# taz.de -- Migrationspolitik in Spanien: 1,3 Millionen Anträge auf Regularisierung
> Spaniens linke Regierung will Migranten ohne Papiere integrieren. Die
> Zahl der Anträge ist ein Rekord – obwohl die Konservativen im Land
> dagegen arbeiteten.
(IMG) Bild: Warten auf Papiere: Um einen Antrag auf Regularisierung stellen zu können, mussten Migranten ihre Residenz in Spanien nachweisen
Die Zahlen übertreffen alles. Als die spanische Regierung Ende 2025 eine
massive Regularisierung von Immigranten ohne Papiere ankündigte, wurde von
500.000 bis 800.000 Betroffenen ausgegangen. Am 30. Juni endet nun die
Antragsfrist – und es haben 1,3 Millionen Einwanderer die Papiere beantragt
habe. Etwa 360.000 Anträge wurden bereits zur endgültigen Bearbeitung
zugelassen. Damit haben die Betroffenen eine vorläufige Arbeitsgenehmigung.
Wer letztendlich angenommen wird, kann ein Jahr in Spanien leben und
arbeiten und muss dann die Aufenthaltsgenehmigung verlängern. Kinder der
Betroffenen werden ebenfalls legalisiert. Mehr als die Hälfte der
Antragsteller kommen aus nur drei Ländern, Kolumbien, [1][Venezuela] und
Marokko. Viele der Antragsteller – vor allem die aus Lateinamerika – waren
als Touristen eingereist und blieben dann.
Die Bedingungen zum Erhalt der Papiere sind relativ einfach zu erfüllen:
Die Antragsteller müssen ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis haben –
sowohl zu Hause als auch in Spanien. Und sie müssen zum Stichtag, Silvester
2025, mindestens fünf Monate im Land gelebt haben. Um dies zu belegen,
reichen Rechnungen, etwa für Strom oder Telefon, die Einschreibung in den
Gemeindezensus oder Unterlagen über Arztbesuche.
Der Prozess wurde von der [2][Linksregierung] unter [3][dem Sozialisten
Pedro Sánchez] ins Leben gerufen, nachdem Immigrantenorganisationen,
Gewerkschaften und soziale Einrichtungen 700.000 Unterschriften für die
Regularisierung gesammelt hatten. Es ist die fünfte Runde der Legalisierung
von Immigranten, seit den 1970er Jahren. Doch keine betraf so viele
Menschen wie diese.
## „Integration ist ohne Regularisierung nicht möglich“
Mit dem Ende der Antragsfrist sind die langen Schlangen, die jüngst vor
Konsulaten, Rathäusern und anderen Behörden zu sehen waren, Geschichte.
Viele standen dort an, um Belege dafür zu erhalten, dass sie bereits vor
dem Stichtag im Land waren. In den von der Rechten regierten Regionen – wie
etwa Madrid – legten die Behörden den Betroffenen Steine in den Weg, wo es
nur ging. So stellten etwa die hauptstädtischen Verkehrsbetriebe keine
Belege über den Besitz von Monatskarten für Bus und Bahn aus. So manche
Gemeinde verweigert den Immigranten gar die Aufnahme ins Melderegister.
[4][„Integration ist ohne Regularisierung nicht möglich]“, erklärte
Ministerpräsident Sánchez am Dienstag, als er pünktlich zum Ende der
Antragsfrist einen Integrationsplan vorstellte. 505 Millionen Euro werden
in Maßnahmen fließen, die die Eingliederung der Immigranten in die
spanische Gesellschaft fördern soll. „Woher kommen sie? Sie kommen, um das
Land mit aufzubauen“, so das Motto.
Es geht unter anderem darum, den Immigranten behilflich zu sein, Arbeit in
Branchen mit Fachkräftemangel zu finden. Viele derer, die jetzt Papiere
erhalten, verdingen sich als Schwarzarbeiter in unqualifizierten Jobs auf
dem Bau in der Landwirtschaft, der Gastronomie oder als Haushaltshilfe. Und
das, obwohl sie in ihrer Heimat oft eine Berufsausbildung oder ein Studium
durchlaufen haben. Durch die Regularisierung soll ihnen jetzt der gesamte
Arbeitsmarkt offen stehen.
## Kritik kommt von PP und VOX
In Spanien leben – Stand April 2025 – 6,9 Millionen Ausländer. Hinzu kommen
2,5 Millionen Menschen, die mittlerweile die spanische Staatsangehörigkeit
haben, aber außerhalb Spaniens geboren wurden. Die Einwanderer stellen 23
Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung. Spanien verzeichnet einen
jährlichen Nettozustrom von rund 600.000 Einwanderern. 90 Prozent der
zwischen Januar 2024 und März 2025 geschaffenen Arbeitsplätze wurden von
Einwanderern besetzt. Viele von ihnen erhalten jetzt erstmals Papiere.
Die konservative Partido Popular (PP) und die rechtsextreme VOX versuchten,
die Regularisierung vor Gericht zu stoppen. Sie scheiterten. Dennoch machen
sie weiter Stimmung: Die Legalisierung würde das Gesundheitswesen
überfordern, lautet eine Behauptung. [5][Die Einwanderer würden auf dem
Arbeitsmarkt nicht gebraucht, eine andere.] PP und VOX werfen Sánchez zudem
vor, er wolle mit der Legalisierung den Wahlzensus manipulieren. Dabei
dürfen Immigranten, wenn überhaupt, nur auf kommunaler Ebene ihre Stimme
abgeben.
30 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Reiner Wandler
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