# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Der größte Iran-Versteher
> Gianni Infantino muss sich mit Beschwerden von unerwarteter Seite
> befassen. Dabei kann sich niemand so gut in den Iran hineinversetzen wie
> er.
(IMG) Bild: Ganz nah dran: Infantino traf schon 2023 Irans Präsidenten Ebrahim Raisi, der später bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam
## 27. Juni
Ich sollte wieder öfter episch sagen, habe ich mir gestern gedacht. Wie
fantastisch diese WM ist, das haben mittlerweile alle gesehen, bis auf ein
paar wenige, die aber auch nicht so häufig im Stadion waren wie ich und
sowieso nicht mitreden können. Fantastisch müsste ich also eigentlich nicht
mehr so oft sagen. Episch ist einfach auch ein fantastisches Wort.
Es ist ein episches Turnier, das habe ich in Seattle nach dem Spiel
zwischen Iran und Ägypten noch im Stadion für meinen Instagram-Kanal
gesagt. Und erst hinterher ist mir aufgefallen, wie fantastisch passend das
war. Denn episch kommt ja von Epos und wer denkt da nicht an die
weltberühmte Odyssee. So weltberühmt wie die Fifa-WM und eben auch eine
sehr lange Helden- und Leidensgeschichte voller Herausforderungen.
Spätestens im Rückblick ist das Ende so fantastisch wie der Anfang und
alles dazwischen.
So ähnlich habe ich das den iranischen Spielern auch in ihrer Kabine beim
ersten WM-Spiel gesagt. Es ist hart, was ihr derzeit alles durchmacht. Aber
ihr werdet gestärkt aus allem hervorgehen. Natürlich gibt es jetzt wieder
Beschwerden. Doch das ist ja immer so, die Fifa und ich sind jedes Mal an
allem schuld. Wenn es [1][irgendwo etwas heftiger regnet], dann ist der
Fifa-Präsident wieder einmal zu viel geflogen.
## Gesichtsyoga für Gianni
Was mir jetzt die Iraner vorwerfen, ist freilich noch absurder. Ja, als sie
sich bereits vor der ersten WM-Partie beschwert haben, sagte ich, das sei
erst der Anfang. Aber so war es doch und jetzt ist es leider schon das Ende
für den Iran, [2][weil sie den Ball in der Nachspielzeit nicht über die
Linie bekommen.] Den hätte ja sogar ich reingemacht. Schuld bin ich
trotzdem. Und das Pride-Wochenende in Seattle habe auch nicht ich erfunden.
Das könnte man fast denken, wenn man die Iraner reden hört.
Bei der nächsten Weltmeisterschaft wird alles für den Iran besser sein,
dafür werde ich persönlich sorgen. Spätestens bei der WM 2034 wird es nur
pride-freie Spieltage geben. Mal so, mal so, das ist gelebte Fifa-Toleranz.
Irgendwann wird man auch im Iran erkennen, wie episch diese WM 2026 war.
Der Beginn einer fantastischen Reise.
[3][Niemand versteht den Iran so gut wie ich.] Niemand weiß so gut wie ich,
was es bedeutet, wenn man zu den Spielen nicht ein, zwei Tage vorher
anreisen kann. Die ganzen Regenerations- und Vorbereitungsmaßnahmen müssen
auch bei mir im Flieger stattfinden. Dennoch steige ich jedes Mal in
Bestform aus. Ausreden gibt es für mich nicht. An dieser Stelle ein Lob an
meine Gesichtsyoga-Lehrerin. Es macht sich keiner eine Vorstellung, wie das
auf die Kondition geht, wenn man jeden Tag so lange lächeln muss.
Meine über 50 Gesichtsmuskeln kann ich mindestens so virtuos einsetzen, wie
Messi die Muskeln seines linken Fußes. Mein Visagist macht ebenfalls
fantastische Arbeit. So, jetzt ist der Flieger endlich voll aufgetankt. Es
kann wieder losgehen.
28 Jun 2026
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