# taz.de -- Kritik an dänischer Werft: Noch eben die russische Gas-Flotte frisch machen?
       
       > Die Fayard-Werft in Odense wartet russische LNG-Tanker – und erntet dafür
       > Kritik. Ab 2027 ist das Geschäft durch EU-Sanktionsregeln verboten.
       
 (IMG) Bild: Der russische LNG-Tanker „K.Jasmine“
       
       Die Fayard-Werft im dänischen Odense tut nichts Verbotenes – Verwerfliches
       aber doch, mahnen mehr als 100 europäische Politiker in einem offenen Brief
       an das Unternehmen an, das einer der reichsten Familien Dänemarks gehört.
       Die Werft ist die einzige in Europa, die Wartungsaufträge an russischen
       [1][LNG]-Tankern des Typs Arc7 ausführen kann und das auch noch tut. Ab
       2027 wird dieses Geschäft [2][durch die beschlossene EU-Sanktione]n auch in
       Dänemark enden.
       
       Dass die Werft offenbar bis kurz vor knapp noch Aufträge abarbeitet, steht
       jetzt im Fokus der Kritik. Legal sei es vielleicht, aber strategisch
       falsch, heißt es in dem Brief. Fayard helfe damit, die hochmodernen
       eisbrechenden Tanker auf Jahre hinaus am Laufen zu halten, „genau in dem
       Moment, in dem die EU Schritte unternimmt, um Russlands LNG-Geschäft zu
       beschränken“. Die Wirkung des kommenden EU-Embargos könne dadurch
       geschwächt werden.
       
       Fayard steht wegen der Arbeit an den Schiffen seit Jahren in der Kritik.
       Investigative Medien wie Danwatch hatten bekannt gemacht, wo „Putins
       moderne Gasflotte“ instand gehalten wird. Ohne diese Schiffe würden
       Russlands lukrative arktische LNG-Transporte aus dem Jamal-Terminal in
       Sibirien nicht funktionieren.
       
       Ministerpräsidentin [3][Mette Frederiksen] (Sozialdemokraten) nannte es
       Anfang 2025 „unbegreiflich“, dass eine dänische Werft dadurch zu Russlands
       Krieg in Europa beitrage.
       
       ## Werft in Frankreich hat das Geschäft abgelehnt
       
       Die andere europäische Werft, die die unter der Flagge anderer Länder
       fahrenden Schiffe wartete, lag im französischen Brest. Der niederländische
       Eigentümer Damen machte damit im Spätsommer 2024 Schluss – unter Hinweis
       auf die niederländische Außenpolitik, die von der Unterstützung russischer
       LNG-Transporte abriet.
       
       Fayard in Dänemark berief sich von Beginn an darauf, dass es nichts
       Illegales täte. Die LNG-Transporte seien bis Ende des Jahres auch für
       Europas Energieversorgung wichtig, meinte das Unternehmen zudem laut
       Financial Times. Tatsächlich soll mit russischem LNG in der EU erst ab 2027
       Schluss sein.
       
       Auslöser für den aktuellen paneuropäischen Appell – der offene Brief ist
       von 101 Mitgliedern des EU-Parlaments und mehrerer nationaler Parlamente
       unterschrieben – war die Ankunft eines weiteren russischen LNG-Tankers, der
       „Rudolf Samoylovich“, in Odense Ende Juni.
       
       Laut der deutschen Menschenrechts- und Umweltschutzorganisation Urgewald
       ist es das erste von bis zu sechs Schiffen der Arc7-Reihe, die diesen
       Sommer potenziell eine Wartung benötigen und sie in Dänemark bekommen
       könnten, bevor die neuen EU-Sanktionen in Kraft treten.
       
       Der Sanktionspolitik-Berater des ukrainischen Präsidenten, Wladyslaw
       Wlasiuk, sagte, jeder in Europa reparierte Tanker bringe dem Kreml
       Millionen zusätzlicher Dollar ein, die er in Waffen umsetzen kann.
       
       Der dänische Grünen-Europaparlamentarier Villy Søvndal, Initiator des
       offenen Briefes, betonte die zentrale Rolle der Arc7-Flotte für die
       russische LNG-Lieferkette. „Fayard sollte Russland nicht in die Hände
       spielen“, forderte er.
       
       „Dänemark hat an Kyjiws Seite gestanden, wenn es drauf ankam“, betonte
       demnach der lettische EU-Parlamentarier Rihards Kols aus der Fraktion der
       Europäischen Konservativen und Reformer. „Eine einzelne Werft sollte diese
       stolze Bilanz und den Ruf nicht für einen Wartungsvertrag unterminieren
       dürfen.“
       
       Fayard selbst bestreitet laut einem Bericht der Wirtschaftswoche, dass die
       Wartung der arktistauglichen LNG-Tanker für die Werft wirtschaftlich
       entscheidend sei. Es seien nur 5 von 120 dort im vergangenen Jahr
       gewarteten Schiffe gewesen. Insgesamt werden 16 LNG-Tanker zu der Reihe
       gezählt.
       
       18 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /LNG/!t5582693
 (DIR) [2] /EU-Sanktionen-gegen-Russland/!6195949
 (DIR) [3] /Mette-Frederiksen/!t5600783
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anne Diekhoff
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) EU-Sanktionen
 (DIR) LNG
 (DIR) Russland
 (DIR) Sabotage
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
 (DIR) Podcast „Freie Rede“
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sprengungen an Nord-Stream-Pipelines: Zweiter Verdächtiger gefasst
       
       In Kroatien wurde ein Ukrainer wegen der Sprengungen an
       Nord-Stream-Pipelines festgenommen. Er geht den Ermittlern nicht das erste
       Mal ins Netz.
       
 (DIR) +++ Nachrichten im Ukrainekrieg +++: Massiver russischer Raketenangriff auf Kyjiw
       
       Russland greift die ukrainische Hauptstadt erneut mit ballistischen Raketen
       an. Selenskyj verspricht Entscheidung über Armeeführung.
       
 (DIR) EU-Sanktionen gegen Russland: Streit über russisches Rohöl und deutsche Fischstäbchen
       
       Das 21. Sanktionspaket der EU hat eine politische Krise in Brüssel
       ausgelöst. Sie muss schnell gelöst werden, denn am 15. Juli läuft eine
       wichtige Frist ab.
       
 (DIR) Unser Fenster nach Kirgistan: Das Land im Schatten Russlands
       
       Die EU verschärft Sanktionen gegen Kirgistan. Welche Folgen hat das für
       Wirtschaft, Politik und das Land? Darüber spricht die Journalistin
       Niyazova.
       
 (DIR) Irisches Aluminium für Russland: „Das könnte die Ziele der Nato untergraben“
       
       Russland ist der größte Absatzmarkt für irisches Aluminiumoxid, das für die
       Waffenherstellung benötigt wird. Trotzdem unterläuft Irland damit keine
       EU-Sanktionen.