# taz.de -- Urteil nach Brand in Textilfabrik: Todesstrafen aufgehoben
> Die schon verurteilten Attentäter waren nicht schuld am Brand der
> Kik-Fabrik in Pakistan. Aber die Firma will auch nicht verantwortlich
> sein.
(IMG) Bild: Hier hatte Kik produzieren lassen: die ausgebrannte Fabrik im pakistanischen Karachi im September 2012
259 Arbeiter:innen starben beim [1][Brand der Textilfabrik Ali]
Enterprises in Pakistan. Die Ursache der Katastrophe im Jahr 2012 seien
Brandstiftung und Erpressung gewesen, nicht mangelnder Brandschutz und
eigene Sorglosigkeit, erklärte der deutsche Textildiscounter Kik danach –
die Firma ließ dort produzieren. Nun hat der Oberste Gerichtshof Pakistans
dieser Argumentation eine Grundlage entzogen. Zwei Angeklagte, die
[2][wegen des vermeintlichen Terroranschlags schon zum Tode verurteilt
waren], wurden freigesprochen, berichtete die pakistanische Zeitung Dawn.
Die langwierige juristische Aufarbeitung hat damit wieder einmal eine
überraschende Wendung genommen. Konsequenzen für Kik hat das neue Urteil
aber wohl nicht.
Wegen des Brandes hatten Angehörige von Opfern und Hinterbliebene Kik vor
dem Landgericht Dortmund auf Schmerzensgeld verklagt, was die Richter aber
2019 zurückwiesen. Die Ansprüche seien nach pakistanischem Recht verjährt.
Daran ändere sich nach dem neuen Urteil auch nichts, weil es bei der
damaligen Entscheidung nicht um die Ursache des Brandes gegangen sei,
sondern eben um die Frage der Verjährung, erklärt Anwalt Remo Klinger.
Zusammen mit der Juristen-Organisation ECCHR vertrat Klinger die Kläger und
Klägerinnen damals vor Gericht. Diese argumentierten, Fenster der Fabrik
seien vergittert und Fluchttüren verschlossen gewesen, und machten Kik als
Auftraggeber mitverantwortlich. Das deutsche Unternehmen habe seinen
Lieferanten nicht ausreichend kontrolliert.
## Kik erkennt keine neue Lage
So sieht sich ECCHR-Juristin Miriam Saage-Maaß durch den neuen Spruch des
Obersten Gerichtshofs nun immerhin in der Sache bestätigt: „Die mangelnde
Feuersicherheit und die unzureichende Vorsorge auch durch Kik haben die
Katastrophe wohl mitverursacht.“
Das Textilunternehmen bleibt aber bei seiner Haltung: Die Ursache des
Fabrikbrands sei auch nicht Gegenstand des neuen Prozesses gewesen. „Damit
wirft das Urteil nach unserem Dafürhalten kein neues Licht auf den
Sachverhalt.“ Man weise „nochmals ausdrücklich darauf hin, dass Kik das
betreffende Fabrikunglück nicht verursacht hat und für die betrieblichen
Abläufe in der Fabrik nicht verantwortlich war“. Zudem habe die Firma
„freiwillig über sechs Millionen US-Dollar an Entschädigungen an die Opfer
und Hinterbliebenen gezahlt“.
Nach 2012 unternahm Kik einiges, um die Sicherheit und Arbeitsverhältnisse
bei seinen Zulieferern in Bangladesch und Pakistan zu verbessern. Das
Unternehmen trat internationalen Abkommen bei, und der damalige Chef,
Patrick Zahn, reiste in die Lieferländer, um sich persönlich vom
Fortschritt in den Fabriken zu überzeugen. In den vergangenen Jahren machte
sich Kik für Verträge zwischen Gewerkschaften und Zulieferfirmen in
Pakistan stark, allerdings mit wechselndem Erfolg.
16 Jul 2026
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(DIR) Hannes Koch
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