# taz.de -- Streit vor Nato-Gipfel: Wadephul springt Israel im Streit mit der Türkei bei
       
       > Der türkische Außenminister Hakan Fidan löst mit antiisraelischen
       > Äußerungen eine diplomatische Krise aus. Die Opposition fordert
       > Konsequenzen der Bundesregierung.
       
 (IMG) Bild: Der türkische Außenminister Hakan Fidan
       
       afp/dpa | Der türkische Außenminister Hakan Fidan hat [1][vor dem
       bevorstehenden Nato-Gipfel in Ankara] mit Äußerungen zu Israel Kritik aus
       der Bundespolitik ausgelöst. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU)
       kritisierte die Bemerkungen gegenüber der Bild-Zeitung als „vollkommen
       unangemessen“. „Israel ist einer anhaltenden Bedrohung aus der Region
       ausgesetzt und hat das Recht und die Pflicht, seine Bevölkerung zu
       schützen“, sagte Wadephul der Bild-Zeitung nach Angaben vom Sonntag.
       
       Israels Außenminister Gideon Saar hatte seinem türkischen Kollegen Hakan
       Fidan eine „Entmenschlichung des jüdischen Volkes“ sowie „Aufruf zum
       Völkermord“ vorgeworfen. Laut einer von Saar auf der Plattform X
       veröffentlichten Videoübersetzung sagte Fidan in einem Interview mit dem
       Sender CNN Türk, die israelische Politik und Denkweise seien zu einer Last
       geworden, die die Menschheit nicht länger ertragen könne. Zudem bezeichnete
       er demnach Israel als ein Problem für die gesamte Menschheit und forderte
       internationalen Druck auf das Land.
       
       Saar bezeichnete auf X die Aussagen als widerwärtig und sprach von einem
       „Paradebeispiel für Anstiftung zum Völkermord“. Die Bezeichnung des
       jüdischen Volkes als „unerträgliche Last“ gleiche einer Entmenschlichung
       und sei die „klassische, schreckliche Sprache der schlimmsten
       Vernichtungsregime der Geschichte“. Saar rief die zivilisierte Welt und die
       Nato-Verbündeten auf, den „expliziten Aufruf zur Auslöschung Israels
       unmissverständlich zu verurteilen“.
       
       ## Wadephul reist nach Israel
       
       Die außenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag, Cansu
       Özdemir, sagte der Welt, Fidans „Aussage, Israelis seien eine ‚Last für die
       Menschheit‘“, sei „entmenschlichend und brandgefährlich“. „Kritik an der
       rechtsextremen Regierung Netanjahus und dem Genozid in Gaza ist notwendig,
       doch darf dies niemals in die pauschale Verurteilung eines ganzen Volkes
       oder antisemitische Ressentiments umschlagen“, betonte Özdemir.
       
       Wadephul kündigte in der Bild-Zeitung an, vor dem am Dienstag beginnenden
       Nato-Gipfel nach Israel zu reisen und dort seinen israelischen Kollegen
       Gideon Saar zu treffen. Er werde sich mit Saar „zu aktuellen Fragen des
       Nahen und Mittleren Ostens“ austauschen. „Zugleich geht es mir darum, einen
       Beitrag zur Verständigung zwischen Israel und der Türkei zu leisten. Die
       Konflikte der Region werden wir nur mit einem beiderseitigen Grundkonsens
       lösen können“, sagte der CDU-Politiker.
       
       ## Belastung vor Nato-Gipfel
       
       Zuvor hatten SPD und Grüne die Bundesregierung zu einer klaren Verurteilung
       der Äußerungen Fidans aufgefordert. „Sosehr ich das Dilemma der
       Bundesregierung verstehe, viel zu ertragen, um [2][den Nato-Gipfel in
       Ankara] zum Erfolg zu machen – man kann und darf nicht zu allem schweigen“,
       sagte Grünen-Fraktionsvize Agnieszka Brugger den Zeitungen des
       Redaktionsnetzwerks Deutschland.
       
       Die SPD im Bundestag verwies dem RND zufolge auf Anfrage auf ein Statement
       ihres europapolitischen Sprechers Markus Töns: Außenminister Fidan habe mit
       seiner Aussage, „eine rote Linie überschritten“, erklärte Töns darin. „Dass
       ein Außenminister eines Nato-Mitgliedstaates eine derart enthemmte und
       delegitimierende Sprache verwendet, darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.
       Die Bundesregierung ist jetzt gefordert, hierzu unmissverständlich Stellung
       zu beziehen.“ Auch einzelne CDU-Abgeordnete hatten die Äußerungen
       verurteilt, so schrieb etwa Gitta Connemann auf X von einer „beispiellosen
       Entgleisung“.
       
       Anlass für Fidans Äußerung war [3][Israels formelle Anerkennung des
       Völkermords an den Armeniern] (ab 1915). Die türkische Regierung sprach von
       einem politischen Vergeltungs- und Ablenkungsmanöver. Präsident Recep
       Tayyip Erdoǧan sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu,
       Israel versuche, „die eigenen Verbrechen zu vertuschen“ und die Türkei mit
       Verleumdungen zu überziehen.
       
       6 Jul 2026
       
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