# taz.de -- Trauerfeiern für Chamenei in Iran: Machtdemonstration eines trotzigen Regimes
       
       > Rund vier Monate nach seiner Tötung soll das religiöse Oberhaupt
       > Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden. Für die iranische Staatsführung
       > geht es dabei um mehr als öffentliche Trauer.
       
 (IMG) Bild: Trauernde sammeln sich rund um die Imam-Chomeini-Mosalla-Großmoschee in Teheran
       
       dpa | Mehr als vier Monate [1][nach seiner Tötung] haben im Iran unter
       großen Sicherheitsvorkehrungen die öffentlichen Trauerfeiern für den
       [2][obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei] begonnen. Aufnahmen im
       Staatsfernsehen zeigten Särge des Religionsführers und mehrerer seiner
       Familienmitglieder aufgebahrt in der Großmoschee Mosalla hinter Vitrinen.
       Zahlreiche Anhänger strömten bereits seit der Dämmerung zum
       Veranstaltungsort.
       
       Der Leichnam bleibt zunächst drei Tage in Teheran. Anschließend sind
       Trauerzeremonien in der Pilgerstadt Ghom, dem Zentrum der schiitischen
       Geistlichkeit im Iran sowie dem Nachbarland Irak geplant. Am Donnerstag
       soll er im Imam-Resa-Heiligtum seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt
       werden.
       
       ## Irans Führung will politische Geschlossenheit demonstrieren
       
       Für Chameneis Anhänger und die iranische Führung ist die Staatstrauer
       zugleich Abschied und Demonstration politischer Geschlossenheit. Banner,
       die an den „Märtyrer“ Chamenei erinnern, prägen an diesen Tagen das
       Stadtbild der Millionenmetropole Teheran. Für die Staatsspitze bietet die
       Großveranstaltung die Gelegenheit, Einheit und Handlungsfähigkeit zu
       demonstrieren. Seit Wochen betont die Regierung, den Krieg gegen die
       militärisch weit überlegenen USA und Israel überstanden zu haben.
       
       Chamenei war [3][am 28. Februar im Alter von 86 Jahren bei einem
       israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in der iranischen Hauptstadt
       getötet worden]. Anschließend führten die USA und Israel mehr als fünf
       Wochen Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran
       Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Die Zukunft über ein mögliches
       Abkommen zwischen den USA und dem Iran, das den Konflikt dauerhaft lösen
       soll, ist weiter ungewiss.
       
       ## Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen bei Trauerfeiern
       
       Die Behörden stellen sich auf einen Massenandrang von mehreren Millionen
       Anhängern ein. Aus Sicherheitsgründen will der Iran von Montag an seinen
       Luftraum für mehrere Tage sperren. Zehntausende Polizisten und Soldaten
       sind im Einsatz. Am Samstagmorgen waren in Teheran viele Straßen gesperrt.
       
       Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad strömten Tausende Anhänger zum
       Veranstaltungsort. „Ich bin gekommen, um mich von unserem Führer zu
       verabschieden“, sagte eine 33-Jährige. „Wir fordern Blutrache, und wir
       wollen Vergeltung“, sagte sie. Auch Sadegh Bahrami, ein Obstbauer aus der
       Provinz Lorestan, nahm eine zwölfstündige Anreise auf sich. „Wir sind aus
       Liebe zu unserem Führer gekommen, um uns ein letztes Mal von ihm zu
       verabschieden.“
       
       Teilnehmerzahlen wurden zunächst nicht verkündet. Gegen Mittag (Ortszeit)
       waren auf dem Gelände der Großmoschee Mosalla, wo Platz für rund 40.000
       Menschen ist, deutlich weniger Besucher zu sehen. Auch die als Zugangswege
       für die Trauerfeier vorgesehenen Stadtautobahnen blieben weitgehend leer.
       
       Regierungskritiker und viele Menschen im Iran, die Anfang des Jahres noch
       gegen den autoritären Kurs der Führung sowie die massive Wirtschaftskrise
       auf die Straße gegangen waren, betrachten die Feierlichkeiten jedoch mit
       Gleichgültigkeit und Ablehnung. Tausende Demonstranten waren Mitte Januar
       bei Protesten getötet worden. „Warum sollte ich teilnehmen?“, fragte etwa
       Amir (30). Chamenei habe nur an seinen Machterhalt gedacht, sagte er.
       
