# taz.de -- Tempolimit: Studie geht von viel weniger Verkehrstoten aus
       
       > Sollte die Geschwindigkeit auf Autobahnen begrenzt werden? Eine neue
       > Studie beschäftigt sich mit dieser Frage und kommt zu einer eindeutigen
       > Antwort.
       
 (IMG) Bild: Greenpeace bei einer Aktion für ein Tempolimit im Juni 2026
       
       dpa | Bei Einführung eines [1][Tempolimits auf deutschen Autobahnen] könnte
       einer Studie zufolge die Zahl der Unfallopfer um bis zu 90 pro Jahr gesenkt
       werden. „Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde
       wären es 25 bis 30 Prozent weniger Getötete auf Bundesautobahnen, das
       entspricht etwa 70 bis 90 Menschen“, sagte Unfallforscher Siegfried
       Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. Das seien zwar nur 3 Prozent
       aller Unfalltoten, für eine Einzelmaßnahme sei dies jedoch eine beachtliche
       Wirkung.
       
       In Deutschland gibt es kein generelles Tempolimit auf Autobahnen, anders
       als in vielen Ländern im Ausland. Auf großen Teilen der Strecken
       hierzulande gelten jedoch unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten. Ein
       generelles Tempolimit ist seit Langem in der politischen Debatte. Das
       Bundesverkehrsministerium lehnt eine solche Regelung ab, viele Verbände
       sprechen sich dafür aus.
       
       ## Wie viele Menschen bei Unfällen starben
       
       Laut Statistischem Bundesamt starben 2025 in Deutschland mehr als 2.800
       Menschen bei Unfällen im Straßenverkehr. Laut Brockmanns Untersuchung kamen
       292 Menschen auf Autobahnen ums Leben. „Ein Tempolimit hätte positive
       Effekte auf die Verkehrssicherheit“, sagte der Leiter der Unfallforschung
       der Stiftung der Deutschen Presse-Agentur.
       
       Nahezu alle anderen Staaten verfügten über verbindliche Tempo-Begrenzungen
       auf Autobahnen. Die höchsten regulären Autobahn-Tempolimits in Europa
       finden sich demnach in Polen (140 Kilometer pro Stunde) sowie auf einzelnen
       Pilotstrecken in Tschechien (150 Kilometer pro Stunde). Untersuchungen aus
       Österreich, den Niederlanden und den USA zeigen der Studie zufolge
       Rückgänge schwerer Unfälle oder von Verkehrstoten, wenn die Geschwindigkeit
       begrenzt sei.
       
       ## Wie es mit dem Forschungsstand aussieht
       
       „Für Deutschland gibt es keine vergleichenden Studien“, sagte Brockmann.
       Einzelne gab es demnach bereits in der Vergangenheit, zum Beispiel 1977,
       aus Brandenburg in den 2000 bis 2006 sowie Einschätzungen des
       Umweltbundesamts. Frühere Studien ließen sich nur begrenzt auf heutige
       Verhältnisse übertragen, sagte der Unfallforscher, der sich bei seiner
       Metastudie unter anderem auf andere Untersuchungen und KI-Modelle stützte.
       
       Brockmann sprach sich dafür aus, [2][die Wirkung von Tempolimits] ein Jahr
       lang auf Autobahnen zu testen oder Versuchsstrecken mit unterschiedlichen
       Limits einzuführen. Dafür braucht es aber die Zustimmung des
       Bundesverkehrsministeriums. Der Automobilclub ADAC ist der Meinung:
       „Möglichkeiten und Grenzen eines Tempolimits für die Verkehrssicherheit und
       den Klimaschutz sollten untersucht werden.“
       
       ## Was der ADAC zu Sicherheit auf Autobahnen sagt
       
       Autobahnen sind laut ADAC-Einschätzung die sichersten Straßen in
       Deutschland. Dort würden pro Jahr etwa ein Drittel aller
       Kraftfahrzeugkilometer gefahren. „Der Anteil der Verkehrstoten ist im
       Vergleich dazu mit etwa 10 Prozent unterdurchschnittlich“, schreibt der
       Automobilclub auf seiner Internetseite und gibt zu bedenken: Ein generelles
       Tempolimit sei ein polarisierendes Thema. Seit mehreren Jahren steige aber
       die Zustimmung in der Bevölkerung, eine solche Regelung einzuführen.
       
       ## Welche anderen Effekte hätte ein Tempolimit?
       
       Im Falle eines Tempolimits geht Brockmanns Untersuchung nicht davon aus,
       dass mehr Fahrzeuge auf Landstraßen auswichen. Die Autobahn bliebe die
       schnellste Verbindung, zumal gleichwertige Alternativrouten nicht vorhanden
       seien. Experten erwarteten zudem nicht mehr Staus, die Reisezeit könnte
       dagegen verlässlicher werden. „Unfallbedingte Sperrungen und Umleitungen
       würden seltener.“
       
       Für Schnellfahrer ergäbe sich eine längere Fahrzeit auf freien Strecken.
       Allerdings relativiere sich dieser Nachteil auf das gesamte Netz gesehen,
       weil bei dichtem Verkehr nicht schnell gefahren werden könne, heißt es.
       Hinzu kommt der Umweltaspekt: Nach Berechnungen des Umweltbundesamts ließen
       sich mit einem Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen und
       80 außerorts insgesamt 2,7 Prozent der Emissionen des Straßenverkehrs
       einsparen.
       
       12 Jul 2026
       
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