# taz.de -- Wagenplatz „Gut Wienebüttel“ zieht um: Lüneburg ist wagenfreundlich
       
       > Ein Lüneburger Wagenplatz soll in ein für den Naturschutz bedeutsames
       > Gebiet umziehen. Der Plan ist weit fortgeschritten. Aber es gibt
       > Bedenken.
       
 (IMG) Bild: Wohnen jenseits der Norm: Bauwagen in Lüneburg
       
       Wagenplätze haben es oft schwer. Konservatives Klischeedenken verweigert
       ihnen die Akzeptanz. Kommunen errichten rechtliche Hürden. Neubau- und
       Gewerbegebiete machen ihnen Konkurrenz. Oft endet das in Umzügen, in
       Räumungen.
       
       Aber es gibt auch Wagenplätze, bei denen [1][läuft es gut. Einer davon ist
       der Wagenplatz Gut Wienebüttel in Lüneburg,] über 30 Jahre alt. Dass er in
       Kürze umziehen muss, sieht er gelassen.
       
       „Wir werden verrückt“, scherzt der Betreiberverein „Unverrückbar“ darüber
       auf einem Flyer zur Einwerbung von Geld für die Erschließungskosten. Vom
       Gut Wienebüttel, wo sich ein Pflege- und Therapiezentrum erweitert, soll es
       zum Brockwinkler Weg gehen, auf einen stadteigenen Acker, auf dem derzeit
       Klee wächst. Jetzt steige so langsam die Vorfreude, teilt Unverrückbar mit.
       
       Das ist verständlich: Auf Gut Wienebüttel war der Platz illegal, nur
       geduldet. Am neuen Standort gäbe es einem Pachtvertrag.
       
       ## Zustimmung wahrscheinlich
       
       Bisher lief alles geräuschlos, auch in den Fachausschüssen, vom
       Flächennutzungs- bis zum Bebauungsplan. Knapp 13.000 Quadratmeter sollen
       für rund 20 Stellplätze zur Verfügung stehen. Jetzt fehlt nur noch der
       Beschluss durch den Stadtrat. Eine interfraktionelle Mehrheit gilt als
       wahrscheinlich.
       
       Bauwagen und [2][Tiny Houses] sollen den neuen Standort bilden. Der alte
       sei „aus naturschutz- und baurechtlichen Gründen nicht geeignet“, heißt es
       im Beschlussvorschlag des Lüneburger Ausschusses für Bauen und
       Stadtentwicklung vom Ende September 2025.
       
       Die Stadt habe sich bemüht, „mit den Bauwagenbewohner:innen einen
       Alternativstandort zu finden“, schreibt Ann-Kristin Jenckel der taz,
       Sprecherin der Stadt Lüneburg, „um ein Weiterbestehen zu ermöglichen“. Dies
       sei „auch Ausdruck der Grundhaltung der Stadt gegenüber dem Wagenplatz
       Wienebüttel“.
       
       Aber es gibt auch Bedenken – etwa beim Regionalverband Elbe-Heide des BUND.
       Mitte Juni hat er der Stadt aufgelistet, warum er Bebauungsplan 197
       „Wagenplatz Brockwinkler Weg“ und die dazu notwendige 94. Änderung des
       Flächennutzungsplans ablehnt.
       
       Im Kern geht es um den Schutz des durch den Wagenplatz berührten
       „Grüngürtels West“, wichtig für Stadtklima, Artenschutz und Naherholung.
       
       Luftleitbahnen der Frischluftzufuhr würden nicht beachtet. Aus hygienischen
       und umwelttechnischen Gründen sei es inakzeptabel, dass keine festen
       Leitungen installiert werden sollen, abgesehen vom Sanitär- und
       Küchenblock. Auch lehne man das Heizen mit Holz ab. Im angrenzenden
       Neubaugebiet sei das verboten, zur Reduzierung von Luftverunreinigungen. Es
       sei „nicht nachvollziehbar, warum dieses Verbot nicht auch in einer
       Bauwagensiedlung in direkter Nähe gelten soll“.
       
       Der BUND fordert die Stadt zudem auf, festzustellen, wie viele Menschen im
       Wagenplatz längerfristig ihren Hauptwohnort haben und wie viele von ihnen
       bedürftig sind: Die Befürchtung des BUND: Sind Interessenten für einen
       Bauwagenplatz möglicherweise „Menschen, die ein Wochenendhaus im Grünen
       planen“?
       
       Der BUND ist nicht generell gegen den Wagenplatz. Aber er verlangt von der
       Stadt, „Alternativen zu benennen und zu erörtern, inwieweit die
       Inanspruchnahme von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen unvermeidlich
       ist“.
       
       Die Bürgerinitiative Grüngürtel West Lüneburg sieht das genauso. „Die
       Planung ist angesichts höherwertiger Ziele mit Allgemeinwohlcharakter wie
       Naherholung, Landschaftserleben und Erhalt der historischen
       Kulturlandschaft abzulehnen“, schreibt sie Mitte Juni in einer
       Stellungnahme an die Stadt. Ihre Argumente reichen von der Lichtemission
       bis zum Fledermausschutz.
       
       ## Bürger-Ini sieht keinen Zeitdruck
       
       Die Initiative weist darauf hin, dass der Grüngürtel ja laut einem
       Ratsbeschluss von 2014 und dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek)
       von Bebauung freigehalten werden solle. Bauwagen würden „einer weiteren
       Zersiedelung Vorschub leisten“.
       
       Bei der Bauwagensiedlung bei Gut Wienebüttel gebe es keine Belege für
       schwerwiegende Umweltverstöße. Es gebe keinen Zeitdruck. „Eine
       Eilbedürftigkeit, die es scheinbar verhindert, dass nach einem wirklich
       geeigneten, also deutlich weniger gemeinwohlschädlichen Standort gesucht
       werden kann, besteht nicht“, findet die Initiative.
       
       Eine dieser Alternativen ist für die Bürgerinitiative die Erweiterung von
       Lüneburgs zweitem Wagenplatz Fango, 2010 gegründet, 25 Wagen und 30
       BewohnerInnen groß, fast in Sichtweite der Wienebütteler Wagen. Sein
       Vorteil: Er ist bereits legal.
       
       Wie das [3][Verrückt-Werden des Platzes Wienebüttel] ausgeht, ist also
       offen. [4][Die Wienebütteler], von der taz um Kommentierung ihrer Lage
       gebeten, ziehen es vor, den Ratsbeschluss abzuwarten.
       
       Berichtigung: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Wagenplatz
       ziehe in ein Naturschutzgebiet um. Das ist falsch: Der Umzug erfolgt
       lediglich in ein für den Naturschutz bedeutsames Gebiet. Wir haben den
       Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.
       
       4 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bauwagen-im-Winter/!5072352
 (DIR) [2] /Van-Bo-Le-Mentzel-ueber-soziale-Teilhabe/!6079353
 (DIR) [3] /Lueneburg-will-Bauwagenplatz-raeumen/!5646134
 (DIR) [4] https://unverrueckbar.noblogs.org/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Harff-Peter Schönherr
       
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