# taz.de -- Trumps Rede zum 250. Geburtstag der USA: Make Communism A Talking Point Again!
       
       > Gut 75 Jahre nach der McCarthy-Ära beschwört Donald Trump die Gefahr des
       > Kommunismus und knüpft an eines der toxischsten Kapitel der USA an.
       
 (IMG) Bild: Nicht für alle ein Grund zum Feiern: Am 4th of July hetzt der US-Präsident gegen politisch links von ihm Stehende
       
       Manchmal hat eine rein repräsentative Staatsspitzenfunktion wie etwa die
       des Bundespräsidenten ihre Vorteile. Zum Beispiel, wenn es
       Nationalfeiertage zu feiern gibt wie jetzt den [1][250. Jahrestag der
       US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung]. Denn dann sind Menschen, die
       nicht in der tagespolitischen Auseinandersetzung stehen, im Idealfall ein
       bisschen besser geeignet, einigende Worte zu finden. Solche Reden sind
       wahrlich nicht immer spannend – aber sie taugen mitunter doch zur
       Selbstvergewisserung und Besinnung in turbulenten Zeiten.
       
       Und dann gibt es [2][Donald Trump]. Nicht nur, dass diesem Präsidenten
       niemand abnimmt, auf irgendeines der historischen Daten, die er in seiner
       nächtlichen Ansprache in Washington erwähnte, wirklich selbst gekommen zu
       sein. Nein, er knüpft auch noch an eine der spalterischsten Episoden der
       US-Geschichte des 20. Jahrhunderts an, wenn er wie in der McCarthy-Ära von
       1947 bis 1956 vor der [3][Zersetzung der USA durch „den Kommunismus“ im
       Innern] warnt.
       
       Zur McCarthy-Zeit gab es wenigstens noch den Kalten Krieg, also die reale
       globale Systemauseinandersetzung. Heute gibt es nur einen Präsidenten, der
       sich selbst jede Definitionsmacht zuspricht, was oder wer zu „Amerika“
       gehört. Wer nicht, ist ein Feind. Und will die USA „dem Kommunismus“ zum
       Fraß vorwerfen, wenn er etwa, wie [4][Zohran Mamdani in New York],
       bezahlbare Mieten und kostenlosen Nahverkehr anstrebt.
       
       Manche würden vermutlich sagen, Trumps Idiotien, Korruptheit und
       rhetorische Absurditäten beschrieben im Kern exakt das Wesen der
       US-amerikanischen Gesellschaft heute. Wer die USA ein bisschen mag, will
       das immer noch nicht glauben. Und zwar auch deshalb nicht, weil eben
       Kandidat*innen aus den Reihen der Demokratischen Sozialisten immer
       öfter Vorwahlen gewinnen, auch wenn Trump sie als „Kommunisten“ beschimpft.
       
       Ob diese oft jungen Engagierten politisch funktionieren, wird sich zeigen.
       Aber erst mal signalisieren sie, anders als der US-Präsident, dass die USA
       am 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit noch nicht verloren sind.
       
       5 Jul 2026
       
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