# taz.de -- Queere Jugendliche in Schleswig-Holstein: Ministerin besteht auf „Deadnames“
       
       > In Schleswig-Holstein werden Zeugnisse auf die Namen ausgestellt, die
       > queere Jugendliche abgelegt haben. Bundesweit machen zahlreiche Behörden
       > es anders.
       
 (IMG) Bild: Wechsel des Namens für trans Jugendliche ist ein wichtiger Schritt: Bildungsministerium in Schleswig-Holstein sitzt das aus
       
       Eigentlich feiert Schleswig-Holsteins Regierung gerne die Vielfalt.
       Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender Daniel Günther hat – als
       bundesweit erster Regierungschef – die Schirmherrschaft für alle
       Christopher Street Days (CSD) im Land übernommen. Doch im Alltag bestehen
       Hürden für die Gleichstellung nonbinärer oder queerer Personen weiter. So
       werden Schulzeugnisse auf die Namen ausgestellt, die im Pass stehen, auch
       wenn genderqueere Kinder und Jugendliche sie abgelegt haben.
       
       Dabei ist der Wechsel des Namens für viele trans Jugendliche ein wichtiger
       Schritt. „Wenn die Schule diesen Namen ignoriert, entsteht jeden einzelnen
       Tag eine kleine Verletzung“, sagte Sophie Schiebe, queerpolitische
       Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, bei einer Parlamentsdebatte über die
       sogenannten Deadnames. Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) aber lehnt die
       Nennung von anerkannten selbst gewählten Namen queerer Schüler*innen in
       Zeugnissen ab.
       
       Das erschwere „den Schulwechsel, die Suche nach Praktikumsplätzen oder den
       Übergang in Ausbildung und Studium in unnötiger Weise“, sagt Moritz
       Griepentrog, Landesgeschäftsführer des queeren Jugendnetzwerks [1][Lambda
       Nord]. Die Gruppe fordert, dass in Schleswig-Holsteins Schulen der
       Ergänzungsausweis, der aus der Selbsthilfe entstandenen Deutschen
       Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti),
       anerkannt wird.
       
       ## Bundesweit erkennen Behörden den Ausweis an
       
       [2][Der dgti-Ausweis] ähnelt dem offiziellen deutschen Personalausweis,
       allerdings mit dem Wunschnamen und mit einem aktuellen Passfoto. Gültig ist
       er nur in Kombination mit dem Personalausweis. Bundesweit erkennen ihn
       zahlreiche Behörden bereits an.
       
       Warum klappt das nicht an Schleswig-Holsteins Schulen? Das wollte
       Griepentrog vom Bildungsministerium wissen. Für die elektronische
       Übermittlung der entsprechenden Gutachten habe die Behörde „eine Gebühr von
       stolzen 150 Euro verlangt“, sagt Griepentrog. Es sei „schade, dass eine
       Landesregierung, die sich die Diskriminierungsfreiheit auf die Fahnen
       schreibt, ihre Argumente hinter einer Bezahlschranke versteckt“.
       
       Es gebe kein einzelnes Gutachten, sagt hingegen Wilko Huper, Sprecher des
       Bildungsministeriums, auf taz-Anfrage. Der Antrag, den Griepentrog stellte,
       habe eine ganze Reihe von rechtlichen Bewertungen und Einzelfallprüfungen
       umfasst. „Für eine solch umfassende Auskunft werden nach der
       Kostenverordnung in der Regel Gebühren erhoben“, so Huper. Denn die Antwort
       kostet Arbeitszeit und Aufwand für „Recherche, Prüfung, Aufbereitung und
       gegebenenfalls Schwärzungen personenbezogener Daten“.
       
       Wie das Ministerium zu der Frage steht, lässt sich nachlesen. Bereits im
       Februar 2026 [3][diskutierte der Landtag darüber, wie sich „Sensibilität
       für queere Vielfalt an Schulen fördern“ lasse]. Schiebe forderte damals,
       dass an Schulen der dgti-Ergänzungsausweis anerkannt werde.
       
       Es ging auch um gendersensible Sprache. Die hatte die heutige Bundes- und
       frühere Landesbildungsministerin Karin Prien (CDU) in schriftlichen
       Arbeiten untersagt – trotz des Protests der im Land mitregierenden Grünen.
       „Eine Diffamierung von Gendersprache halten wir für absolut falsch“,
       betonte deren schulpolitischer Sprecher Malte Krüger im Februar. Die Grünen
       seien weiterhin dafür, eine geschlechtergerechte und inklusive Sprache zu
       fördern.
       
       Stenke aber führt den Kurs ihrer Vorgängerin fort. Ihre Fachabteilung habe
       die Frage geprüft, ob Zeugnisse mit dem Wunsch- statt mit dem Passnamen
       ausgestellt werden könnten. „Wir haben uns das genau angeguckt; wir haben
       überlegt, ob wir da nicht großzügig sein können, aber es macht keinen Sinn,
       an der Stelle großzügig zu sein. Wir werden das nicht machen“, sagte Stenke
       in der Debatte. Es gebe zu viele rechtliche Stellungnahmen und gerichtliche
       Entscheidungen, die dem entgegenstünden.
       
       „Im Schulalltag werden Schülerinnen und Schüler auf Wunsch
       selbstverständlich bereits vor einer amtlichen Änderung mit ihrem
       selbstgewählten Namen angesprochen. Auch in schulischen Schriftstücken kann
       dieser Name verwendet werden“, sagt Ministeriumssprecher Huper jetzt auf
       Nachfrage. Aber bei Zeugnissen sei die Lage anders: „Zeugnisse sind
       amtliche Urkunden mit Nachweisfunktion gegenüber Dritten, etwa bei einem
       Schulwechsel, bei Bewerbungen, im Übergang in Ausbildung oder Studium.
       Deshalb müssen die Angaben auf dem Zeugnis grundsätzlich mit den amtlichen
       Personendaten übereinstimmen.“
       
       Der Verein Lambda Nord will nun beim CSD in Lübeck am 14. und 15. August
       gezielt Spenden sammeln, um die 150 Euro für das Gutachten aufzubringen.
       Das Ziel sei es, so Griepentrog, „eine queerfreundliche Verwaltungspraxis
       zu etablieren, die Zeugnisse unbürokratisch auf den selbst gewählten Namen
       ausstellt“.
       
       13 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://lambda-online.de/ueber-uns/landesverbaende/
 (DIR) [2] https://dgti.org/2021/09/05/der-ergaenzungsausweis-der-dgti-e-v/
 (DIR) [3] https://www.landtag.ltsh.de/export/sites/ltsh/infothek/wahl20/plenum/plenprot/2026/20-113_02-26.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
       ## TAGS
       
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