# taz.de -- Studie zu langer Jobsuche: „Ein sich selbst verstärkender Kreislauf der Entmutigung“
       
       > Je länger die Jobsuche dauert, desto geringer ist die Chance auf eine
       > neue Stelle. Vorbehalte gegen Langzeitarbeitslose setzen einen
       > Teufelskreis in Gang.
       
 (IMG) Bild: Arbeitsuchende besichtigen in der Malzfabrik Schöneberg eine Werkstatt: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Bewerbung zu einem Vorstellungsgespräch führt, sinkt mit der Zeit
       
       rtr | Je ‌länger die Jobsuche, ‌desto geringer die Chance: Die Aussichten
       auf eine neue Stelle sinken einer Studie zufolge mit zunehmender Dauer der
       Arbeitslosigkeit deutlich. So fällt die Wahrscheinlichkeit, einen neuen
       Arbeitsplatz zu finden, von etwa sieben Prozent zu Beginn der Stellensuche
       auf 4,5 Prozent nach einem Jahr. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte
       ‌Untersuchung des Forschungsinstituts RFBerlin, die der Nachrichtenagentur
       Reuters vorab vorlag.
       
       Die Forscher sprechen von einem [1][Teufelskreis]. „Da Personaler zögern,
       Langzeitarbeitslose zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, reagieren die
       Arbeitnehmer nach und nach mit weniger Bewerbungen – wodurch ein sich
       selbst verstärkender Kreislauf der Entmutigung entsteht“, sagte
       Projektleiter Josef Zweimüller.
       
       Die Daten der Studie untermauern diesen Befund. Demnach sinkt die Zahl der
       monatlichen Bewerbungen im Durchschnitt nach einem Jahr von anfangs elf auf
       nur noch acht. Gleichzeitig verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass
       ‌eine einzelne Bewerbung überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch führt, im
       ersten Jahr von rund fünf Prozent auf 3,5 Prozent.
       
       Einen Lichtblick gibt es für die Betroffenen jedoch: Gelingt ⁠es einem
       Bewerber, zu einem Gespräch eingeladen zu werden, steigen die Chancen auf
       ein Jobangebot mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit sogar – von etwa
       20 Prozent auf mehr als 25 Prozent.
       
       Angesichts ‌der Ergebnisse ‌fordern die Autoren ein [2][Umdenken in der
       Arbeitsmarktpolitik]. „Der ⁠übliche politische Ansatz, der Umschulungen für
       Arbeitnehmer fördert, reicht nicht aus“, sagte Aderonke Osikominu,
       Professorin an der Universität Hohenheim ‌und Mitautorin der Studie.
       „Zusätzliche [3][Hilfe bei der ‌Arbeitssuche] könnte bessere
       Vermittlungsergebnisse bringen.“ Für ihre Untersuchung werteten die
       Wissenschaftler die Daten von 600.000 Bewerbungen aus, die 15.000
       Arbeitslose ‌in der Schweiz verschickten.
       
       30 Jun 2026
       
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