# taz.de -- Antonio Rüdiger in DFB-Startelf: Mit neuer Gelassenheit
       
       > Nach dem WM-Ausfall von Nico Schlotterbeck soll es Antonio Rüdiger
       > richten. Auf Social Media ist der 33-Jährige bei den Rechtspopulisten
       > eine Hassfigur.
       
 (IMG) Bild: Starke Emotionen: Rüdiger motiviert seine Mitspieler
       
       Und noch ein Buhmann in der Startelf. Ähnlich wie Leroy Sané ist Antonio
       Rüdiger bei vielen deutschen Fans nicht sonderlich gut angesehen. Nach dem
       verletzungsbedingten [1][Ausfall von Nico Schlotterbeck] scheint der im
       rauen Berliner Bezirk Neukölln aufgewachsene Innenverteidiger die erste
       Wahl für Bundestrainer Julian Nagelsmann zu sein. Jedenfalls ersetzte
       Rüdiger den ausgefallenen Schlotterbeck schon im Spiel gegen die
       Elfenbeinküste.
       
       Beeindruckend entspannt präsentierte sich der 33-Jährige kürzlich in der
       Medienrunde den deutschen Journalisten. Und dass er nun wirklich vielen
       deutschen Fans verhasst ist – das kann nicht als gesichert gelten. Social
       Media wirkt bekanntlich als Empörungsverstärker. Rüdiger weiß das nur zu
       gut und erklärte schmunzelnd: „Mein Name generiert sehr viele Klicks.“
       
       Um dieses Phänomen zu erklären, reicht es nicht, auf seine zuweilen
       unbeherrschte Art auf dem Platz zu verweisen. Was etliche besonders auf die
       Palme bringt, ist vielmehr sein religiöser Eifer. Nius-Chefredakteur Julian
       Reichelt und viele andere wollen [2][eine Zeigefingergeste] als
       islamistischen Gruß enttarnt haben. Rüdiger hat sich von derlei
       Interpretationen mehrfach distanziert und zog wegen der Anschuldigungen
       auch vor Gericht.
       
       Verstörend muss es für Reichelt & Co dieser Tage gewesen sein, dass ihr
       neuer Lieblingsspieler, [3][der christlich-fundamentalistische DFB-Kicker
       Felix Nmecha], der schon nachweislich homophobes Gedankengut geteilt hat,
       gerade von Rüdiger in Schutz genommen wurde. Zu dessen Gebetskreis nach dem
       Spiel gegen Curaçao erklärte er, das seien doch „schöne Bilder“ gewesen.
       
       ## Anführer als Nothelfer
       
       Sollte Rüdiger als Stellvertreter von Schlotterbeck patzen, wird die
       Hassmaschine im Internet schon wieder ins Laufen kommen. Für den Profi von
       Real Madrid ist die derzeitige Konstellation im Nationalteam recht
       ungewohnt. In den vergangenen Jahren kam ihm eine Anführerrolle zu, nun
       soll er es als Nothelfer richten.
       
       In diesen Tagen ist er selbst verbal zu einem Defensivspezialisten
       geworden. Von eigenen Ansprüchen wollte er gar nicht reden. „Er ist jetzt
       der neue Chef“, erklärte Rüdiger, als er auf Tah angesprochen wurde.
       Geradezu ins Schwärmen geriet er über die Spielaufbaufähigkeiten von Nico
       Schlotterbeck und dessen „linken Fuß aus Gold“.
       
       Wie sehr dieser dem deutschen Spiel fehlen wird, das hängt jetzt
       insbesondere von Antonio Rüdiger ab. Eigentlich spielt er wie Tah lieber
       auf der rechten Innenverteidigerposition. Gegen die Elfenbeinküste hat er
       zumindest schon einmal einen ordentlichen Einstand ins Turnier feiern
       können.
       
       24 Jun 2026
       
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