# taz.de -- Tiktok-Videos über erfolglose Jobsuche: #Arbeitslos
       
       > 30 Jahre alt. Masterabschluss. Grundsicherung. Auf Tiktok dokumentieren
       > junge Menschen ihre erfolglose Jobsuche. Und fragen sich, was
       > schiefläuft.
       
 (IMG) Bild: #arbeitslos und auf #tiktok
       
       „An alle, die gerade einen Job suchen: Wie geht’s euch?“, so beginnen viele
       Videos, die unter Hashtags wie #jobs oder #arbeitslos kursieren. Die
       Antwort wird meist schon nach wenigen Sekunden deutlich: schlecht. Die
       Betroffenen berichten von neuen Lebensläufen, Portfolios,
       Initiativbewerbungen, Arbeitsproben oder dem persönlichen Nachfragen vor
       Ort – doch all das scheint vergeblich. Nur Absagen oder, schlimmer noch,
       gar keine Rückmeldung. Junge Menschen schildern eine zermürbende Jobsuche,
       die trotz monatelanger Bemühungen und teils dreistelliger Bewerbungszahlen
       erfolglos bleibt.
       
       Das Problem betrifft besonders Akademikerinnen und Akademiker, aber längst
       nicht nur die, die „irgendetwas mit Medien“ studiert haben. Auch
       Absolventinnen und Absolventen der Betriebswirtschaftslehre sowie
       Berufseinsteiger mit Praktika, Nebenjobs und ersten Jahren Berufserfahrung
       berichten von denselben Schwierigkeiten. Ob Medien, Marketing, Tourismus
       oder Vertrieb – viele kommen zum selben Schluss: [1][Der Arbeitsmarkt ist
       tot].
       
       „Es kann einfach nicht sein, dass alle anderen, die dann den Job kriegen,
       immer so viel besser sind als ich“, [2][resümiert eine junge Frau] aus
       einem der Videos. Damit hat sie wahrscheinlich recht. Denn die Ursachen der
       aktuellen Situation sind vielfältig.
       
       Zum einen werden Stellen der allmählich aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden
       Babyboomergeneration häufig nicht mehr nachbesetzt. Stattdessen verteilen
       Unternehmen die anfallenden Aufgaben auf bestehende Mitarbeitende.
       
       Zum anderen passt die Qualifikation vieler Bewerberinnen und Bewerber trotz
       guter Ausbildung nicht zu den Anforderungen der ausgeschriebenen Stellen.
       Technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz verändern
       Berufsbilder rasant, lassen manche Tätigkeiten ganz verschwinden und
       schaffen neue Kompetenzanforderungen, die in vielen Ausbildungs- und
       Studiengängen bislang kaum vermittelt werden.
       
       ## Bildung und Leistung lohnen sich nicht
       
       Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche und geopolitische Lage.
       Schwaches Wirtschaftswachstum, Krisen und Kriege dämpfen die
       Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. In unsicheren Zeiten stellen
       Arbeitgeber zurückhaltender ein. Das könnte auch erklären, warum selbst
       Bewerbungen auf vermeintlich einfache Tätigkeiten scheitern.
       
       [3][Eine Tiktokerin berichtet] von gescheiterten Bewerbungen im
       Einzelhandel und fragt frustriert: „Seit wann reicht ein BWL-Studium nicht
       mehr, um Regale im Supermarkt einzuräumen?“ In den Kommentaren vermuten
       User, dass Unternehmen lieber Menschen mit entsprechender Ausbildung
       einstellen, die voraussichtlich langfristig im Betrieb bleiben.
       Überqualifizierte gelten als kurzfristige Lösung – eine Investition, die
       sich nicht auszahlt und die man sich nicht leisten kann.
       
       Junge Menschen stecken fest: Für die Berufe, für die sie ausgebildet
       wurden, gibt es derzeit keinen Markt. Gleichzeitig erhalten sie Absagen für
       Tätigkeiten, mit denen sie die schwierige Phase überbrücken könnten.
       
       Die Zeiten, in denen man Arbeitslosigkeit à la Arno Dübel noch eine gewisse
       Kultigkeit abgewinnen konnte, sind aber vorbei. Die Realität heißt heute:
       [4][30 Jahre alt, Masterabschluss, Grundsicherung.] Für viele ist das nicht
       nur ein finanzielles Problem, sondern ein Angriff auf das Versprechen, dass
       sich Bildung und Leistung auszahlen.
       
       Trotzdem begegnet ihnen oft Häme statt Mitgefühl in den Kommentarspalten:
       „Hauptsache Langzeitstudent“, „War ja klar“, „Wieso so überrascht?“. Dabei
       stehen sie vor einem Arbeitsmarkt, der ihnen jahrelang Chancen versprach
       und nun keine Verwendung für sie zu haben scheint. Man sollte ihnen
       stattdessen Durchhaltevermögen und Glück wünschen – sie werden es brauchen.
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tiktok.com/@bymischi/video/7638623802653412640?_r=1&_t=ZN-96WYKhl9qjO
 (DIR) [2] https://www.tiktok.com/@sarah.elgd/video/7631974979063598369?_r=1&_t=ZN-96WYVmSFzKl
 (DIR) [3] https://www.tiktok.com/@elisa.jobtipps/video/7629430083446459681?_r=1&_t=ZN-96gWnAsyreI
 (DIR) [4] https://www.tiktok.com/@saskiaxm/video/7634095350038498592?_r=1&_t=ZN-96WYk8EQMPW
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Giorgia Grimaldi
       
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