# taz.de -- Deutsche Fußballdebatte: Kein Versteckspiel mehr
> Eine schonungslose Analyse der WM-Auftritte des DFB-Teams ist in vollem
> Gange – zum Glück ohne taktische Pseudodebatten. Es geht um
> Grundsätzliches.
(IMG) Bild: Schon in der WM-Vorbereitung gab es ablenkenden Familienbesuch beim DFB-Team
Eine gewisse Oberflächlichkeit hatte die Kritik an den Auftritten des
DFB-Teams während der WM. Ob es mit Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld
gelaufen wäre, wer weiß das schon. Fast schon nervtötend war dieses ewige
Sinnieren darüber, ob [1][Deniz Undav] diesem Team in der Startelf nicht
viel mehr gegeben hätte. Und dass koordinierte Laufwege besser als
unkoordinierte sind, darüber braucht man sowieso erst gar nicht
diskutieren.
Aber Stück für Stück kommen nun doch handfeste Details zum Vorschein, aus
denen sich Ursachen für das Scheitern rekonstruieren lassen. [2][Nick
Woltemade] berichtete, man habe im Teamquartier Verstecken gespielt („mit
zwei Minuten Augen zu“). Ein eindeutiges Indiz für Langeweile und
Lagerkoller.
Bei einem Trainingsspiel, auch das trat erst jetzt zutage, soll Nagelsmann
das Team aufgeteilt haben. Alt habe gegen Jung gespielt. Warum nur? Als
Problemfall soll sich generell Leon Goretzka (schlechte Laune) hervorgetan
haben. Mit dem Teamgefüge stimmte also etwas nicht. Ob Goretzka beim
Versteckspielen nicht mitgemacht hat oder nie gefunden wurde, muss noch
geklärt werden.
Über den negativen Einfluss der Familienbesuche auf die Spielergebnisse
kann unterdessen Sportdirektor Rudi Völler nicht mehr hinwegsehen. Zwar
versuchte er im ersten Reflex zu relativieren: „Es waren fünf, sechs
Familien mal eine Nacht lang da.“ Er gab aber sofort zu erkennen, dass er
sich mit dieser Problematik schon eingehender befasst hat und über
Konsequenzen nachgedacht hat. Bei der EM in England, kündigte er an, werde
das wahrscheinlich „ein bisschen anders gehandhabt“. Bekanntlich können
Kleinigkeiten selbst das größte Turnier entscheiden.
Und auch das Foto von Nagelsmann mit Ehefrau Lena Wurzenberger beim
Fahrradfahren hat Rudi Völler nach den vielen Berichten nachträglich
analysiert: „Das ominöse Foto mit Lena auf dem Fahrrad hat der Sache
sicherlich nicht gutgetan. Das war nicht optimal, ist aber nicht mehr zu
lösen.“ Sein Frust, der in diesen Worten mitschwang, war nicht zu
überhören.
[3][Nach dem dritten frühzeitigen WM-Scheitern] einer DFB-Elf kümmert man
sich in Deutschland endlich um die Wurzeln des Problems.
9 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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