# taz.de -- Hitze in Deutschland: Mehr Tote als im Straßenverkehr
> Mit 6.830 Sterbefällen erreicht dieses Jahr schon jetzt einen traurigen
> Rekord. Doch es gibt noch eine zweite Zahl, die uns alarmieren müsste.
(IMG) Bild: Hilft bei einer Hitzewelle kurzfristig: Bewohner:innen eines Seniorenheims in Witten mit Kühlung im Sommer 2026
Entscheidend ist die durchschnittliche Temperatur innerhalb einer Woche:
Liegen die Nacht- und Tagwerte gemittelt sieben Tage lang über 20 Grad
Celsius, ermittelt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Zahl der Hitzetoten.
In solchen Wochen verzeichne man bei den Sterbefällen „deutlich höhere
Werte im Vergleich zu kühleren Sommerwochen“, schreibt die biomedizinische
Leitforschungseinrichtung der Bundesregierung in ihrem aktuellen
„[1][Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität]“. Demnach sind dieses
Jahr bislang 6.830 Menschen an Hitze gestorben.
Zumindest mit 90-prozentiger Sicherheit: Die Toten können nämlich nicht
gezählt werden. „Auf dem Totenschein steht Hitze normalerweise nicht als
Ursache“, erklärt Henny Annette Grewe vom [2][Public Health Zentrum Fulda].
Normalerweise stünden Ursachen wie Herzstillstand oder Lungenversagen auf
den Totenscheinen, obwohl diese direkt auf Überhitzung zurückzuführen
seien. „Eine Ausnahme ist der ‚Hitzeschlag‘, also das Zusammenbrechen des
Kreislaufes mit Organversagen – was an heißen Tagen etwa auf Baustellen
immer wieder vorkommt“, erklärt die Professorin, die seit vielen Jahren zum
Einfluss des Klimawandels auf unser Gesundheitssystem forscht.
Um die Zahl der Hitzetoten herauszubekommen, wird ein statistisches
Verfahren angewandt. Während es Erfahrungswerte gebe, wie viele Menschen in
einem Bundesland oder einer Stadt pro Tag üblicherweise sterben, komme es
bei Hitzewellen zu Übersterblichkeit. „Mehr Menschen verlieren ihr Leben
als ‚normal‘. Das sind dann – mit etlichen Kontroll- und Sicherungsfaktoren
überprüft – die hitzebedingten Todesfälle“, so Grewe.
## So viele Tote zuletzt bei Corona
Das RKI spricht in seinen Wochenberichten von „Schätzungen“: Demnach hatte
es in diesem Jahr bis zur großen Hitzewelle Ende Juni 810 Hitzetote
gegeben. Als die Temperaturen dann auf neue Höchstwerte kletterten – 41,7
Grad gemessen in Ostbrandenburg – stieg die Zahl der Hitzetoten auf 4.310
Menschen binnen einer Woche: Zuletzt gab es solche Dimensionen während der
Hochphase der Coronapandemie im Winter 2020. Und weil es vor allem im Süden
Deutschlands auch jetzt noch überdurchschnittlich warm ist, gab es bis in
die Kalenderwoche 27 nun 6.830 Hitzeopfer.
Damit steuert der Sommer 2026 auf einen neuen Rekord zu: Im Dürresommer
2018 hatte das Robert-Koch-Institut 8.500 Hitzetote registriert, im Jahr
darauf wurden 7.000. In den letzten drei Jahren starben laut RKI jeweils um
die 3.000 Menschen an hohen Temperaturen. Das Alarmierende daran: Selbst
das waren mehr als im Straßenverkehr in Deutschland ums Leben kamen.
16 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html?nn=16776990
(DIR) [2] https://www.hs-fulda.de/forschung/forschungseinrichtungen/public-health-zentrum-fulda
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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