# taz.de -- editorial : Die lebendigste Zivilgesellschaft der Republik
Woran denken Sie als Erstes, wenn Sie Sachsen-Anhalt hören? Vielleicht
denken Sie an plattes Land, Martin Luther oder Tokio Hotel. Und was fällt
Ihnen zu Mecklenburg-Vorpommern ein? Die Ostsee, die Seenplatte, Timmy,
Hansa Rostock? Vielleicht denken Sie auch an 35 Prozent und 42 Prozent –
daran, wie viele Menschen die rechtsextreme AfD aktuellen Umfragen zufolge
in beiden Ländern wählen könnten? Woran Sie vielleicht nicht denken: an die
lebendigste Zivilgesellschaft in ganz Deutschland.
Was bei den Landtagswahlen im Herbst in beiden Bundesländern droht, ist
allen klar, die es wissen wollen. Erstmals seit 1945 könnte wieder eine
rechtsextreme Partei in einem Bundesland eine Regierungsmehrheit erreichen
– und im Kleinen ihre völkische Politik durchsetzen. Die Frage ist: Wie
gehen wir damit um? Und vor allem: Wie gehen die Menschen in Sachsen-Anhalt
und Mecklenburg-Vorpommern damit um?
Wer in den beiden Bundesländern den Blick einmal weg von der AfD wendet,
stellt fest: Dort gibt es eine starke Bürger*innenschaft, die für die
Demokratie einsteht. Die gerade jetzt kämpft und im Privatleben
zurücksteckt, an ganz vielen Orten. Diese Menschen leiten die Jugendzentren
der Region, sind einer freiwilligen Feuerwehr beigetreten, in der Kirche
organisiert oder in Gewerkschaften. Sie bieten auf Social Media Paroli,
stellen Festivals auf die Beine oder bringen das Hinterland zum Leuchten.
Und sie vernetzen sich. In Mecklenburg-Vorpommern haben sich als „Zusammen
bewegen“ über 1.000 Initiativen, Vereine, Gruppen und Einzelpersonen
zusammengeschlossen. Hunderte sind es im Bündnis „Sachsen-Anhalt.
Weltoffen!“. Und unter dem Motto „Kultur ist Vielfalt und Heimat“ zieht
dort die komplette Kulturszene an einem Strang.
All das beweist: In beiden Ländern ist gerade die lebendigste
Zivilgesellschaft der Republik aktiv! Wir stellen sie den ganzen Sommer
über vor. Den Auftakt machen auf den nächsten vier Seiten 19 Aktive, die in
Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die Wahlen noch nicht verloren
geben – und die Strategien aufzeigen, wie die Demokratie jetzt verteidigt
werden kann.
In den kommenden Wochen werden wir diese Serie fortsetzen. Und wir werden
mit den Engagierten und Spitzenkandidierenden auch vor Ort, in Magdeburg
und Rostock, diskutieren, was zu tun ist. Daneben werden wir Menschen aus
den Bundesländern auch selbst schreiben lassen: Lokaljournalist*innen,
literarische Stimmen wie Annett Gröschner und Domenico Müllensiefen oder
der junge Aktivist „Maximal Demokratisch“ werden in jeder wochentaz
Gastbeiträge mit ihren Perspektiven teilen.
Natürlich werden wir auch genau schauen, was auf der politischen Bühne in
den Ländern passiert, welche Strippen die AfD im Hintergrund bereits zu
ziehen versucht und welche Bündnisse sich unter den
Parlamentarier*innen abzeichnen.
Wir sehen, was auf dem Spiel steht. Und dennoch wagen wir Zuversicht:
Wetten, dass die Demokratie gewinnt? Es ist das Engagement der
Kämpfer*innen für ebendiese Demokratie in Sachsen-Anhalt und
Mecklenburg-Vorpommern, das uns Hoffnung macht. Lassen Sie sich anstecken!
Anne Fromm, Katrin Gottschalk und Konrad Litschko
11 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Anne Fromm
(DIR) Katrin Gottschalk
(DIR) Konrad Litschko
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