# taz.de -- Gefährliche Ewigkeitschemikalien: PFAS in der Muttermilch – was nun?
> Die niederländische Gesundheitsbehörde hat in fast 20 Prozent von
> Muttermilchproben PFAS über dem Grenzwert gefunden. Sie rät trotzdem zum
> Stillen.
(IMG) Bild: PFAS: Mit dem Stillen beginnt bereits das Risiko
Auch Babys nehmen PFAS, [1][sogenannte Ewigkeitschemikalien], mit der
Muttermilch auf. Das ist seit Jahren bekannt, nun hat eine Studie der
niederländischen Gesundheitsbehörde RIVM das Ausmaß davon untersucht und
zeichnet ein genaueres Bild.
Demnach wurden PFAS in allen Proben der über 1.600 Teilnehmerinnen
gefunden. In 82 Prozent davon liegt die Konzentration „unterhalb der
Risikogrenze“, so die am vergangenen Mittwoch bekannt gemachte Studie. Fast
ein Fünftel dagegen fällt damit in den riskanten Bereich oberhalb von 133
Nanogramm pro Liter. Bei ihnen sind „schädliche Effekte auf den Körper
nicht auszuschließen“, so die Studie.
Als mögliche Folgen werden Schwächungen des Immunsystems von Kindern
genannt. Ob diese dann tatsächlich erkranken würden, sei aber von den
jeweiligen Lebensumständen oder erblicher Veranlagung abhängig. Joke
Herremans, PFAS-Koordinatorin des RIVM, zeigte sich gegenüber dem
öffentlich-rechtlichen TV-Sender NOS „erschrocken“ und nannte das Ergebnis
„sehr beunruhigend“. Es sei „unerwünscht“, dass menschengemachte Stoffe
überall zu finden sind.
Genau dies trifft aber auf die mehrere tausend Chemikalien umfassende
Gruppe der Per- und Polyfluorierten Alkylsubstanzen (abgekürzt PFAS) zu.
Sie basieren auf Kohlenstoff-Fluor-Verbindungen, die beständig gegen Hitze,
Fett und Wasser sind und in zahlreichen Gegenständen des täglichen
Gebrauchs stecken, [2][aber auch in Trink- und Oberflächenwasser]. Sowohl
in der Natur als im menschlichen Körper sind sie kaum, das heißt nur extrem
langsam abbaubar, weshalb sie sich je nach Belastung dort ansammeln.
## Potenzielle Spätfolgen
Für Babys bedeutet das, dass diese Belastung und damit das Risiko auf
körperliche Folgen bereits mit dem Stillen beginnt. Dass mit 82 Prozent die
übergroße Mehrheit der Proben unter dem Grenzwert liegen, bedeutet daher
auch keine Entwarnung, denn im Laufe eines Lebens kommen zahlreiche andere
Kontaktquellen hinzu. „Eine frühere Untersuchung des RIVM zeigt, dass fast
alle Menschen in den Niederlanden zu viel PFAS in ihrem Blut haben“, heißt
es dazu lapidar im ersten Satz der Mitteilung von vergangenem Montag,
bezugnehmend auf eine Studie aus 2025.
Potenzielle Spätfolgen sind erheblich: Das US National Cancer Institute
sieht Zusammenhänge zwischen Kontakt mit PFAS und dem Auftreten von Nieren-
oder Hodenkrebs, erhöhtem Cholesterin, Schäden an Immun- und Hormonsystem
sowie Schilddrüsenkrankheiten. Die Health and Environmental Alliance
(HEAL), ein Zusammenschluss europäischer Umwelt- und
Gesundheitsorganisationen, nennt auch Bluthochdruck, Präeklampsie bei
Schwangeren und Leberschäden.
Die Gesundheitsbehörde empfiehlt Müttern trotzdem vorläufig weiter zu
stillen, da die Vorteile von Muttermilch für Babys die Nachteile überwögen.
Einfluss auf den PFAS-Gehalt ihrer Milch könnten sie aber nur haben, „wenn
sie noch keine Mütter sind“ – ein deutlicher Hinweis auf die alltägliche
Chemikalienbelastung, denen sie lange vor einer Schwangerschaft ausgesetzt
sind.
Aber auch dann ist es schwierig, Einfluss zu nehmen, weil die
Ewigkeitschemikalien mittlerweile so weit verbreitet sind. Maßnahmen wie
Spezialfilter für das Trinkwasser oder Verzicht auf Teflonpfannen können
den Kontakt mit PFAS zumindest verringern.
6 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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