# taz.de -- Bahnhof-Projekt Stuttgart 21: Es wird noch teurer und dauert noch länger
       
       > Das Debakel um den neuen Tiefbahnhof in Stuttgart geht weiter. Der Bau
       > soll fünf Jahre länger dauern und kostet mindestens drei Milliarden Euro
       > mehr.
       
 (IMG) Bild: Überraschung: Es wird noch teurer und dauert noch länger. Die Baustelle im Tiefbahnhof von Stuttgart 21
       
       dpa | Fünf Jahre länger und 3 Milliarden Euro mehr – Stand jetzt: Die
       Hängepartie um [1][das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21] geht
       weiter. Nach neuesten Planungen der Deutschen Bahn (DB) soll der neue
       Tiefbahnhof in der Stuttgarter Innenstadt erst 2031 in Betrieb gehen und
       damit fünf Jahre später als zuletzt geplant. Das hat auch Folgen für die
       Kosten. Diese erhöhen sich laut Bahn um weitere 3 Milliarden Euro auf 14,5
       Milliarden.
       
       Bei einem Spitzentreffen mit den Projektpartnern musste Bahnchefin Evelyn
       Palla in Stuttgart unter anderem Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Cem
       Özdemir (Grüne) und Stuttgarters Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU)
       erklären, wie es zu dem Debakel rund um die Mega-Baustelle kommen konnte.
       Ein Überblick über die wichtigsten Punkte:
       
       ## Die Gründe
       
       Vier Hauptgründe hat die interne Überprüfung des Projektes ergeben, die
       Bahnchefin Palla nach der Absage des jüngsten Eröffnungstermins Ende 2026
       angeordnet hatte.
       
       Die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens sei deutlich
       herausfordernder als zunächst gedacht. Zudem hätten Planungsprozesse nicht
       den nötigen Reifegrad gehabt. Teilweise müssen deswegen neue Kabel verlegt
       werden, laut Bahn geht es um etwa 100 Kilometer.
       
       Zudem gebe es Probleme mit einem bereits 2013 gebauten Technikgebäude, das
       für den aktuellen Bedarf nicht mehr passend sei. Komplett neu planen muss
       die Bahn das Notstromkonzept, weil zu spät auf neue Vorgaben reagiert
       wurde.
       
       ## Die Kosten
       
       Nachdem in Stuttgart mindestens fünf Jahre länger gebaut wird, erhöhen sich
       natürlich auch die Kosten für Stuttgart 21 – und zwar noch einmal deutlich.
       Die Bahn geht von Mehrkosten in Höhe von rund 3 Milliarden Euro aus. Damit
       steigen die Gesamtkosten für Stuttgart 21 nach derzeitigem Stand auf 14,5
       Milliarden Euro.
       
       Beim Abschluss des Finanzierungsvertrags im Jahr 2009 war man noch von
       Baukosten in Höhe von rund 3 Milliarden Euro ausgegangen und hatte noch
       einen Puffer von 1,5 Milliarden Euro eingeplant. An diesen Summen
       beteiligen sich auch das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, der
       Verband Region Stuttgart und der Flughafen Stuttgart.
       
       Alle Mehrkosten, die darüber hinausgehen, muss die Bahn allerdings komplett
       alleine tragen. Eine Klage, die die Projektpartner zu einer Beteiligung
       zwingen sollte, war vor knapp einem Jahr in letzter Instanz gescheitert.
       
       ## Die Reaktionen
       
       Bahnchefin Palla ließ sich in einer Mitteilung zitieren, dass sie
       erschüttert sei über die Ergebnisse der konzerninternen Überprüfung von
       Stuttgart 21. Ehrlichkeit und Realismus seien nun ins Projekt eingezogen,
       versprach sie demnach. Den vollständigen Bericht will die Bahn allerdings
       nicht veröffentlichen.
       
       Die Projektpartner gaben sich eher zurückhaltend. Er kenne den
       Revisionsbericht nicht, nur die Aussagen der Bahnvertreter, sagte
       Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) auf die Frage, für
       wie verlässlich er die neue Planung halte. Die Bahn habe einen klaren
       Willen erkennen lassen. Aber nicht das Land baue den Bahnhof, sondern die
       Bahn. „Wir werden darauf schauen, dass die Zusagen, die heute gemacht
       worden sind, auch eingehalten werden.“
       
       Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sprach von einem harten und
       höchst schmerzhaften Schlag, sagte aber auch, dass Palla aus seiner Sicht
       glaubhaft Besserung gelobt und einen realistischen und nachvollziehbaren
       Plan vorgelegt habe.
       
       Für die Stuttgarter S-Bahn ist die erneute Verschiebung der Inbetriebnahme
       auch finanziell schmerzhaft. Einige der S-Bahn-Züge, die für die
       Digitalisierung des Bahnknotens aufgerüstet worden seien, dürften kurz nach
       dem neuen Eröffnungstermin ausgemustert werden, erklärte der Vorsitzende
       des Verbands Region Stuttgart, Rainer Wieland (CDU). „Das waren
       Fehlinvestitionen.“
       
       ## Die Folgen für die Fahrgäste
       
       Die Fahrgäste in Stuttgart werden wegen der Verschiebung der Inbetriebnahme
       weitere fünf Jahre mit einem Provisorium leben. Sie müssen wegen der
       Baustelle mitten im Zentrum der Landeshauptstadt seit vielen Jahren weitere
       Wege zu den Fernzügen in Kauf nehmen. Zudem kommt es wegen Bauarbeiten rund
       um das Bahnprojekt häufig zu längeren Streckensperrungen mit Ersatzverkehr
       und Zugausfällen.
       
       [2][Bahnchefin Palla] versprach: Die kommenden Jahre bis zur Inbetriebnahme
       würden sich für die Menschen in Stuttgart nicht so anfühlen wie die
       vergangenen Jahre. „Es muss Erleichterungen geben.“
       
       Die langen Wege für die Reisenden will die Bahn schon vor Eröffnung des
       Bahnhofs verkürzen. Ab Ende 2027 sollen Fahrgäste nicht mehr um die
       komplette Baustelle herum zu den Fernzügen laufen müssen, sondern über das
       Dach des neuen Tiefbahnhofs direkt zu den Gleisen des alten Kopfbahnhofs
       gehen können.
       
       Ab Ende 2030 will die Bahn bereits den neuen Fernbahnhof am Flughafen in
       Betrieb nehmen. Die Verlängerung der S-Bahn-Stammstrecke mit der neuen
       Haltestelle Mittnachtstraße soll 2032 angefahren werden. Als letzter
       Baustein soll dann im Jahr 2033 der neue Pfaffensteigtunnel eröffnet
       werden, durch den die Gäubahn aus Richtung Zürich an den neuen Hauptbahnhof
       angebunden wird.
       
       26 Jun 2026
       
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