       ## Generäle zeigen sich seit Kriegsbeginn erstmals wieder öffentlich
       
       Mit Blick auf den Krieg der USA und Israels warnten Irans Streitkräfte am
       Freitag vor einer neuen militärischen Eskalation rund um die Staatstrauer.
       „Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren
       Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in
       ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird“, hieß es in einer
       Erklärung der Revolutionsgarden, die iranische Medien verbreiteten.
       
       Die Warnung dürfte auch mit Befürchtungen zusammenhängen, dass hochrangige
       Vertreter aus Politik und Militär Ziel von Anschlägen werden könnten. Für
       die Staatsspitze gilt die Teilnahme an den Trauerfeiern als Pflichttermin.
       Mehrere Generäle zeigten sich bei den Zeremonien erstmals seit Beginn des
       Kriegs gegen den Iran wieder öffentlich, darunter der neue Kommandeur der
       mächtigen Revolutionsgarden, Ahmad Wahidi, und der Kommandeur der
       Luftstreitkräfte, Madschid Mussawi.
       
       ## Trump: „Sie können es kaum erwarten, sich zu einigen“
       
       Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich [4][Mitte Juni auf ein
       Rahmenabkommen geeinigt], das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs
       ebnen soll. Streit besteht unter anderem weiter über das iranische
       Atomprogramm, Teherans Unterstützung für Milizen in der Region, darunter
       die Hisbollah im Libanon, sowie über die Straße von Hormus. Die USA
       fordern, dass die für den weltweiten Energiehandel wichtige Meerenge wieder
       für die Schifffahrt geöffnet wird und keine Gebühren erhoben werden.
       
       Wann die nächste Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran
       stattfindet, ist weiter unklar. US-Präsident Donald Trump sagte am Freitag,
       die USA hätten dem Iran wegen der Beerdigung „eine Woche frei“ gegeben.
       „Sie können es kaum erwarten, sich zu einigen. Sie wollen sich unbedingt
       einigen“, sagte Trump anlässlich des Unabhängigkeitstags vor dem
       Präsidentendenkmal Mount Rushmore, wie der Sender CNN berichtete.
       
       ## Macht im Iran nach Chameneis Tod neu geordnet
       
       Nach Chameneis Tod hat sich auch das Machtgefüge im Iran neu sortiert. Als
       oberster Führer hatte er in allen wichtigen Fragen das letzte Wort.
       Regierung und Präsident waren ihm untergeordnet. Der schiitische Ajatollah
       war zudem die oberste religiöse Autorität der Islamischen Republik. Unter
       seiner Führung entwickelten sich die Revolutionsgarden zur führenden
       Streitmacht des Landes und bauten ihren Einfluss in der Region aus.
       Inzwischen sind vor allem Vertreter der mächtigen Garden in wichtige
       politische Positionen aufgestiegen.
       
       Chameneis Sohn Modschtaba war eine Woche nach dem Tod seines Vaters Anfang
       März zum neuen Staatsoberhaupt ernannt worden, trat seitdem jedoch nicht
       öffentlich auf. Das löste Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aus.
       Von schweren Verletzungen ist die Rede. Das Staatsfernsehen bezeichnete ihn
       als „Kriegsversehrten“, nannte aber keine weiteren Details. Auch für die
       Beerdigung in Maschhad ist unklar, ob er erscheinen wird.
       
       Sein Vater prägte die Islamische Republik fast vier Jahrzehnte lang. Unter
       seiner Führung stieg der Iran zu einer einflussreichen Regionalmacht auf,
       deren Einfluss in den vergangenen Jahren jedoch deutlich geschwächt wurde.
       Im Inneren regierte er mit absoluter Härte. Öffentliche Kritik an seiner
       Person wurde nicht geduldet. „Tod dem Diktator“, riefen Demonstranten bei
       den jüngsten Protestwellen.
       
       4 Jul 2026
       
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