastrophe umgeht.
       
       Ob und wie diese zu verhindern gewesen wäre, ob sich so etwas wiederholen
       könnte, je normaler Hitzeperioden auch in Norwegen werden – darüber wird
       vermutlich [1][noch debattiert werden], wenn die Lage sich beruhigt hat.
       
       Auch am Samstag war das Feuer zunächst noch nicht vollständig unter
       Kontrolle, man habe aber inzwischen einen guten Überblick, sagte der
       Einsatzleiter vor Ort laut NRK. Die Gefahr einer weiteren Ausbreitung war
       gesunken. Um den entstandenen [2][Waldbrand] müsse man sich als Nächstes
       kümmern. Zur Hilfe dürfte den Einsatzkräften nun der Regen kommen, der für
       Samstag vorhergesagt war.
       
       18 Jul 2026
       
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 (DIR) Anne Diekhoff
       
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